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Boeing erhält Rahmenvertrag für F-15 über bis zu 131 Milliarden Dollar

Das US-Verteidigungsministerium hat Boeing einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von bis zu 131,23 Milliarden Dollar für das Programm F-15 Eagle Crest zugesprochen. Die Vereinbarung bündelt Produktion, Modernisierung und Wartung der F-15-Flotte in St. Louis bis in die 2030er-Jahre, wobei konkrete Abrufe von jährlichen Haushalten abhängen.

Ende August hat das US Department of War dem Luftfahrtkonzern Boeing einen gigantischen Rüstungsauftrag erteilt. Das unter dem Motto F-15 Eagle Crest laufende Vertragswerk setzt eine finanzielle Obergrenze von 131,23 Milliarden Dollar fest. Wie das Finanzportal Der Aktionär detailliert aufschlüsselt, handelt es sich bei dieser Summe jedoch um keinen klassischen Umsatz, sondern um einen flexiblen Rahmenvertrag.

Das IDIQ-Verfahren und die tatsächliche Finanzierung

Konkret ist das Abkommen als IDIQ-Vertrag (Indefinite Delivery, Indefinite Quantity) konstruiert. Das bedeutet, dass weder feste Stückzahlen noch starre Termine garantiert sind. Das Pentagon ruft einzelne Maßnahmen nach Bedarf ab, vorausgesetzt, die entsprechenden Finanzmittel sind bewilligt. Entsprechend bescheiden fiel der tatsächliche Start aus: Am Tag der Auftragsvergabe flossen exakt 343.740 Dollar aus Forschungs- und Entwicklungsmitteln des Haushaltsjahres 2026. August 2031 und lässt sich optional bis zum Jahr 2036 verlängern. Fristen für Unterverträge enden ebenfalls im August 2031.

Die Stückzahlen der US Air Force und internationale Abnehmer

Die gewaltige Obergrenze erklärt sich vor allem durch die langfristigen Planungen des US-Militärs. Im Haushaltsentwurf für 2027 hat die US Air Force ihre Planzahl für die F-15EX von zuvor 129 auf 267 Maschinen mehr als verdoppelt. Im Fokus stehen dabei neue Kampfflugzeuge für die US Air Force sowie die US Air National Guard. Offizielle Stellen weisen allerdings darauf hin, dass der Kongress diese Mittel erst noch bewilligen muss; im aktuellen Entwurf sind für das Jahr 2027 zunächst 24 Jets vorgesehen.

Neben den Streitkräften der Vereinigten Staaten berücksichtigt die offizielle Ankündigung auch Exportkunden im Rahmen des Foreign-Military-Sales-Programms. Explizit genannt werden Israel, Saudi-Arabien, Singapur, Südkorea sowie überraschend auch Japan, Polen und Indonesien. Während Japan seine bestehenden F-15J- und F-15DJ-Flotten im Rahmen des Standards Japanese Super Interceptor (JSI) mit dem AESA-Radar AN/APG-82 und dem elektronischen Kampfsystem ALQ-239 modernisiert, hat Indonesien eine im August 2023 angekündigte Bestellung über 24 F-15ID im Frühjahr storniert. Polen prüfte zeitweise das Interesse an der F-15EX, schloss eine Beschaffung jedoch ebenfalls aus. Katar, das modernere F-15QA-Varianten betreibt, taucht in der aktuellen US-Liste hingegen nicht auf.

Einordnung im Vergleich zum F-16-Programm von Lockheed Martin

Die Dimensionen von Eagle Crest lassen sich besonders gut mit ähnlichen Rüstungsprojekten der Vergangenheit vergleichen. Im August 2020 vergab die US Air Force ein vergleichbares IDIQ-Vehikel für die F-16 an den Konkurrenten Lockheed Martin mit einer Obergrenze von 62 Milliarden Dollar über zehn Jahre. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im ersten Tag des Abkommens: Lockheed Martin erhielt damals sofort einen Abruf von 4,94 Milliarden Dollar für 90 Maschinen für Taiwan und Marokko, wovon 3,9 Milliarden Dollar fest gebunden wurden. Boeing hingegen startete unter Eagle Crest zunächst ohne einen einzigen fest bestellten Jet im Auftragsbuch.

Boeing erhält Rahmenvertrag für F-15 über bis zu 131 Milliarden Dollar
Photo: Deraktionaer

Auswirkungen auf Boeings Rüstungssparte und offene Fristen

Für die Konzernsparte Defense, Space & Security kommt der Vertrag zu einer Zeit, in der das operative Geschäft stark unter Druck steht. Zwar stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar, doch eine operative Marge von minus 0,2 Prozent drückte auf das Ergebnis, belastet durch 280 Millionen Dollar Kosten beim Präsidentenflugzeug VC-25B. Der gesamte Auftragsbestand des Konzerns beläuft sich auf rekordverdächtige 715 Milliarden Dollar, während die Rüstungssparte 85 Milliarden Dollar verzeichnet. Der neue Eagle-Großauftrag ist in diesen Summen noch nicht enthalten, da er erst bei konkreten Abrufen in den Bestand wandert.

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Gleichzeitig belasten Altverträge zu Festpreisen und hausgemachte Risiken das Unternehmen. Die Ingenieursgewerkschaft SPEEA, die rund 17.000 Beschäftigte im Großraum Seattle sowie in Oregon, Kalifornien und Utah vertritt, lehnte ein jüngeres Angebot des Konzerns mit 64,3 Prozent ab und stimmte für ein Streikmandat. Da der Tarifvertrag ausläuft, drohen ab Oktober Arbeitsniederlegungen, die zwar nicht direkt die F-15-Fertigung im Hauptarbeitsort St. Louis treffen, wohl aber das Zivilgeschäft gefährden.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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