Die Bank of England wird ihren Leitzins voraussichtlich unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Marktbeobachter rechnen mit einer Zinspause am Donnerstag, obwohl die britische Inflation im August auf 3,1 Prozent gestiegen ist. Damit setzt sich das britische Notenbank-Gremium von der US-Notenbank ab, die am Mittwoch eine Zinserhöhung beschlossen hatte.
Während die globalen Notenbanken ihren Kurs teils deutlich anziehen, schlägt die Bank of England einen eigenständigen Pfad ein. Die Mehrheit der Ökonomen geht davon aus, dass der geldpolitische Ausschuss (MPC) die Zinsen in dieser Woche unangetastet lässt. Dies wäre das sechste Mal in Folge, dass das Zinsniveau auf dem aktuellen Stand verharrt (wie Ökonomen für die kommende Sitzung am Donnerstag prognostizieren). Im Gegensatz dazu hat die US-Federal Reserve am Mittwochabend eine Zinserhöhung um einen viertel Prozentpunkt vorgenommen, ihren ersten Zinsschritt seit 2023. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte ihre Sätze im Juni und legte jüngst nach, während die Bank of Japan ebenfalls anstehende Zinsschritte vorbereitet.
Steigende Inflation und die Last hoher Energiepreise
Der Verzicht auf eine Zinserhöhung in London erfolgt trotz anziehender Teuerung. Neueste Daten der nationalen Statistikbehörde ONS zeigen, dass die Verbraucherpreisinflation (CPI) im August auf 3,1 Prozent kletterte, nach 2,9 Prozent im Juli. Haupttreiber für diesen Anstieg waren vor allem kräftig steigende Kraftstoffpreise, die im Jahresvergleich um 23 Prozent zulegten. Als Nettoenergieimporteur zeigt sich die britische Wirtschaft besonders anfällig für externe Schocks auf den Energiemärkten. Belastet durch geopolitische Konflikte und Nachwehen der Energiekrise kämpft das Land weiterhin mit den Nachwirkungen der Inflation. Höhere Energiekosten wirken sich allmählich auf Unternehmenspreise und Haushaltsausgaben aus.
Zudem treibt der nahöstliche Konflikt die globalen Energiepreise. Brent-Rohöl kletterte in dieser Woche über 107 US-Dollar je Barrel. Charlotte O’Leary, assoziierte Ökonomin am National Institute of Economic and Social Research (Niesr), betonte, dass der Ausschuss die jüngste Ölpreiswelle genau beobachtet. Dennoch rechnet das Institut vorerst mit einer Zinspause, da bislang nur begrenzte Hinweise auf Zweitrundeneffekte wie breitere Lohnforderungen vorliegen.
Politische Reaktionen und der Druck auf britische Staatsanleihen
Die wirtschaftliche Großwetterlage setzt auch Premierminister Andy Burnham unter Zugzwang. Angesichts steigender Inflation und der anstehenden Haushaltsvorlage am 28. Oktober betonte der Regierungschef, dass er zu harten Entscheidungen bereit sei, um den Haushalt auf Kurs zu halten (wie Reuters aus London berichtet). Die britischen Staatsfinanzen stehen stark im Fokus der Märkte. Die Kreditkosten der britischen Regierung erreichten in dieser Woche Höchststände, wobei die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen (Gilts) den höchsten Stand seit 1998 berührte.

Andy Burnham, der britische Premierminister, betonte, man werde schwierige Entscheidungen treffen, um sicherzustellen, dass die Wirtschaft auf Kurs bleibt.
Kritiker aus dem wirtschaftspolitischen Umfeld warnen vor den Risiken einer expansiven Fiskalpolitik. So äußerte sich der ehemalige Notenbankbeamte Andy Haldane besorgt darüber, dass die Märkte eine traditionelle Erhöhung der Staatsausgaben befürchten. Burnham wies diese Charakterisierung jedoch scharf zurück und bekräftigte den Reform- und Sparwillen seiner Regierung.
Ausblick auf den Zinspfad und den anstehenden Energiepreisanstieg
Ob die Bank of England ihren Leitzins von 3,75 Prozent lange halten kann, ist unter Experten umstritten. Die Energiepreisobergrenze von Ofgem wird im Oktober steigen und den durchschnittlichen Haushalt mit höheren Kosten belasten. Thomas Pugh, Chefökonom bei RSM UK, geht davon aus, dass die Inflationsrate im August erst den Auftakt zu einem neuen Aufwärtstrend darstellt.

Thomas Pugh, Chefökonom bei RSM UK, erklärte, der Anstieg der Inflation im August sei erst der Anfang eines neuen Aufwärtstrends, da höhere Preise für Energie, Lebensmittel und Speicherchips sich weiterhin ihren Weg durch die Lieferketten bahnen.
Pugh prognostiziert, dass die Inflation Anfang 2027 einen Höchststand von knapp vier Prozent erreichen könnte, bevor sie sich mittelfristig wieder dem Zielwert nähert. Sollten sich die Preissteigerungen weiter beschleunigen, dürfte der geldpolitische Ausschuss der Notenbank gezwungen sein, seine avisierten Zinspausen zu überdenken und im Spätjahr mit eigenen Zinsschritten nachzuziehen.