Tiefkühlgemüse-Produzent Ardo hält an der umstrittenen Schließung seines Standorts in Groß-Enzersdorf im niederösterreichischen Marchfeld für August 2027 fest. Nach gescheiterten Gesprächen mit der Politik kritisieren Landwirte, Betriebsräte und Parteien den harten Kurs des belgischen Konzerns, während alternative Verarbeiter und Handelsketten nach Übergangslösungen suchen.
Das Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf besiegelt
Die Entscheidung der belgischen Ardo-Gruppe, das Werk in Groß-Enzersdorf im Bezirk Gänserndorf im August 2027 endgültig zu schließen, steht fest. Nach einer zweiten Gesprächsrunde zwischen Unternehmensvertretern und der österreichischen Politik teilte das Unternehmen mit, dass die unterbreiteten Unterstützungsangebote nicht behoben werden
könnten hinsichtlich der strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Notwendige Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro für eine Modernisierung stünden in keinem Verhältnis zu einem relativ kleinen heimischen Markt
, so die Begründung des Konzerns.
Von dem geplanten Aus sind 190 feste Beschäftigte direkt betroffen, zu denen noch 50 Leiharbeitskräfte kommen. Der Betriebsrat verhandelt derzeit einen Sozialplan, geht jedoch vom Ernstfall aus. Ardo selbst erklärte, sich nun auf die Erstellung dieses Sozialplans zu konzentrieren. Die Anlagen sollen nach dem Schließen an andere bestehende Standorte verlagert werden.

Die möglichen und in der Vorwoche vorgelegten Unterstützungsmaßnahmen für den Standort seien bei der Zusammenkunft sorgfältig geprüft und erörtert worden, hielt Ardo fest. Die Grünen teilten mit, dass Bund und Land Unterstützung angeboten hatten. Das Werk Groß-Enzersdorf ist seit Jahrzehnten eng mit dem Gemüsebau im Marchfeld verbunden, wo Innovation entstanden ist.
Harte Kritik von Landwirten und Politik an der Konzernführung
Die Reaktionen auf das absehbare Werk-Aus fielen im Marchfeld scharf aus. Rund 500 bäuerliche Mitgliedsbetriebe der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) sowie rund 270 im Jahr 2025 direkt von Ardo verarbeitete Bauern stehen vor dem Verlust ihres wichtigsten Abnehmers. Allein im Jahr 2025 wurden rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Warenwert von rund 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert. Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, berichtete von einem Treffen mit null Verständnis
und warf dem Unternehmen einen eiskalten Kurs vor. Die Politik versuchte zuletzt mit einem Brief an die belgische Eigentümerfamilie Druck auszuüben, nachdem Vorschläge wie ein Pachtmodell oder die Übernahme der Produktionslinien abgelehnt worden waren.

Subventionen oder jede andere Form direkter oder indirekter Unterstützung würden jedoch die strukturellen wirtschaftlichen Herausforderungen des Werks nicht behoben werden und das Unternehmen potenziellen rechtlichen und finanziellen Risiken aussetzen.
Ardo Austria Frost
Ardo und seine Berater sind der Auffassung, dass die von der österreichischen Bundesregierung vorgeschlagene umfangreiche Unterstützung einer rechtlichen Prüfung durch die Europäische Kommission auf Grundlage der Vorschriften über staatliche Beihilfen und des Wettbewerbsrechts nicht standhalten würde.
Handelsketten und Alternativbetriebe suchen nach Auswegen
Da das Marchfeld-Werk mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses herstellt, suchen Handelsketten und regionale Konkurrenten fieberhaft nach Alternativen. Der in Groß-Enzersdorf ansässige Familienbetrieb Schneider’s Gemüseland, der bereits seit zehn Jahren mit Spar zusammenarbeitet, übernimmt ab Sommer 2027 zusätzliche Tiefkühlprodukte, darunter Spinat und Rotkraut, wie Spar-Sprecherin Nicole Berkmann bestätigte. Den gesamten Ausfall von Ardo kann der kleinere Betrieb jedoch kurzfristig nicht kompensieren. Das Unternehmen verfügt über eine Eigenkapitalquote von 88 Prozent und verzeichnete im Geschäftsjahr 2024/2025 einen operativen Gewinn von 2,18 Millionen Euro sowie einen Bilanzgewinn von 40,93 Millionen Euro.
Thomas Krahofer, Chef des steirischen Verarbeiters Efko, betonte im Gespräch mit Medien, dass Tiefkühlgemüse gut zum Portfolio passen würde, man eine Rettung aber nicht um jeden Preis und ohne tragfähige wirtschaftliche Grundlagen umsetzen könne. Die Supermarktketten Billa, Hofer und Lidl erklärten ihrerseits, die heimische Herkunft der Waren weiterhin garantieren zu wollen, stehen bei der langfristigen Absicherung bestimmter Gemüsearten wie Spinat jedoch vor großen logistischen Lücken.