Die Demokratische Republik Kongo verzeichnet im Zuge des dortigen Ebola-Ausbruch, der seit 100 Tagen offiziell andauert, eine beispiellose Dynamik. Nach Angaben von Gesundheitsexperten handelt es sich um den am schnellsten wachsenden Ausbruch in der Geschichte des Landes. In den ersten drei Monaten wurde eine tägliche Durchschnittszahl von rund 90 bestätigten Fällen registriert. Diese Infektionsrate übertrifft deutlich die Werte, die im selben Zeitraum während der Epidemie in Westafrika in den Jahren 2014 bis 2016 sowie während des Ausbruchs im Kongo zwischen 2018 und 2020 beobachtet wurden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Übertragungsraten die bisherigen Eindämmungsbemühungen zeitweise übertreffen.
Chronik eines rasanten Anstiegs nach 100 Tagen
Ausgelöst wird das aktuelle Geschehen durch den seltenen Bundibugyo-Virusstamm, für den es bislang keine zugelassenen Impfstoffe oder Behandlungen gibt. Genormte Sequenzierungen ergaben zudem, dass der Ausbruch einen massiven Startvorsprung hatte und bereits im Februar und damit Monate vor der offiziellen Erklärung vom 15. Mai begann. Mittlerweile hat sich das Virus auf sechs Provinzen ausgedehnt. Das Epizentrum befindet sich nach wie vor in Ituri, wo rund 85 Prozent der Fälle und 79 Prozent der Todesfälle verzeichnet werden.
Schwere humanitäre und logistische Herausforderungen
Die humanitäre Lage vor Ort wird durch anhaltende Konflikte, Vertreibungen und eine fragile Gesundheitsversorgung zusätzlich verschärft. Viele Neuinfektionen und Todesfälle ereignen sich in abgelegenen Dorfgemeinschaften, die für Hilfskräfte schwer erreichbar sind. Nach Angaben der WHO ereigneten sich rund 60 Prozent der wöchentlichen Todesfälle außerhalb von Behandlungszentren in den Gemeinden, was auf anhaltende Probleme bei der Früherkennung und dem Zugang zu Behandlungen hinweist. Zudem sind medizinische Einrichtungen stark gefährdet: Bis zum 18. August wurden im Kongo 163 Gesundheitsmitarbeiter infiziert, von denen 47 starben. Auch im Nachbarland Uganda wurden vier Infektionen bei medizinischem Personal registriert. Neben mangelhafter Infrastruktur und fehlenden Schutzausrüstungen behindern auch Streiks des Gesundheitspersonals wegen ausbleibender Gehälter sowie Desinformationen und Skepsis in Teilen der Bevölkerung die Arbeit der Einsatzkräfte.

Ausweitung der Kapazitäten und medizinische Innovationen
Trotz der schwierigen Bedingungen wurden die Kapazitäten zur Bekämpfung der Krise massiv hochgefahren. Die Laborkapazitäten wuchsen von einer einzigen Teststelle auf mittlerweile 19 Labore an, die täglich mehr als 3.000 Proben verarbeiten können. Die Bettenkapazität in den Behandlungszentren stieg von anfangs unter 10 auf über 1.300 Plätze, und mehr als 900 Gesundheitseinrichtungen erhielten Unterstützung bei der Infektionsprävention. Auch die Nachverfolgung von Kontakten verbesserte sich laut offiziellen Angaben von anfänglich 9 Prozent in der ersten Woche auf 84 Prozent Mitte August. Flankiert werden diese Maßnahmen durch den Einsatz von mehr als 260 WHO-Experten und über 330 Tonnen medizinischer Hilfsgüter.

Wissenschaftlich macht der Kampf ebenfalls Fortschritte. Forscher führen klinische Studien zu potenziellen Behandlungen durch, testen erstmals zwei speziell für den Bundibugyo-Stamm entwickelte Impfstoffe und setzen den ersten Notfall-zugelassenen molekularen Diagnosetest ein. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, dass der Ausbruch durch verstärktes und lokal verankertes Handeln unter Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung und regionaler Partner unter Kontrolle gebracht werden könne.
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