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Welt

Hohe Spritpreise Treiben Weltweit den Verkauf von Elektro-Motorrädern

Steigende Spritpreise infolge der Eskalation im Nahen Osten und des Iran-Krieges treiben den Verkauf von Elektro-Motorrädern weltweit massiv an.

Während sich der Automarkt bei Elektrofahrzeugen zuletzt in einigen Regionen verhaltener entwickelte als von manchen Regierungen erhofft, erleben urbane Zweiräder einen beispiellosen Schub. Vor allem in den verkehrsgeplagten Metropolen Südostasiens und afrikanischen Staaten greifen Verbraucher vermehrt zu elektrischen Motorrädern und Rollern, um den explodierenden Kosten an den Zapfsäulen zu entkommen. Auslöser für diese Entwicklung sind die im Februar dieses Jahres begonnenen militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und die damit verbundene Schließung der Straße von Hormus, die den Öl- und Gasmarkt weltweit unter Druck gesetzt haben.

Boom in Pakistan und vietnamesische Rekordzahlen

Besonders drastisch zeigt sich der Wandel in Staaten, in denen Motorräder das Rückgrat des alltäglichen Individualverkehrs bilden. In Pakistan machen motorisierte Zweiräder rund 80 Prozent des gesamten Straßenverkehrs aus, wie Oilprice berichtet. Noch vor wenigen Jahren waren elektrische Modelle dort kaum im Straßenbild vertreten. Mittlerweile bieten rund 84 verschiedene Unternehmen E-Motorräder an. Start-ups mit Risikokapitalfinanzierung drängen ebenso auf den Markt wie traditionelle Fahrzeughersteller. Die vom Marktforschungsunternehmen Motorcycles Data erhobenen Zahlen belegen, dass die Verkäufe elektrischer Zweiräder in Pakistan im ersten Halbjahr des Jahres um 173 Prozent gestiegen sind.

Ähnlich dynamisch stellt sich die Lage in Vietnam dar. Die Hauptstadt Hanoi setzt zunehmchend auf restriktive Umweltmaßnahmen wie die Einrichtung einer emissionsarmen Zone im Stadtzentrum, die Benzinfahrzeuge an Wochenenden einschränkt. Der vietnamesische Hersteller VinFast meldete für das erste Quartal 2026 Rekordaufträge und lieferte in den ersten drei Monaten des Jahres 143,136 elektrische Motorräder und E-Bikes aus – ein Plus von 219 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auch japanische Traditionskonzerne reagieren auf die veränderten Marktbedingungen. Im Juli kündigte Honda Motor an, die Produktion seines Elektromotorrads UC3 noch in diesem Jahr in Vietnam in der nördlichen Provinz Phú Thọ aufzunehmen.

„The trend toward electrification among consumers is moving forward more than expected.“

Sayaka Arai, Generaldirektorin von Honda Vietnam, via Oilprice

Lokale Kooperationen und Chinas Solarenergie-Wende

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die breitere Verfügbarkeit kostengünstigerer Batterietechnologien und chinesischer Fabrikate. Chinesische Firmen passen ihre Fahrzeuge gezielt an die Bedingungen vor Ort an. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Partnerschaft zwischen dem chinesischen Hersteller TAILG und dem ghanaischen Batterie-Wechsel-Betreiber Kofa. Gemeinsam entwickelten sie das Modell TK90, das exklusiv für den afrikanischen Markt konzipiert wurde. Mit einem herausnehmbaren Lithium-Akku konnten die Betriebskosten des Motorrads um rund 30 Prozent gesenkt werden. Das Modell ist mittlerweile in Kenia und Tansania erhältlich.

Parallel dazu treibt China, der weltgrößte Automarkt und gleichzeitig das größte Stromnetz, die Energiewende vor Ort voran. Nach Angaben von Electrek verfügt das Land inzwischen über eine installierte Solarstromkapazität von 1,288 Gigawatt und hat damit die Kohlekraftkapazität von 1,285 Gigawatt knapp übertroffen. Solarenergie macht nun 31,5 Prozent der gesamten Erzeugungskapazität Chinas aus. Obwohl Kohlekraftwerke aufgrund unterschiedlicher Auslastungsfaktoren im ersten Halbjahr 2026 noch rund 49,7 Prozent der tatsächlichen Stromerzeugung ausmachten (während Wind und Solar zusammen bei 24,6 Prozent lagen), sorgte der anhaltende Boom elektrischer Fahrzeuge im Zusammenspiel mit sinkenden Ölimporten dafür, dass Chinas Gesamtemissionen im zweiten Quartal um ein Prozent zurückgingen.

Infrastruktur und Zukunftsaussichten in Afrika und Kalifornien

Trotz der beeindruckenden Wachstumsraten bleibt die Ladeinfrastruktur in vielen Regionen die größte Hürde für eine flächendeckende Durchsetzung. In Kenia schrecken viele Verbraucher vor dem Kauf zurück, weil flächendeckende Lademöglichkeiten fehlen. Um dieses Problem zu umgehen, testet TAILG in Afrika solarbetriebene Wechselstationen im Freien, die den Betrieb von E-Motorrädern auch in netzfernen Gebieten ermöglichen sollen. Zudem arbeitet das Unternehmen an einem solarbetriebenen Dreirad mit einem Wirkungsgrad von über 25 Prozent bei der Stromerzeugung.

Hohe Spritpreise Treiben Weltweit den Verkauf von Elektro-Motorrädern
Photo: electrek.co

Abseits der Schwellenländer wächst die Nachfrage nach leichten Elektrofahrzeugen auch in westlichen Nischenmärkten. In Kalifornien erfreuen sich E-Motorräder, E-Scooter und Mopeds seit der Covid-19-Pandemie wachsender Beliebtheit bei Jugendlichen, die nach kostengünstigen und schadstoffarmen Fortbewegungsmitteln suchen.

Ob der anhaltende Ölpreisschock dauerhaft zu einem globalen Strukturwandel im Zweiradsektor führt, hängt maßgeblich von der Stabilität der fossilen Energiemärkte ab.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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