Der Nobelpreis für Chemie 2026 geht am Mittwoch an Henri B. Kagan und Kenso Soai. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet die beiden Forscher für ihre grundlegenden Arbeiten zur asymmetrischen organischen Synthese aus.
Die diesjährigen Preisträger erhalten die Auszeichnung für die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese. Die feierliche Übergabe findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm statt.

Die Entdeckung der molekularen Händigkeit und das Chiralitätsproblem
Zahlreiche Moleküle in der Natur existieren in zwei spiegelbildlichen Varianten, die sich ähnlich wie eine linke und eine rechte Hand verhalten. In der Chemie wird diese Eigenschaft als Chiralität bezeichnet. Proteine im menschlichen Körper bestehen fast ausschliesslich aus Aminosäuren einer bestimmten Variante, der sogenannten L-Form, während ihr rechtes Gegenstück in der Natur weitgehend fehlt. Normale chemische Reaktionen bringen normalerweise beide Spiegelbilder in gleichen Mengen hervor, was in der Pharmazie und bei der Entstehung des Lebens seit langem eine zentrale wissenschaftliche Frage aufwarf.
Kagans Durchbruch bei der nichtlinearen Katalyse
In den 1980er Jahren gelang dem französischen Chemiker Henri B. Kagan ein entscheidender Durchbruch. Er wies nach, dass nichtlineare Effekte existieren, bei denen die Produktreinheit bei chemischen Reaktionen steigen kann, anstatt sich linear zum Katalysator zu verhalten. Diese Erkenntnis gab Chemikern erstmals Werkzeuge an die Hand, um gezielt Reaktionen zu steuern und gezielt eine der beiden Spiegelbildformen herzustellen. Geboren wurde Henri B. Kagan in Boulogne-Billancourt, Frankreich, wo er seine akademische Laufbahn verbrachte; er vollendete seine Promotion am Collège de France im Jahr 1960. Später wirkte er als Professor an der Université Paris-Sud und wurde im Jahr 1991 in die französische Akademie der Wissenschaften gewählt.
Soais Experiment und die Verstärkung von Asymmetrie
Jahre später knüpfte der japanische Forscher Kenso Soai an diese Prinzipien an. Im Jahr 1995 berichtete er über eine asymmetrische autocatalytische Reaktion, bei der ein winziges anfängliches Ungleichgewicht stark verstärkt werden kann. Spätere Arbeiten zeigten, dass eine stark dominierende Spiegelbildform aus einer anfänglich nicht-chiralen Mischung erzeugt werden kann. Kenso Soai wurde in Hiroshima in Japan geboren, erwarb seine Promotion an der Universität Tokio im Jahr 1979, schloss sich im Jahr 1981 der Tokyo University of Science an und stieg dort 1991 zum Professor auf, wobei seine wissenschaftliche Arbeit die asymmetrische Synthese, asymmetrische Autokatalyse und den Ursprung der Chiralität beleuchtete.
Bedeutung für die moderne Pharmazeutik und Medizin
Die Arbeiten von Kagan und Soai haben weitreichende Konsequenzen für die Industrie. Mehr als die Hälfte aller klinisch eingesetzten Medikamente sind chiral, und die beiden Spiegelbilder einer Substanz können im menschlichen Körper völlig unterschiedliche Wirkungen zeigen. Während eine Form wie gewünscht wirkt, kann das Spiegelbild zu schweren Nebenwirkungen führen oder eine völlig andere biologische Eigenschaft annehmen. Ein historisches Beispiel dafür ist ein Mittel namens Novrad als Hustenmedizin und Darvon als Schmerzmittel, bei denen die getrennten Formen unterschiedliche Zwecke erfüllen. Dank der Grundlagenforschung der beiden Laureaten können pharmazeutische Wirkstoffe heute mit deutlich grösserer Präzision hergestellt werden, was die Sicherheit in der Medikamentenproduktion erhöht.

Kenso Soai sagte, er sei sehr erfreut über die Nachricht vom Nobelpreis.
Mit der Bekanntgabe des Chemienobelpreises setzt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften die Bekanntgabe der diesjährigen Auszeichnungen fort, nachdem zuvor bereits die Preisträger in den Kategorien Medizin und Physik gewürdigt worden waren.
Der Nobelpreis in der Kategorie Medizin wurde für das Jahr 2026 an Karl Deisseroth aus den Vereinigten Staaten sowie an Peter Hegemann und Georg Nagel aus Deutschland verliehen. In der Kategorie Physik ging der Nobelpreis an den belgisch-amerikanischen Physiker Francis Halzen für seine entscheidenden Beiträge zum IceCube Neutrino Observatory sowie die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos aus astrophysikalischen Quellen. Nach der Verleihung des Chemienobelpreises an Kagan und Soai für asymmetrische organische Synthese wird die diesjährige Nobelpreiswoche schliesslich mit der Bekanntgabe des Preises für die Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel am Montag, dem 12. Oktober, abgeschlossen.
Er ging in dieser Zeit 63 Mal an eine Einzelperson, wurde 26 Mal zwischen zwei Gewinnern aufgeteilt und 29 Mal unter drei Forschern aufgeteilt, was der Obergrenze nach den Statuten der Nobelstiftung entspricht. Da Wissenschaftler wie Frederick Sanger und Barry Sharpless die Auszeichnung in ihrer Laufbahn jeweils zweimal erhielten, beläuft sich die Zahl der geehrten Einzelpersonen auf 200. Der bisher jüngste Preisträger war 35 Jahre alt, der älteste 97 Jahre alt. Für Henri Kagan bedeutet die Ehrung im Alter von 96 Jahren eine späte Genugtuung nach vorherigen Auszeichnungen im Feld der Katalyse und Chiralität, die in den Jahren 2001 und 2021 an andere Forscher vergeben worden waren.

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