Hacker haben in der Nacht auf Montag hunderte Supermärkte in Frankreich, Belgien und den Niederlanden attackiert, indem sie die Danfoss-Kühlsteuerungen von Regalen und Tiefkühltruhen manipulierten und einen ununterbrochenen Abtauvorgang bei 50 Grad Celsius erzwangen. Tonnenweise Frischware verdarb, und die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Sachbeschädigung sowie möglicher Folgebrände.
In der Nacht zum Montag, dem 12. Oktober 2026, schlugen Angreifer in hunderten Supermärkten im westeuropäischen Raum zu. Statt Lebensmittel zu kühlen, heizten Kühlregale und Tiefkühltruhen stundenlang auf, wodurch tonnenweise Frisch- und Tiefkühlware unbrauchbar wurde. Der Cybervorfall in Frankreich legte die Kältetechnik von schätzungsweise 150 bis zu 300 Filialen lahm. Betroffen waren unter anderem bekannte Handelsketten wie Intermarché, Netto, Monoprix, E.Leclerc und Coopérative U. Während die betroffenen Märkte in geschlossenen Räumen über Nacht blieben, bemerkte die Frühschicht am Morgen das Ausmaß des Schadens.
Laut Angaben französischer Medien, auf die sich BleepingComputer beruft, waren zwischen 250 und 350 Filialen betroffen, darunter Intermarché, Coopérative U, Carrefour Market, Monoprix, Leclerc und Super U. Die Supermärkte sehen sich als Kollateralopfer eines Angriffs auf einen Danfoss-Dienstleister. Ähnliche Angriffe auf Danfoss-Systeme soll es bereits 2022 in Russland und Israel gegeben haben. Die Läden selbst blieben geöffnet, die Kühlanlagen dort wurden nicht sabotiert, während parallel der Handelskonzern Ahold Delhaize am Montag einen Cybersecurity Incident meldete und Systeme vom Netz nahm.

Angriff auf Danfoss-Steuerungen im Grossformat
Technischer Ausgangspunkt des Angriffs waren zentrale Steuerungssysteme des dänischen Herstellers Danfoss, die in vielen Märkten für das Energiemanagement und die Kälteversorgung eingesetzt werden. Die Angreifer nutzten laut Berichten von IT-Sicherheitsexperten ältere Reglersoftware aus und missbrauchten eine harmlose Routinefunktion.
In einigen Filialen riss die Kühlkette so stark, dass nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft neben verdorbenen Lebensmitteln auch Folgebrände in den Märkten ausbrachen. Das Claroty-Team Team82 hatte am 9. August drei Schwachstellen in der Danfoss-Reihe AK-SM 800A veröffentlicht, einer Verwaltungsplattform für Kälte- und Klimaanlagen im Lebensmittelhandel. Die Studie nennt eine versteckte „Code of the Day“-Anmeldung, die sich aus dem Gerätedatum ableiten lässt und das normale Login umgeht (CVE-2025-41450, 8,2), eine Command Injection nach der Anmeldung (CVE-2025-41451, 7,6) und eine Konfigurationsinjektion im Webserver (CVE-2025-41452, 5,4). Behoben ist das in der Firmware R4.3.1. Claroty zählte per Censys 2.765 aus dem Internet erreichbare Geräte. Die CISA hatte schon im Mai 2025 vor der Authentifizierungslücke gewarnt, wie BleepingComputer festhält, und der Eintrag in der National Vulnerability Database steht auf „Deferred, die 8,2 stammt also vom Melder, nicht vom NIST. Ob genau diese Lücken genutzt wurden, hat bisher niemand gezeigt.
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Millionenschäden und ungelöste Tätersuche
Das finanzielle Ausmaß der Attacke lässt sich an konkreten Beispielen ablesen. Coopérative-U-Präsident Dominique Schelcher bestätigte den Angriff auf X mit den Worten: „Une cyberattaque touche depuis cette nuit les installations de production de froid de plusieurs magasins de notre réseau. Auf Deutsch: Seit der Nacht treffe ein Cyberangriff die Kühlanlagen mehrerer Märkte seines Netzes.
Landesweit summieren sich die Verluste nach ersten Schätzungen auf mehrere Millionen Euro. Die nationale Agentur für Cybersicherheit in Frankreich wurde mit den offiziellen Untersuchungen beauftragt, um die Identität der Täter zu klären, die bislang unbekannt sind. SRF-Digitalredaktor Reto Widmer vermutet hinter der böswilligen Manipulation an französischen Kühlregalen eine gezielte Aktion, um die Bevölkerung zu verunsichern.

Parallele Ausfälle in den Niederlanden und Belgien
Zeitgleich mit den Sabotageakten an den Kühlregalen wurden Handelsketten in den Niederlanden und Belgien von IT-Störungen getroffen. Der niederländische Marktführer Albert Heijn meldete am Sonntagnachmittag einen schwerwiegenden Cybersecurity-Vorfall, der Webseiten, Apps und den Kundenservice lahmlegte. Auch Schwesterunternehmen wie Etos und Gall & Gall sowie die belgische Supermarktkette Delhaize waren betroffen. Lieferungen wurden gestoppt, Treueprogramme fielen aus und elektronische Preisschilder zeigten veraltete Aktionspreise an. Ob dieser digitale Vorfall technisch direkt mit den sabotierten Kühlsystemen in Frankreich zusammenhängt, wird von den Behörden noch untersucht; die zeitliche Nähe lässt jedoch auf koordinierte Aktivitäten schliessen.