August 2026 eine Zwischenbilanz gezogen. Demnach ist die Hälfte der angekündigten 16 Massnahmen umgesetzt. Erste Anzeichen für einen Kulturwandel und vermehrte Meldungen zeichnen sich ab.
Die Schweizer Armee sieht im Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung messbare Fortschritte. Wie an einem Medienanlass am Freitag in Bern bekannt gegeben wurde, ist die Hälfte des vor rund zwei Jahren beschlossenen Massnahmenpakets inzwischen vollständig realisiert. Der Plan stützt sich auf eine umfassende Studie aus dem Jahr 2024 ab, die damals tiefe Einblicke in Missstände innerhalb der Truppen lieferte.
Ergebnisse der Studie von 2024 und der Weg zur Nulltoleranz
Die im Oktober 2024 präsentierte Erhebung hatte eine erschreckende Realität offenbart. Fast die Hälfte der damals rund 1100 befragten Armeeangehörigen – darunter zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer – gab an, während ihrer militärischen Laufbahn geschlechtsspezifische Diskriminierung oder sexualisierte Gewalt erlebt zu haben.
Das darauf basierende Diversity-Programm wurde im Anschluss um 16 konkrete Massnahmen in sechs Handlungsfeldern ergänzt, die bis Ende 2027 vollständig greifen sollen. Der nun vorgelegte Zwischenbericht zeigt auf, wie weit die Umsetzung gediehen ist und wo es im System noch hakt.
Zwischenstand: Acht Massnahmen umgesetzt, sieben in Arbeit
Von den insgesamt 16 vorgesehenen Schritten hat die Armee acht erfolgreich abgeschlossen und in den regulären Dienstbetrieb überführt. Zu den bereits greifenden Massnahmen gehört eine obligatorische Online-Lektion für alle Rekrutinnen und Rekruten. Seit dem 1. Januar 2025 haben rund 19’500 Angehörige diese Sensibilisierung absolviert. Ergänzend dazu wurde auf Stufe Zug und Kompanie ein gemeinsam erarbeiteter Verhaltenskodex flächendeckend eingeführt, der seit der Rekrutenschule 2/25 gilt. Auch ein anonymes Meldetool sowie eine im Mai 2025 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Opferschutz sind mittlerweile einsatzbereit.

Sieben weitere Massnahmen befinden sich nach Angaben der Armeeführung gegenwärtig in der Umsetzung. Eine weitere Massnahme gerät derweil in Verzug: Ein geplantes Merkblatt zu den Rechten von Betroffenen verzögert sich, da das zugrundeliegende Handbuch inhaltlich erweitert wird, um künftig sämtliche Personalkategorien abzudecken.
Ausweitung des Handbuchs auf das Berufsmilitär
Ursprünglich war das zentrale Handbuch zum Vorgehen bei Diskriminierung und sexualisierter Gewalt ausschliesslich für die Miliz vorgesehen. Da sich entsprechende Vorfälle jedoch durch sämtliche Bereiche ziehen, weitet die Armee das Regelwerk nun auf alle Personalkategorien – einschliesslich des Berufsmilitärs – aus. Dieser Schritt erzeugt einen beträchtlichen Mehraufwand, weshalb sich die Fertigstellung des Merkblatts nach hinten verschiebt. Dennoch hält die Armeeführung an dem Ziel fest, alle 16 Massnahmen bis spätestens Ende 2027 umzuschlagen.
Erste positive Signale in der Praxis und kommende Kontrollen
Trotz des noch laufenden Prozesses verzeichnet der Bericht erste spürbare Verbesserungen im Alltag der Truppen. Die zuständige Fachstelle registriert deutlich mehr Kontaktaufnahmen, wobei sich mittlerweile vermehrt auch Männer an die Stelle wenden. Zudem beobachten Verantwortliche, dass Kaderpersonen zu Beginn der Rekrutenschulen eine klarere Haltung
einnehmen.

Ob die Massnahmen langfristig die erhoffte Wirkung entfalten, soll eine wissenschaftliche Überprüfung zeigen. Wie im Vorfeld angekündigt, plant die Schweizer Armee für das Frühjahr 2028 eine gross angelegte Folgestudie, deren Ergebnisse direkt mit den Daten aus dem Jahr 2024 abgeglichen werden.