Die Europäische Kommission hat gegen AliExpress eine Geldstrafe in Höhe von 550 Millionen Euro (ca. 629 Millionen US-Dollar) verhängt. Der Plattform wird vorgeworfen, gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen zu haben, indem sie den Verkauf illegaler, unsicherer und gefälschter Produkte nicht effektiv unterband.
Die EU hat die bisher höchste Strafe im Rahmen des Digital Services Act (DSA) verhängt. Im Zentrum der Entscheidung steht das Versagen von AliExpress, systematische Maßnahmen zur Reduzierung illegaler Warenströme auf dem Marktplatz zu implementieren. Laut der Europäischen Kommission reichte der personelle Aufwand zur Produktverifizierung nicht aus, um die Sicherheitsstandards der Union zu gewährleisten.
Versäumnisse bei Spielzeug und Kosmetika
Die Untersuchung der EU-Behörden ergab konkrete Fälle von Sicherheitsmängeln. Die Kommission stellte fest, dass gefährliche Kosmetika sowie unsichere Spielzeuge teilweise über mehrere Wochen auf der Plattform verbleiben, nachdem sie bereits detektiert worden waren. Neben diesen physischen Gefahren wird die Verbreitung gefälschter Kleidung als systematisches Problem gewertet.
EU-Tech-Chefin Henna Virkkunen erklärte in der Bekanntmachung, dass die Verbreitung von gefälschter Kleidung, unsicheren Spielzeugen, gefährlichen Kosmetika und anderen illegalen und schädlichen Produkten kein unvermeidbarer Preis für das Online-Shopping sei, sondern ein Versagen von AliExpress, seine Verpflichtungen aus dem Digital Services Act zu erfüllen.
Virkkunen betonte in der Bekanntmachung, dass die schiere Größe des Angebots kein Entschuldigungsgrund sei. Risiken müssten systematisch identifiziert und adressiert werden, um die Sicherheit der Verbraucher beim Online-Einkauf zu garantieren.
Vergleich mit Temu und DSA-Sanktionen
Mit der Summe von 550 Millionen Euro übertrifft die Strafe gegen AliExpress die zuvor gegen den Konkurrenten Temu verhängte Sanktion deutlich. Im Mai wurde Temu aufgrund ähnlicher Verstöße gegen den DSA zu einer Zahlung von über 230 Millionen US-Dollar verpflichtet. Die aktuelle Strafe gegen AliExpress ist damit mehr als doppelt so hoch wie die gegen Temu.

| Plattform | Sanktion | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| AliExpress | 550 Mio. Euro (~629 Mio. USD) | Juli 2026 |
| Temu | Über 230 Mio. USD | Mai 2026 |
Frist zur Mängelbeseitigung bis Oktober 2026
Die Zahlung der Geldstrafe beendet das Verfahren nicht vollständig. AliExpress muss nun nachweisen, dass die regulatorischen Lücken geschlossen wurden. Die Europäische Kommission hat eine Frist bis zum 20. Oktober 2026 gesetzt, um die Verstöße zu beheben.
Sollte das Unternehmen die geforderten Änderungen an seinen Überwachungs- und Löschprozessen bis zu diesem Datum nicht implementieren, drohen laut den EU-Richtlinien zusätzliche periodische Zwangsgelder.
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