Tesla und BYD kassieren die meisten E-Auto-Prämien – Deutsche Hersteller bleiben zurück
Die staatliche E-Auto-Prämie der schwarz-roten Koalition, die den deutschen Automobilstandort sichern soll, kommt primär ausländischen Herstellern zugute. Während die Bundesregierung bis 2029 insgesamt drei Milliarden Euro an Subventionen eingeplant hat, profitieren insbesondere die US-Firma Tesla und chinesische Konzerne wie BYD überproportional von diesen Geldern, während deutsche Hersteller bislang kaum davon profitieren.
Ausländische Marken dominieren Förderanträge
Daten des Umweltministeriums, die dem Bundestagsabgeordneten Julian Joswig (Grüne) vorliegen, belegen eine deutliche Verschiebung der Marktanteile. Bis Ende Juni wurden bereits 53,9 Millionen Euro an Fördergeldern ausgegeben. An der Spitze der bewilligten Anträge steht mit weitem Abstand Tesla mit 2.086 Genehmigungen. Auf Platz zwei folgt Škoda mit 1.197 bewilligten Förderungen.
Besonders auffällig ist die Positionierung chinesischer Marken: Das Unternehmen Leapmotor, das seine Fahrzeuge in Europa über den Stellantis-Konzern vertreibt, belegt den siebten Platz der Förderliste. Damit liegt Leapmotor vor der Marke Volkswagen, die lediglich den achten Platz belegt, gefolgt von BYD. Die Diskrepanz zeigt sich bei der Relation von Verkäufen zu Förderungen: Während Volkswagen im ersten Halbjahr rund 50.000 Elektroautos in Deutschland verkaufte, wurden davon laut Ministerium bisher nur 593 gefördert. Im Gegensatz dazu wurden von den etwa 7.800 verkauften Fahrzeugen von Leapmotor bereits 613 über die Prämie bezuschusst.
Wachstumsboom chinesischer Hersteller
Die staatliche Förderung wirkt laut Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY wie ein „Booster“ für den gesamten Markt, führt jedoch zu unbeabsichtigten Marktanteilsverschiebungen. Der Absatz chinesischer Autokonzerne stieg im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent. Ihr Marktanteil wuchs in einem Jahr von 4,9 Prozent auf 7,2 Prozent.
BYD hat sich dabei zum größten chinesischen Anbieter entwickelt und verzeichnete im Juni 2026 insgesamt 6.259 Neuzulassungen (Marktanteil 2,1 Prozent), gefolgt von MG mit knapp 4.000 Zulassungen (1,3 Prozent). In die Berechnung von EY fließen zudem Marken wie Volvo (1,8 Prozent), Polestar (0,2 Prozent) und das Gemeinschaftsunternehmen Smart (0,3 Prozent) ein, die sich in chinesischem Besitz befinden.
Ursachen für die Benachteiligung deutscher Marken
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg ausländischer Marken ist die Einkommenskopplung der Prämie. Die Förderung verstärkt die Nachfrage vor allem bei Familien mit niedrigeren Einkommen nach günstigen Elektroautos – ein Segment, in dem chinesische Hersteller besonders präsent sind und teilweise Leasingraten unter 100 Euro pro Monat anbieten.
Deutsche Hersteller hingegen haben ihre günstigeren Elektromodelle noch nicht in ausreichender Zahl ausgeliefert. Zwar wurden Angebote unter 25.000 Euro präsentiert, doch die Auslieferungen stehen noch aus. Da die Prämie erst nach der Zulassung des Fahrzeugs beantragt werden kann, werden günstige Modelle des VW-Konzerns erst im Laufe des Jahres auf den Markt kommen, was die aktuelle Rangliste der Förderempfänger verzerrt.
Marktdynamik und wirtschaftliche Folgen
Trotz der Herausforderungen für deutsche Marken gab es im Juni eine allgemeine Belebung des Marktes. Die Pkw-Neuzulassungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 15,7 Prozent auf über 296.000 Fahrzeuge. Besonders privat gehaltene Autos wuchsen mit 28,6 Prozent überdurchschnittlich, was auf die staatliche Prämie zurückgeführt wird. Im Gegensatz dazu stiegen gewerbliche Zulassungen nur um 9,6 Prozent, da es für diese keine Elektroprämie gibt.
Auch Tesla verzeichnete eine Erholung: Die Absatzzahlen verdreifachten sich im Vergleich zum Vorjahr auf rund 8.000 Fahrzeuge, unterstützt durch ein billigeres Einstiegsmodell des in Brandenburg produzierten Model Y, das im Juni das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland war.
Während ausländische Firmen wachsen, steht die deutsche Autoindustrie unter Druck. Während China erstmals eine Million Autos in einem Monat exportiert, diskutiert die deutsche Industrie über Werksschließungen und Stellenabbau. Der Marktanteil deutscher Konzerne auf dem heimischen Markt schrumpfte zwischen Juni 2025 und Juni 2026 leicht von 58 auf 57,4 Prozent.
Zusammenfassung der Marktanteile (Juni 2026)
- Chinesische Konzerne (Gesamt): 7,2 % (Anstieg von 4,9 % im Vorjahr)
- BYD: 2,1 %
- MG: 1,3 %
- Volvo: 1,8 %
- Smart: 0,3 %
- Polestar: 0,2 %
- Deutsche Konzerne (Gesamt): 57,4 % (Rückgang von 58 % im Vorjahr)
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