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Deutsche Industrie drosselt Produktion wegen Niedrigwasser im Rhein

Anhaltende Niedrigwasserstände im Rhein zwingen erste deutsche Unternehmen zu Produktionskürzungen und stören die Logistikketten für Rohstoffe und Treibstoffe. Besonders kritisch ist die Lage an einem Engpass bei Kaub nahe Koblenz, wo die Wassertiefen laut der Binnenschifffahrtsbehörde am Dienstag unter 50 Zentimeter fallen könnten. Ein Absinken auf 40 Zentimeter oder weniger führt üblicherweise zur Einstellung der Frachtschifffahrt, so Marc Schattenberg, Ökonom bei Deutsche Bank Research, gegenüber Reuters.

Produktionsausfälle in der Chemie- und Stahlindustrie

Mehrere Schwerindustrien melden bereits konkrete Auswirkungen auf ihre Betriebsabläufe. Der Chemiekonzern SN gab bekannt, dass der Rohstoff- und Warenverkehr derzeit erheblich eingeschränkt sei, was sich bereits auf die Produktion einzelner Betriebe auswirke. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass eine Verlagerung auf die Straße kaum möglich sei, da ein einziges Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit von 1.500 Tonnen etwa 60 Lkw-Fahrten ersetze.

Auch Thyssenkrupp Steel sieht sich mit Lieferproblemen konfrontiert. Das Unternehmen teilte Reuters mit, dass die Rohstoffversorgung für das Werk in Duisburg beeinträchtigt sei, weshalb die Hochofenproduktion leicht reduziert wurde. Während die eigenen Binnenschiff-Operationen eingestellt wurden, chartert der Konzern nun Schiffe mit geringerem Tiefgang. Aktuell seien Lieferungen an Kunden jedoch nicht gefährdet.

Logistische Engpässe und steigende Frachtkosten

Da Schiffe aufgrund der geringen Wassertiefe nicht voll beladen werden können, steigen die Transportkosten. Roberto Spranzi, Direktor der Schifffahrtsgenossenschaft DTG, die rund 100 Schiffe betreibt, erklärte gegenüber DW, dass derzeit nur etwa 25 bis 35 Prozent der Schiffskapazität genutzt werden können. Dies zwinge Kunden oft dazu, drei Schiffe statt eines einzigen einzusetzen.

Rhine River water levels at Kaub, Germany
Photo: eia.gov

Ein typisches Containerschiff mit einer Kapazität von 500 TEU könne den Abschnitt bei Kaub derzeit mit weniger als einem Fünftel seiner normalen Ladung passieren, so Deutsche Bank Research. Um die geringere Auslastung zu kompensieren, erheben Reedereien sogenannte Niedrigwasserzuschläge auf die Frachtpreise.

Deutsche Industrie drosselt Produktion wegen Niedrigwasser im Rhein
Photo: SN

Besondere Risiken bestehen für die Energieversorgung:

  • Kohlekraftwerke: Der Energiekonzern Uniper warnte vor Unregelmäßigkeiten bei der Stromerzeugung in den Kraftwerken Staudinger (Hessen) und Datteln (Nordrhein-Westfalen) bis Anfang September, da die Kohlezufuhr nicht garantiert sei.
  • Kraftstoffe: Während Rohöl meist per Pipeline geliefert wird, nutzt die Industrie den Rhein für den Massentransport raffinierter Produkte. Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass bei einer Sperrung des Rheins täglich etwa 3.000 zusätzliche Tanklkw nötig wären, was die Preise an Tankstellen in Westdeutschland erhöhen könnte.

Strategische Gegenmaßnahmen und historische Vergleiche

Transportminister Volker Wissing fordert zur langfristigen Lösung eine Vertiefung des Rheins, um Engpässe zu beseitigen. Das geplante Projekt zur Ausbaggerung, das bis in die frühen 2030er Jahre dauern soll, umfasst Investitionen von etwa 180 Millionen Euro, wovon 40 Prozent für ökologische Maßnahmen vorgesehen sind. Eine Vertiefung zwischen St. Goar und Mainz würde es Schiffen ermöglichen, etwa 200 Tonnen mehr Fracht zu transportieren, was laut Wissing 10 bis 15 beladenen Lkw entspricht.

Rhine's low water levels hit German industry | DW News

Experten vergleichen die aktuelle Lage mit der extremen Dürre im Jahr 2018, als der Wasserstand in Kaub einen Rekordtiefstand von 25 Zentimetern erreichte. Nils Jannsen vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erklärte, dass die Industrieproduktion damals auf ihrem Höhepunkt um etwa 1,5 Prozent sank. Wolfgang Grosse Entrup, CEO des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), gab an, dass die Branche heute besser auf Hitzewellen vorbereitet sei und die Effekte derzeit teilweise deshalb handhabbar blieben, weil die Produktion ohnehin auf einem niedrigen Niveau liege.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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