Trotz verfehlter gesetzlicher Speicherziele sieht die Bundesnetzagentur die deutsche Gasversorgung als gesichert an. Behördenchef Klaus Müller verweist auf neue Flüssiggas-Importe und stabile Infrastrukturen, während Branchenverbände vor Engpässen bei extremen Wintertemperaturen warnen.
Die Ausgangslage bei den deutschen Gasspeichern im November 2026
Deutschland hat die gesetzlichen Vorgaben für die Füllstände seiner Gasspeicher zum Start des Monats verfehlt. Nach den geltenden Regeln müssen die meisten Anlagen bis zum ersten November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein, während für sechs spezifische Speicher ein reduzierter Zielwert von 45 Prozent gilt. Daraus errechnet sich ein nationaler Sollwert von ungefähr 70 Prozent. Am Samstag vor dem Stichtag lag der tatsächliche Füllstand jedoch knapp über 61 Prozent, wie aktuelle Daten belegen.
Hintergrund der angespannten Speicherlage ist eine europaweite Verknappung, die sich seit dem Frühjahr auswirkte. In Asien und Europa kletterten die Gaspreise im März infolge der Schließung der Straße von Hormus stark nach oben. Während Rohöl-Ladungen die Meerenge weiterhin täglich passierten, gerieten LNG-Transporte durch die schwierige Handhabung bei Schiff-zu-Schiff-Umladungen ins Stocken. Die Folge waren steigende Preise und ein europäischer Speicherstand, der laut Daten von Gas Infrastructure Europe bereits zum 24. September EU-weit bei lediglich 70 Prozent lag. Die großen deutschen Speicher, die zu den weltgrößten zählen, verzeichneten zu diesem Zeitpunkt einen Füllstand von rund 57 Prozent.

Einschätzung der Bundesnetzagentur und der Europäischen Kommission
Trotz der historisch niedrigen Füllstände gibt die Bundesnetzagentur Entwarnung. Es sei für eine verlässliche Versorgung nicht mehr zwingend erforderlich, dass die starren Speicherziele erreicht werden, erklärte Behördenchef Klaus Müller gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland könne inzwischen auf eine neue Importinfrastruktur zurückgreifen.
Es ist für die sichere Gasversorgung nicht mehr zwingend, dass die Speicherziele erreicht werden.
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, via Faz
Müller betonte, dass sich die Bedeutung der Anlagen gewandelt habe. Das reibungslose Zusammenspiel von Pipeline-Lieferungen, Flüssiggas-Importen, Speicherkapazitäten und der aktuellen Nachfrage sorge für Stabilität. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein.
Speicher zu 54 Prozent gefüllt: Reiche stuft Gasversorgung trotz geringerer Füllstände als sicher ein https://t.co/0ryw46RPXx
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Auf europäischer Ebene teilt man diese Einschätzung. Die Gas Coordination Group, die die Europäische Kommission in Notfällen berät, kam zu Beratungen zusammen und bestätigte die Stabilität des Marktes. Die europäische Behörde verwies darauf, dass die Versorgung trotz niedriger Bestände gesichert bleibe und die Lage in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten engmaschig beobachtet werde.
Trotz niedrigerer Speicherstände im Vergleich zu historischen Werten haben die Kommission und die EU-Länder erneut bestätigt, dass die Gasversorgung der EU stabil bleibt.
Europäische Kommission, via Oilprice
Die Kommission wird die Lage in Zusammenarbeit mit den EU-Ländern und Interessenträgern weiterhin sehr genau beobachten.
Europäische Kommission, via Oilprice
Warnungen aus dem Lobbyverband Initiative Energien Speichern
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern (INES) bewertet die Situation deutlich kritischer als die Regulierungsbehörde. INES vertritt Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern – darunter Uniper, Sefe und VNG – und repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten. Der Verband warnte, dass es bei einem extrem kalten Winter zu spürbaren Versorgungsengpässen kommen könne.
Zur wirtschaftlichen Absicherung fordert INES unter anderem staatlich vergünstigte Kredite, um die Einspeicherung für die Betreiber rentabler zu gestalten. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Betreiber direkt an der Vermarktung ihrer Lagerkapazitäten verdienen und von einer hohen Nachfrage profitieren.
Kostenfolgen und offene Fragen für Verbraucher
Obwohl die physikalische Verfügbarkeit von Gas gewährleistet erscheint, bleiben die finanziellen Belastungen ein zentraler Streitpunkt. Behördenchef Klaus Müller warnte im Zusammenhang mit den veränderten Importwegen und der angespannten Preissituation vor deutlichen Mehrkosten für Endkunden, auf die sich alle Marktteilnehmer einstellen müssten.
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