Der britische Musiker Ed Sheeran hat bei einem Konzert in Philadelphia erstmals öffentlich zu dem Gaza-Konflikt Stellung bezogen und die Lage als katastrophal bezeichnet. Die Äußerung fiel vor fast vollem Stadion nach einer turbulenten Woche, in der wegen pro-palästinensischer Aussagen des Rappers Macklemore mehrere Tour-Acts abgesagt hatten.
Konzertstart in Philadelphia und deutliche Worte zum Konflikt
Ed Sheeran eröffnete seinen Auftritt im Lincoln Financial Field in Philadelphia mit ungewohnt politischen Tönen. Es war der erste Auftritt seiner Tour, seit diese durch den Ausschluss seines Vorprogramms in eine Krise geraten war.
Vor tausenden Fans erklärte Sheeran, dass sein Herz über das Ausmaß der Zerstörung und den Verlust von Zivilisten und Kindern gebrochen sei. Er betonte gleichzeitig, dass er niemals ein politisch aktiver Musiker sein wollte, sich durch die Ereignisse jedoch in eine komplexe Debatte über freie Meinungsäußerung hineingezogen fühle.
Der Rauswurf von Macklemore und die Folgen für die Loop Tour
Die Spannungen um die Konzertreihe hatten ihren Ursprung Anfang September. Der Rapper Macklemore, der als ursprünglicher Support-Act für den US-Teil der Tour vorgesehen war, hatte bei einem Auftritt in New Jersey den Ausruf Free Palestine
getätigt. Daraufhin entbrannte eine Kontroverse, die zum Ausschluss des Rappers führte.
Sheeran selbst betonte, er trage keine Verantwortung für den Ausschluss Macklemores und habe stattdessen dem Tour-Promoter die Hauptverantwortung zugeschrieben. Dennoch geriet der Brite ins Kreuzfeuer der Kritik. Kritiker warfen ihm vor, den Stadionbetreibern nicht entschlossen entgegengetreten zu sein, woraufhin Boykottaufrufe laut wurden. In den Tagen nach dem Vorfall kündigten mehrere Künstler an, nicht mehr als Support-Acts aufzutreten. Die dänische Band Lukas Graham, der irische Sänger Aaron Rowe sowie Finneas – der Bruder und musikalische Partner von Billie Eilish, der für Konzerte in Südamerika eingeplant war – zogen sich von der Tour zurück.
Reaktionen von Fans und Demonstranten vor dem Stadion
Vor dem Veranstaltungsort in Philadelphia versammelte sich am Samstag eine Gruppe pro-palästinensischer Demonstranten. Einige Konzertbesucher hatten sich daraufhin gegen den Einlass entschieden. Die Konzertbesucherin Hillary Steinberg erklärte gegenüber Medien, sie habe ihre bereits vor einem Jahr gekauften Karten zurückgegeben, um stattdessen an der Kundgebung teilzunehmen.
Hillary Steinberg sagte, sie sei bis diese Woche ein großer Fan von Ed Sheeran gewesen. Sie finde, dass alle Kunst und alle Musik politisch seien, und deshalb sei diese Entscheidung – auch wenn er behaupte, nicht mitschuldig zu sein – eine politische Entscheidung.
Auf der anderen Seite standen Besucher, die an ihrem Konzertbesuch festhielten und die Trennung von Musik und Politik befürworteten. Diane Savitz äußerte gegenüber NPR, dass ein Konzert der falsche Ort für politische Debatten sei: Diane Savitz erklärte, dass jeder ein Recht auf freie Meinungsäußerung habe, aber nicht jede Plattform der richtige Ort dafür sei.
Spendenankündigungen und finanzielle Dimensionen der Tour
Im Zuge der Auseinandersetzung gab es auch finanzielle Reaktionen auf humanitäre Ebene. Macklemore kündigte eine Spende in Höhe von 1 Million US-Dollar für palästinensische Hilfsprogramme an und forderte Robert Kraft zu einer entsprechenden Gegenleistung auf.

Die wirtschaftliche Dimension der weltweiten Konzertserie unterstreicht die Tragweite des Streits. Die Loop Tour zählte im Vorjahr laut Auswertungen von Branchenbeobachtern wie Pollstar zu den umsatzstärksten Konzertreihen weltweit, mit einem durchschnittlichen Brutto-Einspielwert von über 7 Millionen US-Dollar pro Stadt.
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