Am Vorabend der US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 zeichnet sich in Texas ein historisch enges Rennen um einen Senatssitz ab. Ein Sieg der Demokraten in Texas wäre eine Sensation, die über die nationalen Mehrheitsverhältnisse im US-Senat entscheiden könnte.
Ein ungewöhnlich enges Rennen im konservativen Texas
Das Rennen um die Nachfolge des scheidenden Senators John Cornyn III. hat sich zu einem intensiven Duell entwickelt. Der von der Datenseite FiftyPlusOne errechnete Durchschnitt der Umfragen beziffert die Unterstützung für Talarico auf 49,5 %, während Ken Paxton bei 45,8 % liegt.
Die demografische Verschiebung spielt dabei eine wesentliche Rolle: Seit der Pandemie im Jahr 2020 sind rund 2,6 Millionen Menschen nach Texas gezogen, viele davon aus demokratisch geprägten Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York. Diese Zuwanderer suchten laut Berichten aufgrund laxer Maskenregeln, offener Schulen und günstigerer Immobilien sowie niedriger Steuern ein neues Zuhause. Dennoch bleibt der Staat tief religiös, wobei zwei von drei Texanern gläubige Christen sind.
Kontroversen und Rekordsummen bei der Finanzierung
Der Wahlkampf hat ein historisches Ausmaß erreicht. Mit Gesamtausgaben beider Parteien von 1,5 Milliarden Dollar könnte das Duell um den Senatssitz in Texas die teuerste Zwischenwahl-Schlacht in einem US-Bundesstaat überhaupt sein. Der Tech-Milliardär Elon Musk unterstützte die republikanische Seite mit 160 Millionen Dollar. Talarico wiederum generierte allein im dritten Quartal 2026 rund 64 Millionen Dollar an Spenden.

Die politische Auseinandersetzung ist von heftigen persönlichen Angriffen geprägt. Donald Trump, der Paxton als „besten Staatsanwalt aller Zeiten“ lobte, verspottete Talarico als „Alfred E. Neumann“ aus dem Comic MAD und gab ihm den Spitznamen „Talafreako“. Vizepräsident JD Vance griff Talarico zudem mit homophoben Andeutungen an. Talarico reagierte mit einer Gegenstrategie, in der er Paxton als Politiker ohne Rückgrat darstellte, da dieser TV-Debatten mied. In Dallas traf sich Talarico zudem mit Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und forderte Paxton auf, Trumps „korrupten Justizminister Todd Blanchewegen dessen Umgang mit dem Epstein-Fall zu verklagen.
”””
Die Strategie und der Einfluss der Bush-Familie
Talarico positioniert sich als Christ, der soziale Gerechtigkeit betont. Für Aufsehen sorgte seine Aussage, dass Gott kein definiertes Geschlecht habe, da dieser nicht in menschlichen Kategorien gedacht werden könne. Diese und andere Äußerungen brachten ihm Unterstützung aus ungewöhnlichen Kreisen ein: Neil Bush, Bruder des ehemaligen Präsidenten George W.
Ein zentrales Thema ist die Korruption. Die Texas Tribune recherchierte, dass die Hälfte der Spendengelder von Gouverneur Greg Abbott aus der Industrie stamme, was das Thema Korruption im gesamten Wahlkampf verstärkte. Talarico selbst versprach bei einem Auftritt im Bayou Music Center in Houston vor 2500 Unterstützern: „Texas ist unser Staat, wir werden ihn zurückerobern.
Auswirkungen auf die nationale Politik
Die Bedeutung des Rennens wird durch die häufige Präsenz von Donald Trump unterstrichen, der mehrfach nach Texas reiste, um die Basis zu mobilisieren. „Texas ist Ground Zero“, so die Einschätzung der Demokraten. Sollte Talarico den Cowboystaat erobern, wäre laut Expertenmeinung der Einfluss Trumps in der Partei entzaubert. Die Republikaner stehen unter Druck, da sie auch in Staaten wie Iowa, Kansas und Alaska Gebiete verteidigen müssen, in denen sie sonst leicht gewinnen.”
Die politische Stimmung wird zudem durch wirtschaftliche Faktoren wie hohe Lebenskosten und Spritpreise geprägt. Während die Republikaner auf ihre Erfolge bei der Anfechtung demokratischer Gesetze vor texanischen Gerichten verweisen, setzen die Demokraten auf eine hohe Wahlbeteiligung. Bis zum 29. Oktober hatten bereits 6,9 Millionen Texaner vorzeitig gewählt – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 4,8 Millionen zum gleichen Zeitpunkt bei den Zwischenwahlen 2022. Am 3. November wird sich entscheiden, ob Texas tatsächlich kippt und damit die Mehrheitsverhältnisse im Senat für die letzten zwei Jahre von Trumps Amtszeit maßgeblich verschiebt.