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Unterhaltung

ARD-Serie Selling Sex inszeniert Escortjob als Selbstbestimmung

Mit der sechsteiligen ARD-Serie „Selling Sexstartet eine Produktion in der Mediathek und im Ersten, die den Escortjob einer BWL-Studentin als Akt der Selbstermächtigung und finanziellen Unabhängigkeit inszeniert.

Wenn eine Kellnerin die Schürze auf den Boden wirft, um stattdessen von wohlhabenden Männern für Champagner und mehr bezahlt zu werden, betritt das deutsche Fernsehen ungewohntes Terrain. In der neuen ARD-Serie „Selling Sex, die am 28. August 2026 anläuft, entscheidet sich die BWL-Studentin Nelly zu diesem radikalen Schritt. Wie der Tagesspiegel berichtet, will sie den Hungerlohn hinter sich lassen, um ihren Studienkredit zurückzuzahlen und einen leckenden Kühlschrank in ihrer WG zu ersetzen.

Zwischen Kapitalanlage und feministischem Diskurs in „Selling Sex“

Im Zentrum der Handlung steht Nellys Wandel. Gespielt von Ella Morgen, steuert die Hauptfigur ihr Leben laut dem ARD-Pressetext als Geschäftsmodell: Wenn alles ohnehin seinen Preis hat, macht die attraktive BWL-Studentin aus Sex ein lukratives Geschäft. Dabei entfernt sie sich zunehmend von ihrer Kindergartenfreundin Bonnie, die von Manal Raga a Sabit verkörpert wird und nebenbei ihre eigene Faszination für die Sexualität fremder Männer entdeckt.

Die Serie klammert klassische Reeperbahn-Klischees, Gewalt und Zwangsprostitution weitgehend aus. Stattdessen konfrontiert sie das Publikum mit der These, dass Sexarbeit auch ein Weg zu Kontrolle sein kann.

Je tiefer sie in diese Welt eintaucht, desto mehr merkt sie, dass sie dort nicht nur finanzielle Unabhängigkeit findet, sondern auch Selbstbewusstsein und eine Form von Kontrolle über ihr eigenes Leben.

Am Ende der sechsteiligen Staffel präsentiert Nelly sogar eine Geschäftsidee für Kapitalanlagen, um Kolleginnen abzusichern, deren Körper im Alter oder bei nachlassender Nachfrage weniger abwerfen. Die klare Botschaft, die Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen Miriam Dehne und Marie C. König transportieren wollen: Sexarbeit ist Arbeit, Kapital und Selbstbestimmung zugleich.

Kritik an der glossy Ästhetik und den Gewinnchancen

Nicht jede Rezeption fällt jedoch so wohlwollend aus. Im Spiegel kritisiert Kulturkritiker Christian Buß die Hochglanz-Optik der Produktion scharf. Demnach verrechne die Serie die Risiken der Prostitution allzu spielerisch mit den potenziellen Gewinnchancen und erwecke den Eindruck eines Instagram-Tutorials. Die Darstellung lasse das Milieu wie einen glamourösen Karriereweg erscheinen, der an den Realitäten der allermeisten Sexarbeiterinnen in Deutschland vorbeigehe.

ARD-Serie Selling Sex inszeniert Escortjob als Selbstbestimmung

Auch innerhalb der Serie stoßen die Protagonisten an emotionale und moralische Grenzen. Neben Nelly schlägt auch Ben, gespielt von Malik Blumenthal, diesen beruflichen Weg ein. Die Beziehung der beiden Callboys untereinander entwickelt sich zu einem komplexen Beziehungsgeflecht, bei dem die Beteiligten ständigen Konflikten zwischen echter Lust und reiner Performance ausgesetzt sind. Zusätzliche Reibungspunkte entstehen durch dominante Kunden wie Tsuneo, dargestellt von Madieu Ulbrich, die Nelly aus dem Konzept bringen.

Hintergrund und Entstehung der ARD-Produktion

Hinter dem Konzept stehen die Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen Miriam Dehne und Marie C. König. Wie der Tagesspiegel ausführt, sind in das Drehbuch auch eigene Erfahrungen von Marie C. König eingeflossen, die sie als Escort gesammelt hat. Die Macherinnen betonen, dass ein zentrales Stilmittel der Serie in der bewussten Überhöhung von Klischees liege, um diese aufzubrechen und die Frage zu stellen, wo Käuflichkeit im modernen Alltag überhaupt beginnt.

ARD-Serie Selling Sex inszeniert Escortjob als Selbstbestimmung

Ob das Format eine breite gesellschaftliche Debatte über die Legitimierung von Prostitution als feministischen Akt auslöst oder als verharmlosendes Hochglanzmärchen kritisiert wird, zeigt sich nun mit der Veröffentlichung im Ersten und in der Mediathek.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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