Nissan bereitet eine deutliche Erhöhung seiner US-Produktion vor und plant die Einführung des neuen 2027er Rogue mit e-POWER-Hybridtechnologie für Nordamerika. Das Unternehmen reagiert damit auf stark gestiegene Hybridverkaufszahlen bei der Konkurrenz. Die Produktion im US-Werk in Smyrna, Tennessee, soll schrittweise ausgeweitet werden, während erste Fahrzeuge zunächst aus Japan importiert werden.
Die vierte Generation des Nissan Rogue erhält in Nordamerika einen beschleunigten Zeitplan. Der japanische Automobilhersteller zieht den Marktstart für das beliebte Crossover-Modell vor und plant die ersten Auslieferungen an Händler für November 2026, wie aus Berichten hervorgeht. Nissan reagiert damit auf sinkende Verkäufe im reinen Verbrennersegment sowie auf eine stark veränderte Marktnachfrage. Im Jahr 2025 sanken die Verkäufe des Rogue um 11 Prozent auf 217.896 Einheiten, womit der Marktanteil in diesem Segment auf 7.6 Prozent zurückging.
US-Produktion stößt an Grenzen und soll ausgebaut werden
Um der wachsenden Nachfrage nach elektrifizierten Antrieben zu begegnen, arbeitet der Konzern an einer deutlichen Ausweitung seiner nordamerikanischen Fertigungskapazitäten. Christian Meunier, der Chairman von Nissan Americas, erklärte gegenüber Medien, dass sich das Unternehmen in den USA bereits an der Kapazitätsgrenze befindet. Wir maximieren jetzt die Produktionskapazität in den USA, sagte Meunier, und zeigte sich optimistisch bezüglich des nächsten logistischen Schritts.
Der nächste Schritt werden drei Schichten sein, und ich bin ziemlich optimistisch, dass wir das mit dem Start des neuen Rogue in den nächsten Monaten und der Einführung des Hybrids ziemlich schnell schaffen werden. Christian Meunier, Chairman von Nissan Americas
Gegenwärtig fertigt das Unternehmen den Rogue gemeinsam mit anderen Crossover-Modellen in einem rund 6 Millionen Quadratfuß großen Werk in Smyrna, Tennessee, im Zwei-Schicht-Betrieb. Eine Ausweitung auf drei Schichten in den US-Werken – zu denen auch der Standort in Canton, Mississippi, gehört – könnte das jährliche Produktionsvolumen in den Vereinigten Staaten auf rund 1 Million Fahrzeuge steigern. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 lag die heimische Produktion bei fast 487.000 Einheiten. Bis zum Jahr 2030 strebt Nissan an, 80 Prozent der in den USA verkauften Fahrzeuge auch dort zu produzieren. Neue Fabriken sind dafür vorerst nicht eingeplant.
Einführung der e-POWER-Technologie und Wettbewerb mit Toyota
Das Kernstück der neuen Strategie ist das sogenannte e-POWER-System, das Nissan erstmals für den nordamerikanischen Markt anbietet. Bei diesem System handelt es sich um einen seriellen Hybrid: Ein speziell für die Stromerzeugung entwickelter 1,5-Liter-Turbo-Dreizylinder-Verbrennungsmotor – der die variable Verdichtung des bisherigen Triebwerks ablöst – treibt ausschließlich einen Generator an, der wiederum die Batterie und die Elektromotoren speist. Die Hardware nutzt zudem kompakte 5-in-1-Elektroeinheiten, die Antriebsmotor, Inverter, Untersetzungsgetriebe, Generator und den sogenannten „Increaser“ integrieren. Die Räder werden direkt von den Elektromotoren angetrieben. Das Fahrzeug benötigt keinen externen Ladeanschluss, verbindet jedoch das Fahrgefühl eines Elektroautos mit dem gewohnten Betankungsprozess eines Verbrenners.
Die Markteinführung erfolgt in einer Übergangsphase. Da die US-Produktion des Hybridmodells erst für das erste Halbjahr 2028 im Werk Smyrna geplant ist – während der rein benzinbetriebene Rogue dort im Sommer 2027 anläuft –, wird der Hersteller die ersten Fahrzeuge zunächst aus Japan importieren, um sie schneller in die Autohäuser zu bringen. Im November 2026 sollen zunächst ein bis zwei Fahrzeuge pro Vertragshändler eintreffen, wie Automotive News berichtet, bevor das Angebot im März 2027 mit zwei weiteren Ausstattungsvarianten und einem Volumen von bis zu 6.000 Einheiten wächst.
Mit diesem Schritt positioniert sich Nissan direkt gegen etablierte Wettbewerber wie den Toyota RAV4 und den Honda CR-V. Hybride erfreuen sich auf dem US-Markt steigender Beliebtheit: Während sie im zweiten Quartal 2025 noch 22 Prozent der Verkäufe im Segment der Kompakt-SUVs ausmachten, kletterte ihr Anteil im zweiten Quartal 2026 auf ein Drittel. Meunier betonte, dass die Hybridversion des Rogue das Unternehmen für Kunden öffnen wird, die Nissan zuvor gar nicht erst in Betracht gezogen hatten.
Globale Restrukturierung und der Blick nach 2030
Die Neuausrichtung in Nordamerika ist Teil eines umfassenden globalen Sanierungsplans. Nissan plant, seine Modellpalette zu straffen, schwach performante Fahrzeuge zu streichen und verstärkt auf Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz zu setzen. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2030 peilt das Unternehmen an, allein in den USA und China jeweils eine Million Fahrzeuge der Marke Nissan abzusetzen, während das jährliche Volumen in Japan auf 550.000 Autos steigen soll.

Obwohl das Unternehmen in der Vergangenheit wie viele Branchenkonkurrenten Milliardenverluste im reinen Elektrofahrzeugbereich verzeichnete, hält das Management an dem langfristigen Ziel fest, durch den gezielten Ausbau von Hybrid- und e-POWER-Antrieben ohne den Bau neuer Fabriken zu wachsen. Ob nach 2030 weitere große Investitionen in neue Standorte nötig werden, will das Unternehmen in den kommenden vier bis fünf Jahren entscheiden.
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