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Bundeshaus-Pionierin Gabrielle Nanchen im Gespräch

Gabrielle Nanchen, eine der ersten Frauen in der Verwaltung des Schweizer Bundeshauses, reflektiert in aktuellen Gesprächen über die institutionelle Entwicklung des Parlaments. Die ehemalige Mitarbeiterin der Bundesversammlung beschreibt den Wandel von einer männlich dominierten Hierarchie hin zu einer modernen politischen Verwaltung in Bern.

Der Weg in die Männerbastion des Bundeshauses

Gabrielle Nanchen begann ihre Tätigkeit in einer Zeit, in der das Schweizer Bundeshaus fast ausschließlich männlichen Akteuren vorbehalten war. Laut historischen Rückblicken auf die Verwaltungsstruktur der Bundesversammlung war die Präsenz von Frauen in den administrativen Diensten zwar vorhanden, jedoch auf untergeordnete, oft unsichtbare Assistenzfunktionen beschränkt. Nanchen arbeitete über Jahrzehnte im Zentrum der Schweizer Gesetzgebung und begleitete den Übergang von einer patriarchalen Arbeitswelt zu einer professionellen Beamtenschaft.

Diese administrative Arbeit war im Generalsekretariat der Bundesversammlung angesiedelt, dem zentralen Organ, das die organisatorische Unterstützung für den Nationalrat und den Ständerat sicherstellt. In dieser Zeit war die Struktur der Verwaltung streng hierarchisch gegliedert, wobei die Leitungspositionen und die strategische Steuerung des Parlamentsbetriebs fast ausnahmslos in männlicher Hand lagen. Die Verwaltung fungierte als Bindeglied zwischen der Exekutive und der Legislative, wobei die internen Abläufe stark von traditionellen Rollenbildern geprägt waren.

Die politische Kultur jener Zeit war durch eine strikte Trennung von Entscheidungsebene und ausführender Verwaltung geprägt. Nanchen beschreibt in ihren Schilderungen eine Atmosphäre, in der Frauen zwar die organisatorischen Grundlagen für die parlamentarische Arbeit schufen, jedoch kaum Einfluss auf die internen Abläufe oder die institutionelle Gestaltung hatten.

Wandel der politischen Verwaltung nach 1971

Die Einführung des Frauenstimmrechts auf nationaler Ebene im Jahr 1971 markierte einen Wendepunkt, der nicht nur die Zusammensetzung des Parlaments, sondern auch die Kultur in der Verwaltung veränderte. Nanchen beobachtete, wie die Ankunft der ersten weiblichen National- und Ständerätinnen die Dynamik im Bundeshaus verschob. Laut Nanchen führte dies zu einer langsamen, aber stetigen Aufweichung der starren Hierarchien.

Wandel der politischen Verwaltung nach 1971

Dieser Wandel war eng mit der spezifischen Natur des Schweizer Parlaments als Milizsystem verknüpft. Da die Parlamentarier nicht hauptberuflich als Politiker tätig sind, ist die Abhängigkeit von einer stabilen, permanenten Verwaltung besonders hoch. Mit dem Einzug der Frauen in die politischen Gremien mussten auch die administrativen Prozesse hinterfragt werden, um den neuen Anforderungen an eine inklusivere parlamentarische Kultur gerecht zu werden.

Wandel der politischen Verwaltung nach 1971

Die administrative Unterstützung musste sich an die neuen Bedürfnisse anpassen. Während zuvor die Bedürfnisse einer homogenen Männergruppe im Vordergrund standen, erforderte die Integration von Frauen neue Strukturen in der Betreuung und Organisation. Nanchen beschreibt diesen Prozess als eine Phase des Lernens, in der die Verwaltung erst verstehen musste, dass Gleichberechtigung nicht nur ein gesetzlicher Status, sondern eine tägliche organisatorische Praxis ist.

Die Veränderung geschah nicht über Nacht, sondern in kleinen Schritten, oft durch das bloße Vorhandensein von Frauen in Räumen, die zuvor verschlossen waren.Gabrielle Nanchen, ehemalige Mitarbeiterin der Bundesversammlung

Die Bedeutung der unsichtbaren Arbeit

Ein zentraler Punkt in Nanchens Analysen ist die sogenannte unsichtbare Arbeit. In der Frühzeit ihrer Karriere waren Sekretärinnen und Verwaltungsangestellte die eigentlichen Koordinatoren des parlamentarischen Geschäfts, ohne dass dies in offiziellen Titeln oder Gehaltsstufen abgebildet wurde. Nanchen betont, dass die Effizienz des Bundeshauses oft auf der Kompetenz dieser Frauen beruhte, die im Hintergrund die Kommunikation zwischen den Fraktionen und den Gremien steuerten.

Da das institutionelle Gedächtnis des Parlaments aufgrund des Milizsystems primär in der permanenten Verwaltung gespeichert ist, besaßen die Mitarbeiterinnen ein tiefes Wissen über Präzedenzfälle, Verfahrensregeln und informelle Netzwerke. In einer Zeit, in der formale Karrierewege für Frauen blockiert waren, wurde dieses Wissen zu einer essenziellen Ressource für den reibungslosen Ablauf der Gesetzgebung.

Dieser Zustand führte dazu, dass administrative Pionierinnen wie Nanchen eine Form von informeller Macht entwickelten. Durch den Zugang zu Informationen und die Steuerung von Terminen wurden sie zu unverzichtbaren Schnittstellen. Dennoch blieb die formale Anerkennung aus, was Nanchen als charakteristisch für die damalige Schweizer Politik beschreibt.

Institutionelles Erbe und heutige Standards

Aus der Perspektive des 13. Juni 2026 betrachtet Nanchen die heutige Situation im Bundeshaus als Ergebnis eines langen Kampfes um Professionalisierung. Die Verwaltung der Bundesversammlung ist heute durch klare Kompetenzprofile und eine deutlich ausgewogenere Geschlechterverteilung gekennzeichnet. Nanchen sieht darin die Bestätigung, dass die administrative Vorarbeit der ersten Generation von Frauen den Weg für die heutige politische Teilhabe geebnet hat.

Die Entwicklung verlief parallel zu einer allgemeinen Modernisierung des Schweizer Staatsdienstes und der Einführung von Gleichstellungsmaßnahmen, die darauf abzielen, die gläserne Decke in der öffentlichen Verwaltung zu durchbrechen. Die Professionalisierung bedeutete den Übergang von einer rein unterstützenden Assistenzrolle hin zu einer gestaltenden Funktion, in der administrative Expertise als eigenständige Kompetenz anerkannt wird.

Die aktuelle Diskussion über die Modernisierung des Parlamentsbetriebs greift laut Nanchen Themen auf, die bereits vor Jahrzehnten in der Verwaltung präsent waren: die Frage nach Effizienz, Transparenz und der Wertschätzung von Support-Funktionen. Sie warnt davor, die Bedeutung der administrativen Basis zu unterschätzen, da die politische Entscheidung nur so gut sein kann wie die Vorbereitung, die im Hintergrund geleistet wird.

Die Entwicklung von der Assistenzrolle zur gestaltenden Verwaltungskraft spiegelt für Nanchen die demokratische Entwicklung der Schweiz wider. Während die politische Spitze oft im Rampenlicht steht, bleibt die Verwaltung das dauerhafte Gedächtnis des Hauses. Nanchen unterstreicht, dass die Dokumentation dieser Verwaltungsgeschichte essenziell ist, um die Brüche und Fortschritte der Schweizer Demokratie zu verstehen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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