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Schweizer Männer: Wunsch nach Teilzeit scheitert oft an Realität

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Langzeitstudie zeigt ein überraschendes Phänomen in der Arbeitswelt: Obwohl jährlich fast zehn Prozent der Schweizer Vollzeitbeschäftigten den Wunsch nach einer Teilzeitarbeit entwickeln, wagt diesen Schritt am Ende nur jeder zehnte Mann.

Die Schweizer Arbeitswelt ist von einem tiefgreifenden Widerspruch geprägt. Einerseits wächst das Interesse an kürzeren Arbeitszeiten stetig, andererseits bremsen traditionelle Vorstellungen viele Erwerbstätige aus. Für die Untersuchung werteten Forschende umfassende Daten aus den Jahren 2004 bis 2020 aus, um den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, an dem Männer den Wunsch nach einem reduzierten Pensum entwickeln und ob sie diesen auch tatsächlich in die Tat umsetzen.

Das Gefälle zwischen Wunsch und Realität bei Schweizer Männern

Die Zahlen der Auswertung machen deutlich, wie gross die Hürde von der Idee zur Umsetzung ist. Dennoch zeigt der langfristige Trend nach oben: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil teilzeitarbeitender Männer in der Schweiz mehr als verdoppelt und lag im Jahr 2025 bei über 20 Prozent.

Schweizer Männer: Wunsch nach Teilzeit scheitert oft an Realität
Foto: SRF

Im internationalen Vergleich nimmt die Eidgenossenschaft damit eine Sonderrolle ein. Mit einer allgemeinen Teilzeitquote von 40 Prozent unter allen Erwerbstätigen verzeichnet das Land den zweithöchsten Wert innerhalb der OECD-Länder.

Berufliche Normen und das Leitbild des Familienernährers

Als entscheidenden Bremsklotz identifizierten die Forschenden tief verankerte berufliche Normen. In Branchen, die stark vom traditionellen Leitbild des männlichen Familienernährers und einer unbedingten beruflichen Hingabe geprägt sind, fassen Männer den Gedanken an Teilzeit äusserst selten. Wo hingegen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben aktiv gefördert wird, steigt die Bereitschaft zur Pensumreduzierung spürbar an.

Ein bemerkenswerter Wandel zeigt sich laut der Erhebung ausgerechnet in der Medizin. Im Arztberuf, der traditionell für eine hohe Belastung und zahlreiche Überstunden bekannt ist, wechselt eine wachsende Anzahl an Männern in Teilzeitmodelle.

Der Anteil teilzeitarbeitender Männer in der Schweiz hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt
Foto: Watson

Das hat mich in einem Beruf, der bekannt ist für viele Überstunden, überrascht.

Jan Müller, Studienleiter und Soziologe an der Universität Zürich

Studienleiter Jan Müller vermutet hinter dieser Entwicklung in medizinischen Berufen einen direkten Zusammenhang mit dem wachsenden Frauenanteil in diesem Feld. Die Rolle des alleinigen Ernährers verliere dort an Bedeutung, während der Wunsch nach einer gesunden Work-Life-Balance an Gewicht gewinne.

Günstige Rahmenbedingungen und der Weg zu mehr Gleichstellung

Trotz der spürbaren Hürden in vielen Unternehmenskulturen bietet die Schweizer Wirtschaft laut den Studienautoren strukturell günstige Voraussetzungen. Die wöchentliche Normalarbeitszeit von fast 42 Stunden macht eine Reduktion des Pensums für viele attraktiv. Zudem ist dieser Schritt angesichts im internationalen Vergleich hoher Saläre finanziell oftmals realistischer als in anderen Staaten.

Abschliessend betonte Studienleiter Müller, dass die tatsächliche Verwirklichung persönlicher Arbeitszeitpräferenzen massgeblich dazu beitrage, Stress im Alltag abzubauen und die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern nachhaltig zu stärken.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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