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Sport

Alexander Ospelt knapp FIS-Präsident, Eliasch abgewählt

Der Liechtensteiner Alexander Ospelt wurde am Donnerstag, den 11. Juni 2026, beim 57. FIS-Kongress in Belgrad zum neuen Präsidenten des Weltskiverbands gewählt. Ospelt setzte sich in einer extrem knappen Abstimmung mit 65 zu 64 Stimmen gegen den amtierenden Präsidenten Johan Eliasch durch und löst diesen mit einer einzigen Stimme Differenz ab.

Die Entscheidung in Belgrad: Eine einzige Stimme entscheidet

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl beim Internationalen Ski- und Snowboardverband (FIS) könnte kaum knapper ausfallen. Mit einem Resultat von 65 zu 64 Stimmen erreichte Alexander Ospelt exakt das erforderliche absolute Mehr, um Johan Eliasch zu stürzen. Eliasch, ein schwedisch-britischer Doppelbürger, trat in dieser Wahl für Georgien an. Damit ist er der sechste Präsident in der Geschichte des Verbandes und folgt auf eine Reihe von Langzeitamtsträgern, darunter Marc Hodler und Gian Franco Kasper. Ospelt ist kein Unbekannter in den Strukturen des Verbandes. Der Rechtsanwalt mit Doktortitel aus Schaan war bereits ehemals Präsident des Liechtensteinischen Skiverbandes und gehörte die letzten zwei Jahre dem FIS-Council an. Er wurde für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. „Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst – wir alle sind FIS. Ich werde der Präsident für euch alle sein.“ Alexander Ospelt, neuer FIS-Präsident, via Blick

Finanzielle Schieflage und Kritik am Führungsstil

Die Abwahl Eliaschs ist das Ergebnis einer tiefen Zerrüttung zwischen der Verbandsspitze und den großen Ski-Nationen. Laut Watson hatten insbesondere die Verbände aus der Schweiz, Österreich, Norwegen und den USA massiven Widerstand gegen eine Wiederwahl des 64-Jährigen geleistet. Im Zentrum der Kritik stand ein kompromissloser Führungsstil. Eliasch, ein Milliardär aus der Privatwirtschaft, versuchte die FIS durch radikale Digitalisierung zu modernisieren, wobei er oft die Einbindung der 22 Vorstandsmitglieder und anderer Stakeholder vernachlässigte. Diese Strategie führte zu kostspieligen juristischen Auseinandersetzungen und einer zunehmenden Isolation gegenüber den traditionellen Alpen- und Skandinavien-Nationen. Besonders brisant ist die finanzielle Lage des Verbandes. Die Kritik an der Strategie Eliaschs verschärfte sich, als bekannt wurde, dass das Verbandsvermögen während seiner Amtszeit um mehr als 80 Millionen Franken gesunken sein soll. Während Diego Züger, Co-CEO von Swiss-Ski, diese Situation als besorgniserregend bezeichnete, verteidigte Eliasch die Ausgaben als notwendige Investitionen in die globale Reichweite und Zukunft des Sports. Die Instabilität zeigte sich auch in der Führungsebene: Urs Lehmann, der erst neun Monate als CEO der FIS tätig war, trat kurz vor der Wahl zurück.

Der Streit um die Stimmabgabe: Papier statt Computer

Der Streit um die Stimmabgabe: Papier statt Computer
Photo: Watson
Ein ungewöhnlicher Vorgang prägte den Ablauf des Kongresses in Belgrad. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Delegierten der nationalen Verbände über ein elektronisches System abstimmen. Kurz vor Beginn beantragte jedoch Swiss-Ski eine Rückkehr zur Papierwahl. Diego Züger begründete diesen Antrag damit, dass beim letzten Kongress Probleme mit dem elektronischen System aufgetreten seien. Angesichts der Bedeutung dieser Wahl wollte der Schweizer Verband kein Risiko eingehen und das System nicht als Testfeld nutzen. Der Antrag wurde mit 77 zu 50 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen.

Vorwürfe der Einflussnahme durch das IOC

Vorwürfe der Einflussnahme durch das IOC
Trotz seiner Niederlage nutzte Johan Eliasch die Bühne unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses für eine letzte Warnung. Er behauptete, dass externe Organisationen, namentlich das Internationale Olympische Komitee (IOC), versucht hätten, das Wahlergebnis zu beeinflussen. Eliasch forderte den Verband auf, standhaft zu bleiben, um die Unabhängigkeit der FIS zu bewahren. Interessant ist dabei die Vorgeschichte seiner Kandidatur: Da sowohl der schwedische als auch der britische Verband ihm die Unterstützung für eine Wiederwahl verweigerten, musste sich Eliasch kurzfristig eine zusätzliche Staatsbürgerschaft beschaffen. Georgien gewährte ihm den benötigten Pass, was ihm die Teilnahme an der Wahl erst ermöglichte. „Es war ein Privileg, euch zu dienen. Ich habe immer gesagt, dass es eine Win-win-Situation werden würde. Denn entweder bekomme ich mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl.“ Johan Eliasch, abgewählter FIS-Präsident, via Blick

Ausblick: Die Ära Ospelt und die Suche nach Ruhe

Mit Alexander Ospelt tritt die FIS in eine Phase ein, in der die großen Nationalverbände vor allem Sachlichkeit, Transparenz und Ruhe erwarten. Ospelt, der sich selbst als Brückenbauer versteht, betonte in seiner ersten Ansprache die Notwendigkeit der Einheit im Sport. Die kommenden Monate werden zeigen, wie der neue Präsident mit dem finanziellen Defizit und den geschädigten Beziehungen zu den Top-Nationen umgeht. Während Eliasch auf disruptive Modernisierung setzte, scheint Ospelt einen konsensorientierteren Weg einschlagen zu wollen, um die Zerrüttung innerhalb des Weltskiverbands zu beenden. Die Liste der FIS-Präsidenten wird nun wie folgt ergänzt:
  • Ivar Holmquist (1924–1934)
  • Nikolai Ramm Oestgaard (1934–1951)
  • Marc Hodler (1951–1998)
  • Gian Franco Kasper (1998–2021)
  • Johan Eliasch (2021–2026)
  • Alexander Ospelt (ab 2026)
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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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