Der Online-Riese Amazon hat am Sonntag, dem 6. September 2026, die Zusammenarbeit mit dem Frachtfluganbieter 21 Air vorerst ausgesetzt. Grund ist ein schwerer Unfall in Miami, bei dem eine Boeing 767-300 über die Landebahn hinausging und fünf Menschen auf dem Boden tötete. Das teilte das Unternehmen mit.
Der folgenschwere Vorfall ereignete sich kurz vor 14 Uhr Ortszeit am Miami International Airport. Die betroffene Prime Air-Frachtmaschine mit der Flugnummer 7598 kam aus San Juan in Puerto Rico. Sie überquerte die Landebahn 30, durchbrach den Flughafenbereich und prallte gegen zwei Fahrzeuge außerhalb des Geländes. Darunter befand sich auch ein Ford Econoline-Van einer Flugzeugreinigungsfirma.
Fünf Todesopfer und laufende Untersuchungen in Miami
Die Behörden identifizierten die Opfer als Yoel Rodriguez Naranjo, Rolando Aleman Leon, Julio C. Pineda, Carlos Acosta Fajardo und Javierkys Reyes Quevedo. Fünf weitere Personen erlitten Verletzungen; drei von ihnen mussten nach Angaben der Polizei in kritischem Zustand in Krankenhäuser eingeliefert werden.
Rettungskräfte der Feuerwehr von Miami-Dade County waren mit 60 Einheiten vor Ort. Branddirektor Ray Jadallah beschrieb die Löscharbeiten als extrem komplex, da die Triebwerke brennend und Treibstofflecks vorhanden waren. Die Besatzung, bestehend aus Pilot und Co-Pilot, war zunächst im Cockpit eingeschlossen, bevor Einsatzkräfte sie befreien konnten.
Pablo Rojas, Anwalt der Kanzlei Podhurst Orseck, erklärte, dass er durch den Aufprall am Boden sofortige Brüche erlitten habe und diese Knochenbrüche sowie weitere schwere Verletzungen aufweise, weshalb er auf der Intensivstation behandelt werde.
Zu den Verletzten gehört der 27-jährige Roosevelt Sebastian Perdomo Torres, der sich zum Unfallzeitpunkt im Bereich befand. Seine Anwälte von der Kanzlei Podhurst Orseck reichten im elften Gerichtsbezirk von Florida Klage ein. Weitere juristische Schritte folgten rasch: Yaraisi Santiso Morejon, die Witwe des getöteten Fahrers Yoel Rodriguez Naranjo, brachte ebenfalls eine Zivilklage wegen Fahrlässigkeit ein.
Amazon zieht Konsequenzen und pausiert Frachtpartner
Obwohl das verunglückte Flugzeug mit dem bekannten Amazon-Smile-Logo und Prime-Air-Markierungen versehen war, besaß der Konzern das Flugzeug weder selbst noch stellte er die Besatzung. Die operativen Frachtflüge wurden von 21 Air durchgeführt, einem in North Carolina beheimateten und in Miami ansässigen Transportunternehmen, das insgesamt acht Frachtflugzeuge für den Handelsriesen betreibt.

Amazon-Sprecherin Kelly Nantel erklärte, dass das Unternehmen nach einer internen Überprüfung der Umstände die Zusammenarbeit mit 21 Air vorerst aussetzt. Den Transport der betroffenen Frachtmengen übernimmt Amazon nun über andere Dienstleister wie Sun Country Airlines, Hawaiian Airlines, Air Transport International, ABX Air, ASL Airlines und Cargojet.
Das Geschäftsmodell von Amazon sieht vor, große Teile des Luftfrachtnetzwerks an Drittanbieter auszulagern, um flexibel auf das Wachstum zu reagieren, während gleichzeitig operative Risiken und Haftungsfragen bei den jeweiligen Betreibern verbleiben. Die Witwe des getöteten Van-Fahrers verklagte in diesem Zusammenhang neben Amazon und 21 Air auch Avia Acquisition, Avia Investments, Andromeda Leasing II, Atlas Air Worldwide Holdings, Titan Aviation Leasing Limited, Joseph Carroll und Jamie Felipe Silva Molina.
Auswertung des Stimmenrekorders und der NTSB-Ermittlungen
Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NTSB) hat die Ermittlungen übernommen. Erste Daten des Stimmenrekorders im Cockpit (CVR) zeigen, dass während des Landeanflugs wiederholt Warnungen wegen überhöhter Geschwindigkeit ausgesprochen wurden. Ein konsistentes verbales Echo des steuernden Piloten auf diese Tempohinweise blieb laut den vorliegenden Zusammenfassungen jedoch aus.

Etwa 15 Sekunden nach dem Aufsetzen der Maschine auf der Landebahn rief die Besatzung zu einem sogenannten Durchstartmanöver (Go-Around) auf. Der leitende NTSB-Ermittler Chihoon Shin bestätigte, dass der Flugdatenschreiber eine Erhöhung des Schubs registrierte, die zu einem solchen Manöver passte. Gleichzeitig blieben nach ersten Erkenntnissen die Störklappen (Speed Brakes) und die Schubumkehrer unaktiviert, deren genauer Status und Grund für das Unterbleiben nun im Zentrum der technischen Analyse stehen.
Die betroffene Boeing 767-300 wies zudem ein beträchtliches Alter auf: Sie wurde im Juni 1994 gebaut und war vor ihrer Umrüstung zum Frachter im Jahr 2016 unter anderem bei Air Europa, Kenya Airways und Atlas Air im Passagierdienst im Einsatz.
Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb in Miami
Der Flugbetrieb am Miami International Airport wurde nach dem Unglück vorübergehend vollständig eingestellt. Verkehrsminister Sean Duffy rief Passagiere in den Tagen nach dem Unfall zu erhöhter Wachsamkeit hinsichtlich möglicher Flugausfälle auf, während die Untersuchungen zur Unfallursache voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen werden.

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