Das Schweizer Parlament hat am 20. Juni 2026 beschlossen, die 13. AHV-Rente primär durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte zu finanzieren. Die Kosten für 2026 werden auf 4,2 Milliarden Franken geschätzt. Da Lohnbeiträge abgelehnt wurden, bleibt die Finanzierung laut Berichten nur teilweise gesichert und bedarf der Volksabstimmung.
Die Entscheidung über die Finanzierung der 13. AHV-Rente hat das Parlament in einen politischen Krimi verwandelt, der in einem höchst umstrittenen Kompromiss endete. Während die Räte einer unbefristeten Erhöhung der Mehrwertsteuer zustimmten, scheiterte die geplante Mischlösung. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,2 Prozentpunkte wurde im Nationalrat abgelehnt, was die politische Spannung in der jüngsten Ausgabe der SRF-Arena befeuerte.
Die Finanzierungslücke: Warum die Mehrwertsteuer kaum ausreicht
Die aktuelle Lösung deckt die Kosten der zusätzlichen Rente nur unzureichend. Laut Berichten von Watson ist die 13. AHV-Rente durch die reine Mehrwertsteuererhöhung nur zu etwa der Hälfte finanziert. Damit bleibt ein erhebliches Loch in der Kasse, sofern keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden.
Die Kostenlast ist massiv: Allein für das Jahr 2026 werden 4,2 Milliarden Franken benötigt, und die Ausgaben werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Dass das Parlament keine vollständige Deckung fand, wird von Kritikern als Versagen gewertet. In der SRF-Arena wurden Leserbriefe eingeblendet, die das Vorgehen des Parlaments als Trauerspiel oder Arbeitsverweigerung bezeichneten.
Für die Rentnerinnen und Rentner bedeutet dies eine ungewisse Zukunft. Zwar sollen sie im kommenden Dezember erstmals die 13. Rente erhalten, doch die finanzielle Basis ist wackelig. Die Umsetzung hängt nun maßgeblich davon ab, ob das Stimmvolk der Steuererhöhung zustimmt.
Der Streit zwischen Lohnbeiträgen und Konsumsteuer
Photo: Watson
Die Debatte in der Arena zeigte eine tiefe ideologische Spaltung darüber, wer für die Renten zahlen soll. Die Linke und die Mitte plädierten für Lohnbeiträge, da diese dem Grundsatz folgen, dass höhere Einkommen mehr beisteuern. Erich Ettlin, Ständerat der Mitte, kritisierte die Mehrwertsteuer als keine sehr soziale Steuer, da auch Familien mit geringem Einkommen bei lebensnotwendigen Einkäufen wie Windeln belastet würden.
Demgegenüber steht die Position der SVP. Hannes Germann, Ständerat der SVP, argumentiert, dass die Mehrwertsteuer solidarisch sei, weil sie alle Bürger erfasse. Er betonte, dass Personen mit einem Einkommen von einer Million logischerweise auch deutlich mehr konsumieren und somit mehr einzahlen.
Diese gegensätzlichen Sichtweisen lassen sich in der folgenden Tabelle zusammenfassen:
Finanzierungsweg
Argumente der Befürworter (SVP/FDP)
Argumente der Kritiker (SP/Mitte)
Mehrwertsteuer (+0,4%)
Solidarisch, trifft alle, auch Pensionierte beteiligen sich.
Sozial ungerecht, belastet Haushalte mit geringem Einkommen stärker.
Lohnbeiträge (+0,2%)
Belastung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu hoch.
Gerechter, da höhere Einkommen proportional mehr zahlen.
Die Berichterstattung von Blick verdeutlicht, dass die bürgerliche Seite die Mehrwertsteuer primär als Schadensbegrenzung sieht, da Lohnabzüge als weitaus schlimmer empfunden würden.
Strukturelle Maßnahmen und die Debatte um das Rentenalter
Jungparteien in der Arena | Zoff um die Zukunft | 27.09.2019
Ein zentraler Konfliktpunkt in der Arena war die Forderung nach sogenannten strukturellen Maßnahmen. Andri Silberschmidt, Nationalrat der FDP, kritisierte die aktuelle Lösung scharf und forderte eine Gesamtreform der AHV, um das System langfristig fit zu machen.
„Es ist kein Kompromiss, wenn es die Bevölkerung allein bezahlen muss.“
Andri Silberschmidt, Nationalrat FDP
Für die Gegenseite ist dieser Begriff jedoch ein politisches Manöver. Samira Marti, Nationalrätin der SP, stellte klar, dass Strukturelle Massnahmen ist ein Codewort für die Rentenalterserhöhung. Marti lehnt eine Erhöhung des Rentenalters ab und verweist stattdessen auf die Praxis in der Banken- und Versicherungsbranche, in der laut ihren Angaben über 65 Prozent der Beschäftigten frühpensioniert werden.
Silberschmidt hält dagegen und plädiert für Modelle, die auf die individuelle Laufbahn Rücksicht nehmen. Wer beispielsweise erst mit 30 Jahren nach dem Studium ins Berufsleben einsteigt, könne länger arbeiten, während Personen, die bereits mit 18 begannen, früher in Rente gehen sollten. Laut SRF ist dies der Kern der FDP-Strategie, um die AHV nachhaltig zu stabilisieren.
Die Positionen der Sozialpartner in der Arena
Neben den Parlamentariern brachten die Sozialpartner eine weitere Ebene des Konflikts ein. Während Jonas Eggmann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund primär darauf drängt, dass die Entscheidung des Parlaments nun endlich vorwärts gehe, lehnt die Arbeitgeberseite eine Beteiligung ohne Reformen ab.
Roland A. Müller, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, pochte ebenfalls auf strukturelle Maßnahmen. Die Arbeitgeber weigern sich, die Finanzierung der 13. Rente mitzutragen, solange keine umfassende AHV-Reform erfolgt ist.
Die Dynamik in der Arena spiegelt die allgemeine Unzufriedenheit wider. Hannes Germann, der die Einigungskonferenz präsidiert hatte, beschrieb die Situation als schwierig:
„Wir haben vom Volk eine Knacknuss bekommen.“
Hannes Germann, Ständerat SVP
Die politische Sackgasse bleibt bestehen: Die Linke sieht eine verweigerte Diskussion über Lohnbeiträge, die Rechten eine notwendige Anpassung des Rentenalters. Was bleibt, ist eine Teilfinanzierung über die Konsumsteuer, die nun vor der ultimativen Prüfung durch das Schweizer Stimmvolk steht. Sollte die Mehrwertsteuererhöhung scheitern, steht die Auszahlung der 13. AHV-Rente im Dezember auf dem Spiel.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.