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Technik und Wissenschaft

Cyberangriff manipuliert Kühlsysteme in Supermärkten mehrerer europäischer Länder

Nach einer Attacke in Frankreich wurden in mehreren europäischen Ländern erneut die Kühlsysteme von Supermärkten manipuliert. Experten vermuten einen gezielten Cyberangriff auf internetverbundene Regler.

Betroffene Supermärkte in Schweden, Belgien und Luxemburg melden steigende Temperaturen

In Stockholm bestätigte die schwedische Supermarktkette Coop gegenüber dem Tagblatt Aftonbladet am Montag, dass sechs ihrer Filialen von dem Temperaturanstieg betroffen sind. Auch die Handelskette ICA meldete ein nächtliches Problem mit ihren Kühlanlagen in einer begrenzten Anzahl von Märkten.

In Belgien und Luxemburg schlug der niederländische Konzern Ahold Delhaize Alarm. Eine Unternehmenssprecherin, Sarah De Meester, erklärte, dass ein IT-Vorfall Dutzende Filialen getroffen habe. Rund 40 Delhaize-Supermärkte in Belgien und Luxemburg waren von dem mutmaßlichen Cyberangriff betroffen, während eine kleinere Anzahl von Geschäften in Schweden, Irland, den Niederlanden und Estland ins Visier geriet. Auch Ketten wie Intermarché, Coopérative U, Carrefour, Leclerc und Monoprix zählten zu den Geschädigten. Carrefour erklärte, dass der Vorfall lediglich 15 seiner belgischen Filialen betraf und sofort Maßnahmen ergriffen worden seien, um den Betrieb aller Geschäfte aufrechtzuerhalten. Eine Sprecherin der Colruyt-Gruppe, die Spar-Märkte in Belgien im Franchisesystem betreibt, gab an, dass bei fünf Läden die Kühlsysteme attackiert wurden.

Technische Eingriffe und Parallelen zum Vorfall in Frankreich

Die Taktik der Angreifer erinnert stark an eine Serie von Vorfällen im Oktober. Damals verschafften sich Hacker in Frankreich Zugriff auf die Kühltechnik von bis zu 700 Supermärkten. Sie veränderten die Temperaturvorgaben von teilweise minus 27 Grad Celsius auf über 50 Grad und manipulierten Enteisungsprogramme sowie Alarmanlagen. Märkte mussten tonnenweise Fleisch, Milchprodukte und Tiefkühlware entsorgen, wobei viele Betriebe Verluste von zehntausenden Euro bis hin zu mehr als 130.000 Euro verzeichneten.

Stephan Moelans, der Geschäftsführer des auf Kühlanlagen spezialisierten Unternehmens Sabcobel, beschrieb den Großeinsatz der Techniker: Wir fingen an, um 1 Uhr nachts Techniker zu mobilisieren, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Belga. Die Techniker hätten die betroffenen Anlagen den ganzen Tag und Morgen vom Netz getrennt.

Cyberangriff manipuliert Kühlsysteme in Supermärkten mehrerer europäischer Länder
Foto: bbc.co.uk

Stephan Moelans, Sabcobel, sagte, dass Techniker die betroffenen Installationen den ganzen Tag und Morgen vom Stromnetz getrennt hätten.

Die Einheiten waren demnach auf den Abtau-Modus umgeschaltet worden. Moelans betonte, dass die Absicherung der Kühlschränke gegen diese Schwachstelle physische Modifikationen erfordere und nicht allein durch Software-Updates zu lösen sei.

Ausmaß der Schäden und Reaktionen der Behörden

Das finanzielle Ausmaß ist beträchtlich. Im belgischen Hoeilaart bezifferte eine Delhaize-Filiale den Verlust verdorbener Waren laut dem Nachrichtenportal Het Laatste Nieuws auf 100.000 Euro, umgerechnet rund 83.500 britische Pfund. Der Filialleiter erklärte, dass in dieser Schätzung noch nicht einmal die weiteren Einbußen durch die notwendige Ladenschließung enthalten seien. Bei den früheren Vorfällen in Frankreich meldeten allein zwei Geschäfte im Elsass einen gemeinsamen Verlust von 270.000 Euro.

Die nationale Cybersecurity-Agentur ANSSI in Frankreich sowie Behörden in Belgien und Schweden überwachen die Lage. In Estland bestätigte der Chef der Kühlungsfirma Kitman Coldtech, Jann Mutso, dass auch dort mehrere Kunden über Schwachstellen in älteren Steuerungsgeräten ins Visier genommen wurden.

Experten weisen darauf hin, dass derartige Vorfälle Risiken verdecken, die weit über gestohlene Passwörter oder Kundendaten hinausgehen: Eingriffe in vernetzte Anlagen können Bestände gefährden, den Geschäftsbetrieb unterbrechen und Lebensmittel für den Verkauf unbrauchbar machen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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