Ein großflächiger Cyberangriff hat seit dem 11. Oktober 2026 Kühlsysteme in hunderten französischen Supermärkten manipuliert. Hacker aktivierten aus der Ferne die Abtaufunktionen, was Temperaturen auf bis zu 50 Grad Celsius ansteigen ließ und zur Vernichtung großer Mengen frischer sowie tiefgekühlter Lebensmittel führte. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen der Schäden und daraus resultierender Brände eingeleitet.
Betroffene Einzelhandelsketten und Ausmaß der Schäden
Die Angriffswelle traf mehrere große Namen des französischen Lebensmitteleinzelhandels. Zu den betroffenen Gruppen zählen Intermarché, Coopérative U, E.Leclerc sowie Carrefour. Während Carrefour den Vorfall für etwa 80 seiner Filialen bestätigte, meldete Monoprix, dass rund 5 Prozent seiner etwa 490 Standorte von dem Systemausfall betroffen waren. Auch Auchan war laut Berichten Ziel der Attacke. Betroffen waren nicht nur große Ketten, sondern auch Metro-Filialen und kleinere unabhängige Unternehmen wie Metzgereien.
Besonders kritisch ist die Situation bei Intermarché: Das Unternehmen berichtete, dass in rund 150 seiner Filialen die Temperaturen der Kühlgeräte über sechs Stunden hinweg auf 50 Grad Celsius hochgefahren wurden. Er bezeichnete den Angriff als inakzeptabel und betonte, dass die Teams voll mobilisiert seien, um die Situation zu bereinigen.
Die Auswirkungen auf die Lebensmittelbestände waren unmittelbar. In einem Intermarché in Haguenau, Elsass, gingen Waren im Wert von rund 50.000 Euro verloren, während ein benachbarter Super U Schäden von etwa 220.000 Euro meldete. Insgesamt wurden für zwei Standorte in Haguenau bereits 270.000 Euro an Verlusten beziffert. Branchenexperten und Medienberichte gehen davon aus, dass die landesweiten Schäden in die Millionen Euro gehen könnten.

Technische Hintergründe und die Rolle von Danfoss
Ein Sprecher aus dem Umfeld von Premierminister Sébastien Lecornu bestätigte, dass die nationale Cybersicherheitsagentur ANSSI eine Schwachstelle in der Software identifiziert und den Anbieter kontaktiert habe. Danfoss erklärte dazu, man sei sich der Vorfälle bewusst, bei denen eine begrenzte Anzahl von Kühlsystemen betroffen war, und wies darauf hin, dass die betroffenen Einheiten mit veralteter Firmware liefen. Das Unternehmen betonte, Kunden schon lange dazu aufgefordert zu haben, Geräte zu aktualisieren.
Antoine Hautin von der Cybersicherheitsberatung Almond unterstrich die Komplexität des Angriffs. Er erklärte, dass industrielle Ausrüstungen wie Kühleinheiten, die lange Zeit vom Internet isoliert waren, heute zunehmend über Sensoren oder Fernüberwachungssysteme vernetzt sind. Dass hunderte Einheiten gleichzeitig manipuliert wurden, zeuge von einem a certain level of sophistication
. Bereits am 9. August 2026 hatte das Cybersecurity-Unternehmen Claroty Details zu Schwachstellen in den Danfoss AK-SM 800A-Controllern veröffentlicht, die es Angreifern ermöglichen könnten, Authentifizierungsmechanismen zu umgehen und Code auszuführen.
Ermittlungen und internationale Beobachtung
Die Pariser Staatsanwaltschaft führt ein Ermittlungsverfahren wegen des large-scale
Angriffs, der nicht nur Lebensmittelverluste, sondern auch Brandereignisse nach sich zog. Die Behörden arbeiten daran, die Opfer zu identifizieren und die Schäden zu dokumentieren. Felix Aime, ein Senior Cyber Threat Intelligence Analyst bei Sekoia Threat Detection and Research, warnte, dass der Vorfall als global wake-up call
zu verstehen sei und auch Länder wie Spanien, Portugal, Polen, Deutschland und Belgien betroffen sein könnten. Er forderte nationale und internationale Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich solche Vorfälle auf kritische Infrastrukturen wie Energieversorger oder Krankenhäuser ausweiten.
Die EU-Ebene reagierte ebenfalls besorgt. Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft, betonte auf X, dass die Ernährungssicherheit mehr Aufmerksamkeit auf allen Ebenen erfordere und eine solche Ausnutzung der Lebensmittelversorgung nun zur Realität gehöre. Präsident Emmanuel Macron hatte zudem bereits im Vormonat Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastrukturen vor hybriden Angriffen angeordnet.

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