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DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert Ende der abschlagsfreien Rente

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, bezeichnet die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren als finanziell unverzichtbar. Laut Fratzscher würde dieser Schritt pro Rentnerjahrgang knapp zehn Milliarden Euro an langfristigen Einsparungen sowie 125.000 zusätzliche Beschäftigte ermöglichen, um die Rentenreform zu sichern.

Die Debatte um die sogenannte «Rente mit 63» hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Während die Bundesregierung und die Rentenkommission auf eine Streichung der abschlagsfreien Frührente setzen, wehren sich ostdeutsche Ministerpräsidenten gegen diesen Kurs. Im Zentrum steht die Frage, ob ein Reformpaket, das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) als Einheit geplant ist, für regionale Besonderheiten geöffnet werden muss.

Die finanzielle Logik von Marcel Fratzscher

Für Marcel Fratzscher ist die Streichung der abschlagsfreien Rente kein optionales Detail, sondern das Fundament der gesamten Planung. In einem Gespräch mit der Rheinischen Post betonte der DIW-Präsident, dass die Reform ohne dieses Element scheitern würde.

Fratzscher warnt davor, dass die Regierung ohne diese Maßnahme die Finanzierung der gesetzlichen Rente komplett neu aufsetzen müsste. Neben den fiskalischen Einsparungen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr sieht er eine soziale Schieflage: Die aktuelle Regelung begünstige laut Fratzscher vor allem Männer und Besserverdienende, während Menschen, die von Altersarmut bedroht sind, seltener profitieren.

Ostdeutsche Ministerpräsidenten fordern Ausnahmen

Dieser ökonomischen Sicht steht ein politischer Widerstand aus den neuen Bundesländern gegenüber. Die CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) haben in einem Brief an die Bundesregierung die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente gefordert. Ihr Argument: Wer 45 Jahre eingezahlt hat, habe genug beigetragen.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert Ende der abschlagsfreien Rente
Photo: manager-magazin.de

Die Regierungschefs verweisen auf die spezifischen Erwerbsbiografien in Ostdeutschland. Da Betriebsrenten dort seltener seien und private Vorsorge oft fehlte, fungiere die gesetzliche Rente häufig als einzige Säule der Alterssicherung. Unterstützt werden diese Forderungen zudem von Brandenburgs Ministerpräsident Woidke (SPD) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig (SPD).

Sonderregelungen vs. das „Gesamtkunstwerk“

Innerhalb der Regierung und der Union herrscht Uneinigkeit über den Umgang mit diesen Forderungen. Arbeitsministerin Bärbel Bas bezeichnete die Vorschläge der Rentenkommission ursprünglich als Gesamtkunstwerk und plädierte dafür, dass das Paket zusammenbleiben sollte. Dennoch forderte sie im ZDF-Sommerinterview die Union auf, ihre interne Position zu klären. Bas signalisierte, dass sie sich nicht dagegen sträube, das Paket aufzuschnüren, sofern dies die Meinung der Union sei.

CSU-Chef Markus Söder hingegen warnt davor, die Empfehlungen der Rentenkommission wieder aufzumachen. Er erinnerte daran, dass Union und SPD zugesichert hatten, die Vorschläge 1:1 zu übernehmen, und bezeichnete den Vorstoß der ostdeutschen Ministerpräsidenten als etwas überraschend.

Die Kernpunkte der Rentenkommission

Die Diskussion um die „Rente mit 63“ ist Teil eines weitreichenderen Reformplans. Die Kommission sieht eine grundlegende Transformation des Systems vor, die über die reine Streichung von Frührenten hinausgeht.

Junge und alte Menschen sitzen im Jahr 2018 auf der Bank einer Bushaltestelle in Berlin
Photo: Deutschlandfunk

    Aktueller Status der „Rente mit 63“

    Tatsächlich ist ein früherer Renteneintritt ohne Abschläge bei ausreichender Versicherungszeit derzeit erst ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich.

    Die politische Entscheidung darüber, ob diese Regelung komplett entfällt oder durch Übergangsregeln für bestimmte Gruppen – insbesondere in Ostdeutschland – abgefedert wird, bleibt die zentrale Schwachstelle in der Einigung zwischen der Bundesregierung und den Landesregierungen.

    Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, zu "Rente mit 70" und zur Konjunkturprognose
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    Jonas Becker

    Über den Autor

    Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

    Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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