Die Vereinigten Staaten haben am Dienstag, dem 8. September, 36 neue Sanktionen gegen den Iran verhängt, die sämtliche verbleibenden aktiven Fluggesellschaften des Landes treffen. Finanzminister Scott Bessent kündigte die Maßnahmen im Rahmen der Operation Economic Outcast an, um den Iran wirtschaftlich zu isolieren und den Luftverkehr für illegale Transporte zu kappen.
Umfassende Luftfahrtsanktionen und das Ziel der totalen Isolation
Die US-Regierung hat den Druck auf Teheran im siebten Monat des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten massiv verschärft. Wie das US-Finanzministerium am 8. September mitteilte, richtet sich das neue Sanktionspaket gegen 36 Ziele, darunter 27 iranische Fluggesellschaften sowie ausländische Firmen und Einzelpersonen. Die Maßnahme basiert auf einer neuen Verordnung vom 24. August, die gezielt den Sektor der Luftfahrt ins Visier nimmt, um den Iran von internationalen Handels- und Finanzströmen abzuschneiden.
Zu den betroffenen Fluggesellschaften gehören unter anderem Iran Aseman Airlines, Iran Airtour, Kish Airlines, Qeshm Air, Karun Airlines, Sepehran Airlines, Taban Airlines, Varesh Airlines, Zagros Airlines, Chabahar Airlines, Fly Persia und Saha Airlines, die offiziell als Transportdienst der Streitkräfte bekannt ist. Auch kleinere oder spezialisierte Carrier wie Air Shiraz, Ava Airlines, Fly Kish, Mehr Airways, Raimon Airways und Soroush Air stehen auf der Sanktionsliste.
Finanzminister Scott Bessent bezeichnete den Kurs der US-Regierung als wirtschaftlichen D-Day für das Land. Finanzminister Scott Bessent erklärte laut Berichten als Warnung an alle, die Geschäfte mit den verbliebenen iranischen Fluggesellschaften machen – die heute alle sanktioniert wurden –, dass diese Gefahr liefen, vom globalen Finanzsystem abgeschnitten zu werden. Ergänzend dazu betonte der Sprecher des Außenministeriums, Tommy Pigott, dass Washington in dieser Kampagne nicht nachlassen werde.
Tommy Pigott, Sprecher des Außenministeriums, erklärte, man werde in der Kampagne zur Unterbindung der finanziellen Lebensadern des iranischen Regimes, einschließlich des Luftfahrtsektors, nicht nachlassen.
Globale Netzwerke und die Schließung von Beschaffungswegen
Die neuen Bestimmungen zielen nicht nur auf die Airlines im Iran selbst ab, sondern nehmen auch ein internationales Geflecht aus Tarnfirmen, Zwischenhändlern und Logistikdienstleistern ins Visier. Washington wirft diesen Netzwerken vor, dem Iran und insbesondere der bereits seit 2011 unter Antiterrorsanktionen stehenden Fluggesellschaft Mahan Air dabei geholfen zu haben, US-gefertigte Flugzeuge, sensible Technologie und Ersatzteile zu beschaffen.

Laut Angaben des Finanzministeriums beschaffte Mahan Air im Sommer über Routen durch die Vereinigten Arabischen Emirate und den Oman mindestens drei Boeing-777-Großraumflugzeuge. Als Vermittler in diesem Netzwerk wurden unter anderem die in den VAE ansässige ECT Aviation Support sowie die türkische Firma Sky Phoenix identifiziert. Zudem traf es den ägyptischen Staatsangehörigen Mahran Ibrahim Ali Mohamed Mahran als Eigentümer von ECT Aviation Support sowie Logistikfirmen wie iCargo in Malaysia, Tour Invest in Kasachstan und die türkischen Unternehmen MES Cargo und S Sistem Logistics.

Kerri Bitsoff, eine ehemalige ranghohe Beamtin des US-Finanzministeriums (Office of Foreign Assets Control), erklärte gegenüber RFE/RL, dass die Maßnahmen aufgrund der weltweiten Abhängigkeit der Luftfahrt von US-Technologie eine enorme Tragweite besitzen. Die Maßnahme des Finanzministeriums habe heute jede verbliebene iranische Fluggesellschaft sanktioniert und die Genehmigungen entzogen, die es ausländischen Fluggesellschaften erlaubten, Flugzeuge US-amerikanischer Herkunft in den Iran zu fliegen, so Bitsoff. Sie fügte hinzu, dass fast jedes Passagierflugzeug weltweit US-amerikanischen Ursprungs sei oder mit von den USA kontrollierten Triebwerken und Avionik fliege, sodass dies nahezu die gesamte globale Flotte erfasse.
Marktreaktionen und die Energiepreise im Wandel
Die Verschärfung der Sanktionen blieb auch am globalen Ölmarkt nicht ohne Folgen. Die Ölpreise verzeichneten zu Wochenbeginn einen deutlichen Dämpfer und beendeten damit eine sechstägige Gewinnserie. Der Frontmonat-Kontrakt für West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober gab um 2,4 Prozent nach und schloss bei 85,01 US-Dollar je Barrel. Auch die Nordseesorte Brent verlor 2,4 Prozent und beendete den Handel bei 92,17 US-Dollar je Barrel, wie Daten von FactSet belegen.

Hintergrund des Preisrückgangs sind neben den US-Maßnahmen auch drohende Gegenschritte aus Teheran. Mohsen Rezaei, der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, hatte am Sonntag über den Onlinedienst X erklärt, das Land werde im Falle einer Fortsetzung des wirtschaftlichen Drucks sämtliche Erdölexporte über die Straße von Hormus und den Persischen Golf stoppen und jede Beteiligung an den Sanktionen als Kriegshandlung werten.
Dennoch blicken Analysten optimistisch auf die Wirksamkeit des US-Drucks. Phil Flynn, leitender Marktanalyst bei der Price Futures Group, erklärte laut MarketWatch, dass die ökonomischen Risiken für Unternehmen und Staaten weltweit zu hoch seien, um sich den US-Vorgaben dauerhaft zu widersetzen. Auch Gregory Brew von der Eurasia Group betonte, dass die US-Regierung versuche, den Druck zu erhöhen, ohne dabei die wichtigsten Handelspartner des Irans – insbesondere China – unkalkulierbar zu verärgern oder iranische Gegenreaktionen zu provozieren.
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