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Welt

Britische Armee stoppt russischen Öltanker der Schattenflotte im Ärmelkanal

Das britische Militär hat am frühen Sonntagmorgen im Ärmelkanal den russischen Öltanker Smyrtos abgefangen. Die sechsstündige Operation, die unter der Leitung von Premierminister Keir Starmer stattfand, zielte darauf ab, die russische Schattenflotte zu unterbinden. Das Schiff, das aus einem russischen Hafen stammt, wird nun vor der englischen Südküste auf Sicherheitsmängel überprüft.

Die taktische Operation: Sechs Stunden zur Sicherung der Smyrtos

Die taktische Operation: Sechs Stunden zur Sicherung der Smyrtos
Photo: BILD
In einer hochkoordinierten Militäroperation wurden die Royal Marines und Beamte der National Crime Agency (NCA) eingesetzt, um das etwa 244 Meter lange Schiff zu entern. Laut Berichten der Tagesschau zufolge erfolgte der Zugriff am frühen Morgen in enger Abstimmung mit französischen Kräften, die auf der gegenüberliegenden Seite des Ärmelkanals stationiert sind. Die technische Komplexität des Einsatzes unterstreicht die Entschlossenheit Londons. Wie Euronews mit Videoaufnahmen dokumentierte, umfasste die Unterstützung eine Vielzahl spezialisierter Einheiten und Luftfahrzeuge:
  • Hubschrauber vom Typ Chinook, Merlin und Wildcat
  • Ein Aufklärungsflugzeug der Royal Air Force (Typ P-8)
  • Die Kriegsschiffe HMS Sutherland und HMS Ledbury
  • Zusätzliche Fregatten und Minenjäger
Die Smyrtos fährt unter der Flagge Kameruns, doch die Ermittler gehen davon aus, dass das Schiff direkt aus einem russischen Hafen – mutmaßlich Kosmino – stammt. Das Schiff wird derzeit vor der Südküste Englands unter Beobachtung gehalten, während die Behörden die Ladung sowie mögliche Umwelt- und Sicherheitsrisiken prüfen.

Strategische Zerschlagung der russischen Kriegsfinanzierung

Strategische Zerschlagung der russischen Kriegsfinanzierung
Photo: DIE ZEIT
Der Zugriff ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer neuen britischen Strategie. Seit März hat die Regierung die Armee ermächtigt, sanktionierte Schiffe der sogenannten Schattenflotte in britischen Hoheitsgewässern zu entern und zu beschlagnahmen. Laut BILD reagierte London mit dieser Verschärfung auf die Lockerung von US-Sanktionen gegen russisches Öl. Die Schattenflotte dient Moskau als essentielles Werkzeug, um westliche Sanktionen durch verschachtelte Eigentümerstrukturen und Billigflaggen zu umgehen. Die Größenordnung dieses Netzwerks ist gewaltig. „Russland hängt von seiner Schattenflotte ab, um seinen Konflikt in der Ukraine zu finanzieren, und unser Verbot verschafft Putins illegalem Krieg einen Schlag“, Verteidigungsminister Dan Jarvis, via BILD Während die britischen Behörden die Zahl der sanktionierten Schiffe auf über 700 schätzen, weist DIE ZEIT auf eine Liste von fast 600 Schiffen hin, die bereits gezielt unter Beobachtung stehen. Die Operation unterstreicht, dass die Zeit der ungestörten Durchquerung der Weltmeere für die russische Ölindustrie zu Ende geht.

Diplomatischer Druck: Forderung nach Konfiszierung des Öls

Öltanker gestoppt: „Russland finanziert seinen Konflikt in der Ukraine mit seiner Schattenflotte!"
Die ukrainische Führung reagierte mit deutlicher Erleichterung auf den Erfolg der britischen Streitkräfte. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha dankte London für die gezeigte Entschlossenheit und bezeichnete die Schattenflotte als ein direktes Instrument des Krieges. „Russlands Hybris, angeheizt durch hohe Öl- und Gaseinnahmen, hat den Weg für diesen Krieg geebnet – und jede Entscheidung von Partnern, die Russland Geld vorenthält, begrenzt auch den Krieg selbst.“, Wolodymyr Selenskyj, via DIE ZEIT Doch die bloße Festsetzung der Schiffe reicht aus Sicht der Ukraine nicht aus. Es wird ein Paradigmenwechsel in der europäischen Gesetzgebung gefordert. „Europa muss dringend legislative Schritte unternehmen, um nicht nur das Stoppen der Tanker zu ermöglichen, sondern auch die Konfiszierung des geladenen Öls. Dies wird sicherlich dazu beitragen, den Frieden zu fördern.“, Wolodymyr Selenskyj, via DIE ZEIT

Breiterer Energiekonflikt: Angriffe auf russische Infrastruktur

Die Sicherung von Tankern im Ärmelkanal findet zeitgleich mit einer massiven Eskalation der Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur statt. Ein Bericht von T-Online bestätigt, dass die ukrainischen Streitkräfte und der Geheimdienst SBU in der Nacht auf Samstag mehrere Ziele in Russland getroffen haben. Dabei wurden unter anderem ein Hafenterminal in der Region Krasnodar sowie eine Ölverarbeitungsanlage in der Region Wolgograd angegriffen. In der Hafenstadt Temrjuk wurde infolge eines Brandes in einem Terminal ein Mensch getötet. Diese gezielten Schläge gegen Pumpanlagen und Verladestationen zielen direkt auf die Exportfähigkeit Russlands ab. Parallel dazu bleibt die Lage der kritischen Infrastruktur in der Ukraine hochgradig instabil. Das russisch kontrollierte Kernkraftwerk Saporischschja konnte nach einem fast dreitägigen Ausfall der externen Stromversorgung durch einen Angriff auf ein Umspannwerk wieder an das Netz angeschlossen werden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) warnte jedoch vor der extremen Fragilität des dortigen Stromnetzes.

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Breiterer Energiekonflikt: Angriffe auf russische Infrastruktur
Photo: T-Online
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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