Porsche plant die Streichung von rund 9.000 Stellen bis zum Jahr 2030, um angesichts eines massiven Einbruchs auf dem chinesischen Markt und hoher Kosten für die Elektromobilität die Profitabilität zu sichern. Die von Vorstandschef Michael Leiters präsentierte Strategie sieht neben dem Jobabbau auch Preiserhöhungen und exklusive Modellprojekte vor.
Die Krise beim Sportwagenbauer und die Folgen für den VW-Konzern
Der Sportwagenhersteller Porsche ist für seinen Mutterkonzern Volkswagen von einer verlässlichen Stütze zu einer finanziellen Belastung geworden. Nach Angaben von Reuters hat Volkswagen seine Gewinnprognose für das Jahr 2026 auf im besten Fall ein Prozent gesenkt. Ausgelöst wurde diese Entwicklung vor allem durch Schwächen bei der Sportwagensparte. Die Probleme belasten den gesamten Umbau des Konzerns durch Vorstandschef Oliver Blume.
Im vergangenen Monat musste Volkswagen eine Abschreibung in Höhe von sechs Milliarden Euro auf seine 75-prozentige Beteiligung an Porsche vornehmen. Die operative Marge von Porsche war im Vorjahr auf 1,1 Prozent eingebrochen, verglichen mit 18 Prozent im Jahr 2024, wie Quartz berichtet. Der Sportwagenbauer hat stark unter den Folgen einer veränderten Nachfrage im Elektrofahrzeugsektor gelitten.
Bereits im Februar 2025 einigten sich Vorstand und Betriebsrat auf 1.900 Stellen in Zuffenhausen und Weissach bis 2029, während rund 2.000 befristete Verträge ausliefen. Analyst Ferdinand Dudenhoeffer stellte fest, dass die Zeiten als Ertragsbringer vorbei seien, und bezeichnete die Marke als zunehmend kleiner werdend. Stefan Bratzel von der Forschungsgruppe Automobil in Bergisch Gladbach betonte, dass der Druck kaum größer sein könnte.
Einbruch auf dem chinesischen Markt und das neue Konzept für Stückzahlen
Der Hauptgrund für den wirtschaftlichen Abstieg liegt in China. In der Hochphase ging noch mehr als ein Drittel der gesamten Produktion nach China; bis zum Ende des Jahrzehnts soll dieser Anteil auf etwa zehn Prozent sinken. US-amerikanische Zölle verursachten im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von rund 700 Millionen Euro für den Konzern.

Statt über niedrigere Preise Marktanteile zurückzugewinnen, setzt die Unternehmensführung auf eine konsequente value over volume
-Strategie. Die Gewinnschwelle soll auf unter 200.000 verkaufte Fahrzeuge pro Jahr sinken. Das Unternehmen plant, die Zahl der Modellvarianten um etwa 20 Prozent zu reduzieren, während Topmodelle im Schnitt rund 20 Prozent teurer werden sollen.
Wie Michael Leiters erklärte, hält er es weder für realistisch noch für förderlich für die Marke, eine Rückkehr zu früheren Absatzniveaus um jeden Preis zu verfolgen. Die Rahmenbedingungen am Markt hätten sich grundlegend gewandelt. Im mittelfristigen Horizont strebt das Unternehmen eine operative Umsatzrendite der Gruppe von zehn bis 15 Prozent an, wobei der langfristige Zielwert am oberen Ende dieser Spanne liegt.
Stellenabbau und Standortsicherung in Stuttgart und Weissach
Am 7. Oktober stellte Vorstandschef Michael Leiters die neue Strategie namens Sportwagenschmiede ’35
auf einem Kapitalmarkttag im Entwicklungszentrum Weissach vor, wie unter anderem Drweb berichtete. Die Belegschaft soll im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um ein Viertel verkleinert werden. Von den geplanten Entlassungen sind weltweit rund 9.000 Arbeitsplätze betroffen. Managementpositionen sollen sogar um 40 Prozent gekürzt werden.

Die Töchter Porsche Engineering und Porsche Digital verschmelzen im Zuge der Neuausrichtung zu Porsche Technologies. Die Entwicklungskosten sollen um bis zu 20 Prozent gesenkt werden, unter anderem durch kürzere Entwicklungszeiten mithilfe von Simulationen und modulareren Ansätzen. Der Personalabbau im Produktionsbereich soll bis zu 30 Prozent betragen.
In der Region Stuttgart beschäftigte Porsche Ende 2025 noch rund 20.600 Menschen, nach etwa 22.200 im Jahr zuvor. Betriebsbedingte Kündigungen für die Stammbelegschaft sind durch ein vereinbartes Zukunftspaket bis Ende 2035 ausgeschlossen. Der Abbau soll sozialverträglich über Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen.
Michael Leiters sagte laut Drweb: „Aktuell geht es vor allem darum, Kosten zu senken und das Unternehmen finanziell robuster zu machen.
Künftige Modellpolitik und exklusive Sonderwünsche
Auf Produktseite hält Porsche an bestimmten elektrischen Schritten fest, korrigiert aber andere Pläne. Wie Car and Driver berichtet, wird der rein elektrische Nachfolger der 718-Baureihe im Jahr 2027 als Boxster und Cayman auf den Markt kommen. Der bisher geplante Zwischenschritt mit Verbrennungsmotoren für exklusive 718-Varianten wurde demnach verworfen. Ab 2028 soll zudem ein neuer, kompakter SUV mit Verbrennungsmotoren auf den Markt kommen.

Die Einstellung des Verbrenner-Macans hat im Portfolio eine Lücke hinterlassen. Der im Rahmen des Programms ebenfalls vorgesehene rein elektrische Macan ergänzt das Angebot, während die Auslieferungen des neuen Kompakt-SUV in den Vereinigten Staaten für den Spätherbst des kommenden Jahres erwartet werden. Porsche Engineering und Porsche Digital werden als Porsche Technologies zusammengelegt, um die digitale und technische Entwicklung effizienter zu gestalten.
Zusätzlich arbeitet Porsche an einer neuen Mittelmotor-Supercar-Architektur oberhalb des 911.
Die geplante Neuausrichtung umfasst zudem den Verzicht auf weitere Modellvarianten. Mit rund 20 Prozent weniger Varianten will der Sportwagenhersteller die Komplexität in der Produktion drastisch verringern.