Nach dem Absturz einer Boeing 767 der Frachtfluggesellschaft Amazon Prime Air am Miami International Airport haben Ermittler am 7. September 2026 den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekreiber geborgen. Bei dem verheerenden Unglück im US-Bundesstaat Florida kamen fünf Menschen ums Leben, weitere wurden verletzt.
Ein von Cincinnati nach Miami und weiter nach San Juan in Puerto Rico geflugener Frachtjet geriet am Nachmittag des 6. September 2026 über das Ende der Landebahn hinaus. Die Boeing 767 durchbrach eine Absperrung, riss einen Zaun nieder und prallte außerhalb des Flughafengeländes auf eine Straße, wo sie mehrere Fahrzeuge erfasste. Unter den getroffenen Autos befanden sich ein Lieferwagen, der mit sieben Mitarbeitern einer Reinigungsfirma besetzt war, sowie ein Geländewagen (SUV).
Bergung der Flugschreiber und Unfallstelle
Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten (NTSB) bestätigte am Montag, dem 7. September 2026, dass beide essenziellen Aufzeichnungsgeräte gesichert wurden. We were able to recover the flight data recorder and the cockpit voice recorder
, erklärte die Vorsitzende der Sicherheitsbehörde, Jennifer Homendy, vor Journalisten. Die Geräte wurden umgehend zur detaillierten Auswertung in die NTSB-Zentrale überführt.
„I would describe it in one word as devastating, utter devastation,“
Jennifer Homendy, Chairwoman of the National Transportation Safety Board
Homendy hatte sich bei einem Ortstermin selbst ein Bild von der Lage gemacht. Sie beschrieb den Weg der Boeing 767, der anhand von Reifenspuren vom Asphalt ins Gras, durch umgeknickte Zäune und bis zum Wrack außerhalb der Flughafengrenzen nachvollziehbar war. Überall seien Fahrzeugteile, Airbags, Ausrüstung und Trümmerteile verstreut gewesen. Der von Professional Ocean Service Corp. betriebene Reinigungs-Transporter sei förmlich zerrissen worden.
Untersuchung von Landeverhalten und Wetterbedingungen
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen nun die letzten Sekunden vor dem Aufsetzten sowie die Frage, warum die Piloten die Landung bei einem eventuellen Überschießen des Aufsetzpunktes nicht abgebrochen haben. Luftfahrtexperten wie Steve Arroyo wiesen darauf hin, dass ein Frachtflugzeug im Regelfall innerhalb der ersten 914 Meter einer Landebahn aufsetzen muss und andernfalls durchstarten sollte.

Die ehemalige Generalinspektorin des US-Verkehrsministeriums, Mary Schiavo, erklärte nach Auswertung von im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen, dass die Maschine ungewöhnlich lange über der Bahn geschwebt sei, ohne dass die Piloten die Nase nach oben gezogen hätten, um das Hauptfahrwerk gezielt auf den Boden zu drücken. Zudem ergaben Analysen von BBC Verify, dass sich kurz vor dem Absturz ein aktives Gewitter mit Böen von bis zu 26 Knoten in der Nähe des Flughafens befand.
Sicherheitsvorkehrungen und Debatte über Auslaufzonen
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung betrifft die bauliche Ausstattung des Flughafens. Miami International Airport verfügt über keine sogenannten Engineered Materials Arresting Systems (EMAS). Dabei handelt es sich um flache Betten aus leichtem, stauchbarem Material am Ende von Landebahnen, die überschießende Flugzeuge kontrolliert abbremsen sollen. Die Federal Aviation Administration (FAA) führt diese Sicherheitssysteme an mehr als 120 US-Flughäfen und schreibt ihnen die Rettung von fast 500 Menschenleben zu.

Mike O’Donnell, ehemaliger FAA-Direktor für Flughafensicherheit, erläuterte, dass der Flughafen in Miami dennoch im Einklang mit den Vorschriften stand, da er am Ende seiner Bahnen über eine Sicherheitszone von rund 304 Metern verfügte und daher kein EMAS vorgeschrieben war. Das NTSB kündigte an zu prüfen, ob solche Materialbetten künftig verbindlich vorgeschrieben werden sollten und ob sie das Unglück in Florida hätten verhindern können.
Auswirkungen auf den Flugverkehr und Reaktionen
Durch das Unglück während des arbeitsintensiven Labor-Day-Wochenendes kam es zu massiven Beeinträchtigungen im zivilen Flugbetrieb. Zwei der vier Start- und Landebahnen in Miami blieben vorerst gesperrt. Nach Angaben des Flughafens führten gestrandete Crews und gestrichene Verbindungen zu Hunderten von Verspätungen und annullierten Flügen.
Das betroffene Unternehmen Amazon Prime Air erklärte sich zutiefst erschüttert über den Verlust von Menschenleben und betonte die enge Zusammenarbeit mit den Behörden. Auch die Fluggesellschaft 21 Air, die das Flugzeug im Auftrag betrieb, drückte ihr Mitgefühl aus und sicherte volle Kooperation zu. Das NTSB plant, am Dienstag weitere Ergebnisse der laufenden Untersuchungen zu veröffentlichen.
Weiterlesen