Patienten, die bei der Einnahme von Abnehm-Medikamenten wie Wegovy oder Mounjaro auf den niedrigen Startdosen verbleiben, erzielen laut einer aktuellen Studie messbare Gewichtsverluste, kämpfen jedoch weiterhin mit Nebenwirkungen. Die am 31. August veröffentlichten Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid.
Die Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten beginnt in der klinischen Praxis planmäßig mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise erhöht wird, um den Körper an den Wirkstoff zu gewöhnen und Magen-Darm-Beschwerden zu minimieren. Zahlreiche Patienten erreichen die von Herstellern empfohlenen Erhaltungsdosen jedoch nie, sei es aufgrund von Nebenwirkungen, Kosten, Lieferengpässen oder persönlichen Therapiezeilen. Eine am 31. August in der Fachzeitschrift Biology Methods & Protocols veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von insgesamt 534 Patienten, die über mindestens sechs Monate hinweg die Semaglutid-Initialeinstellung von 0,25 Milligramm beibehielten, sowie eine gleich große Gruppe, die auf der Tirzepatid-Dosis von 2,5 Milligramm verblieb.
Gewichtsverlust und Nebenwirkungen auf Startdosen im direkten Vergleich
Nach einem Jahr zeigten sich spürbare Unterschiede zwischen den beiden Wirkstoffen auf den jeweiligen Einstiegsdosierungen. Patienten unter dauerhafter Niedrigdosis von Tirzepatid verloren im Durchschnitt 5,5 Prozent ihres Körpergewichts, während die Gruppe mit Semaglutid einen Gewichtsverlust von durchschnittlich 2,2 Prozent verzeichnete. Zum Vergleich: In früheren direkten Vergleichsstudien mit den empfohlenen Höchstdosen lagen die Werte bei durchschnittlich 20,2 Prozent für Tirzepatid und 13,7 Prozent für Semaglutid.
Entgegen der Annahme, dass minimale Dosen jegliche Beschwerden verhindern, zeigte die Auswertung, dass Patienten auch auf dem Einstiegsniveau Nebenwirkungen erfuhren. Zwar berichteten Betroffene über substanziell weniger Übelkeit im Vergleich zu den Höchstdosen, doch traten andere Begleiterscheinungen auf. Tirzepatid war in der Niedrigdosisstudie mit höheren Rates von Verstopfung, Muskelkrämpfen, Lumbaldiskopathie, Belastungsdyspnoe sowie Nierenverletzungen nach zwei Jahren bei 2,7 Prozent der Patienten assoziiert, verglichen mit 0,4 Prozent bei Semaglutid. Semaglutid-Patienten wiesen hingegen höhere Raten an Ohrenentzündungen, starkem Schwitzen und Knöchelschwellungen auf.
Semaglutid besitzt in den USA zudem eine offizielle Zulassung zur Senkung des Risikos einer Verschlechterung chronischer Nierenerkrankungen, während Tirzepatid diesen Status noch nicht erreicht hat.
Aktuelle Diskussionen um das pharmakologische Potenzial von GLP-1-Therapien
Die Erkenntnis, dass selbst kleinste Mengen der Substanzen einen messbaren pharmakologischen Effekt entfalten, beleuchtet eine im Journal Cureus publizierte narrative Übersichtsarbeit. Die Autoren betonen, dass GLP-1-Rezeptoragonisten neben der Gewichtsreduktion und Blutzuckerkontrolle über den GLP-1-Rezeptor auch multisystemische Effekte zeigen. Jüngste Übersichtsarbeiten weisen auf potenzielle Verbesserungen bei respiratorischen, renalen, metabolischen, endokrinen und kardiovaskulären Parametern sowie der kognitiven Funktion hin.

Dennoch bleibt die Versorgungslage angespannt. Seit der Zulassung von Exenatid als erstem Vertreter dieser Wirkstoffklasse im Jahr 2005 hat sich das Spektrum um Substanzen wie Liraglutid, Dulaglutid und Semaglutid erweitert. Die weltweite Nachfrage übersteigt das Angebot weiterhin erheblich, was zu hohen Kosten und Versorgungslücken führt und Diskussionen über fraktionierte Dosierungen anheizt.
Entwicklungen bei neuen Wirkstoffen wie Retatrutid
Während bestehende Medikamente auf niedrigeren Dosen untersucht werden, treibt die Pharmaindustrie experimentelle Substanzen voran. Berichten zufolge plant Eli Lilly, das experimentelle Präparat Retatrutid, oft als „Triple G“ bezeichnet, Anfang 2027 zur behördlichen Zulassung bei der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) einzureichen. Das Molekül ahmt gleich drei Hormone nach: GLP-1, GIP und Glucagon. In klinischen Studien verloren Probanden über einen Zeitraum von 80 Wochen bis zu 28 Prozent ihres Körpergewichts, während der A1C-Wert um bis zu 1,6 Prozent sank.”

Dr. Kenneth Custer, Executive Vice President und Leiter des Bereichs für kardiometabolische Gesundheit bei Lilly, hob hervor, dass die gleichzeitige Verbesserung des Blutzuckers und Gewichtsverlusts bei Typ-2-Diabetes eine historische Herausforderung darstelle.