Christa Pike wird am Mittwoch im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet, nachdem Gouverneur Bill Lee ihr Gnadengesuch abgelehnt hat. Die Vollstreckung markiert die erste Hinrichtung einer Frau in dem Staat seit mehr als zwei Jahrhunderten und betrifft eine Verurteilte, die ihre Tat im Alter von 18 Jahren begangen hatte.
Im US-Bundesstaat Tennessee steht die erste Hinrichtung einer Frau seit dem Jahr 1819 bevor. Die heute 50-jährige Insassin ist die einzige Frau im Todestrakt des Bundesstaates. Sie war im März 1996 wegen eines im Jahr 1995 verübten Mordes zum Tode verurteilt worden.
Das Verbrechen von Knoxville und die juristischen Folgen
Im Jahr 1995 lockten drei Teenager die damals 19-jährige Colleen Slemmer in ein abgelegenes Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville. Dort wurde das Opfer gefoltert und getötet. Ihr damaliger Freund Tadaryl Shipp war zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt und erhielt eine lebenslange Haftstrafe mit der Möglichkeit auf Bewährung. Ein dritter Jugendlicher, der als Komplize fungierte, kam mit Bewährung davon.
Die Staatsanwaltschaft stützte das Verfahren damals auf den Umstand, dass Pike die Tat in eifersüchtiger Wut begangen habe, weil sie Slemmer als romantische Rivalin ansah. Der Fall erregte durch seine Brutalität und die Jugend der Täter großes Aufsehen. Pike wurde nach dem Schuldspruch die damals jüngste Frau in der modernen US-Todesstrafenära, die zum Tode verurteilt wurde.

Argumente der Verteidigung und Reaktionen auf das Gnadengesuch
Pikes Anwälte und verschiedene Menschenrechtsorganisationen versuchten bis zuletzt, die Vollstreckung zu verhindern. Pike hatte eine von schwerer körperlicher und sexueller Gewalt sowie Vernachlässigung geprägte Kindheit erlebt. Nach Angaben von Assistant Federal Defender Stephen Ferrell wurde sie von Kleinkindalter an sexuell missbraucht und im Alter von 11 sowie 17 Jahren vergewaltigt. Sie litt zudem unter unbehandelten psychischen Erkrankungen wie posttraumatischer Belastungsstörung und bipolaren Störungen.
„Ich war ein psychisch krankes 18-jähriges Kind. Es hat viele Jahre gedauert, bis mir das Ausmass dessen klar wurde, was ich getan hatte. Noch länger dauerte es zu akzeptieren, wie viele Leben ich beeinträchtigt habe. Ich habe das Leben von jemandes Kind, Schwester, Freundin genommen. Es widert mich heute an zu denken, dass ich die Fähigkeit besessen habe, ein solches Verbrechen zu begehen.“
Christa Pike, verurteilt in einer Erklärung zu ihrer Petition
Gouverneur Bill Lee erklärte in seiner am Montag veröffentlichten Mitteilung, er habe das Gnadengesuch nach einer gründlichen Überprüfung des Falls abgelehnt und werde die Strafe aufrechterhalten.
Stimmen der Hinterbliebenen und Einordnung der Todesstrafe
Während Menschenrechtsgruppen und internationale Beobachter auf die unzureichende Berücksichtigung von Jugend und Traumata bei der Urteilsfindung verwiesen, forderte die Mutter des Opfers die Vollstreckung des Urteils.

Seit der Wiederzulassung der Todesstrafe im Jahr 1976 wurden im gesamten Land 18 Frauen hingerichtet, was etwa einem Prozent aller Hinrichtungen entspricht.
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