Das deutsche Bundeskriminalamt hat für das Jahr 2025 einen Höchststand von 670 islamistisch motivierten antisemitischen Straftaten registriert. Dies geht aus einer Sonderauswertung der Bundesregierung hervor. Die Fallzahlen haben sich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Herbst 2023 grundlegend verändert und spürbar erhöht.
Die Fallzahlen des Bundeskriminalamtes für das Jahr 2025
Die Behörden in Deutschland verzeichneten im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand an antisemitischen Straftaten mit islamistischem Hintergrund. Insgesamt erfasste das Bundeskriminalamt (BKA) im Jahr 2025 genau 670 Fälle nach einer Sonderauswertung der Bundesregierung für die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent.
Im Jahr 2024 hatten die Ermittler noch 631 entsprechende Delikte gezählt. Das registrierte Spektrum der Taten reicht von Terrorverherrlichung, Beleidigungen und Sachbeschädigungen bis hin zu schweren Gewalttaten sowie versuchten Tötungsdelikten. Nach Angaben des Bundeskriminalamts zeigte im Jahr 2025 fast die Hälfte der Täter Kennzeichen verbotener Organisationen, darunter die Hisbollah und der Islamische Staat. Zudem stand fast jedes zweite antisemitische Delikt im direkten Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt, während den größten Anteil aller antisemitischen Straftaten die Ermittler weiterhin dem Rechtsextremismus zuordnen.
Der Wendepunkt nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023
Die Entwicklung markiert nach Angaben der Behörden einen tiefen Bruch mit den Jahren vor dem Großangriff der Hamas auf Israel. Im gesamten Jahr 2022 registrierte das Bundeskriminalamt lediglich 16 Straftaten dieser Art, was einem statistischen Durchschnitt von etwa einem Vorfall alle acht bis neun Tage entsprach. Vom 1. Januar bis zum 6. Oktober 2023 zählten die Statistiker 33 Fälle.
Unmittelbar nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 schossen die Zahlen drastisch nach oben. Die Gruppe der Täter nutzte dabei immer wieder Mobilisierungskanäle auf der Straße, an Hochschulen oder in digitalen Räumen.
Ein weiteres schwerwiegendes Ereignis in diesem Kontext war die Attacke am Berliner Holocaust-Mahnmal vom 21. Februar 2025, bei der ein spanischer Tourist lebensgefährlich verletzt wurde. Das Gericht stellte fest, dass der Täter aus islamistischen und antisemitischen Motiven gehandelt hatte. Darüber hinaus führte eine Spur im Herbst desselben Jahres zu mutmaßlichen Anschlagsplanungen, als die deutsche Bundesanwaltschaft im September Anklage gegen sieben mutmaßliche Hamas-Mitglieder erhob. Der Vorwurf lautete, dass die Gruppe einen Mordanschlag auf Repräsentanten Israels, Juden sowie proisraelisch eingestellte Menschen in Deutschland oder Österreich vorbereitet und dafür ein vollautomatisches Gewehr, 13 Pistolen sowie über 700 Schuss Munition beschafft haben soll.
Reaktionen aus Politik und von jüdischen Verbänden
Vertreter jüdischer Organisationen und Innenminister der Länder warnen vor einer dauerhaften Verfestigung dieser Bedrohung. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, beschrieb die aktuelle Situation mit drastischen Worten:.

Die Bedrohung für Juden hat sich auf einem unerträglichen Niveau festgesetzt. Der islamistisch geprägte Judenhass entlädt sich heute ganz offen auf Straßen, an Hochschulen und im Netz.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden
Auch auf Landesebene wird ein konsequenteres Vorgehen gefordert. Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte zur veränderten Rolle des Antisemitismus bei Extremisten:.
Seit dem 7. Oktober 2023 ist der Antisemitismus zu einem zentralen Mobilisierungsthema der Islamisten geworden.
Roman Poseck, Innenminister von Hessen
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul betonte zudem die Bedeutung digitaler Kanäle bei der Radikalisierung: Islamisten kommen heute übers Handy. Wir dürfen ihnen diese Tür nicht offenlassen.
Poseck forderte in diesem Zusammenhang ein konsequentes Vorgehen gegen islamistische Propaganda im Internet, die Anwendung von Vereinsverboten sowie aufenthaltsrechtliche Konsequenzen für ausländische Täter.
Geplante Maßnahmen der Bundesregierung
Um der Entwicklung entgegenzuwirken, will die Bundesregierung ihre Gegenmaßnahmen verstärken. Im Dezember 2025 tauschte das Bundesinnenministerium die bisherigen Berater aus und besetzte ein Gremium zur Islamismusprävention neu. Dieser neue Beraterkreis soll um den Jahreswechsel 2026/2027 seine Empfehlungen vorlegen und sich dabei auch mit dem muslimischen Antisemitismus in deutschen Großstädten beschäftigen. Der Parlamentarische Staatssekretär Christoph de Vries begrüßte ausdrücklich die Schwerpunktsetzung des Gremiums auf die großstädtischen Ballungsräume.
Weiterlesen