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Technik und Wissenschaft

Innenministerium schwächt US-Artenschutzgesetz ab

Die US-Regierung hat umfassende Neuregelungen des Endangered Species Act finalisiert. Die vom Innenministerium unter Doug Burgum angekündigten Änderungen schwächen den Schutz gefährdeter Arten und kritischer Habitate ab. Während die Behörden wirtschaftliche Entlastung anführen, warnen Umweltschützer vor drastischen Folgen für die Biodiversität.

Änderungen bei Schutzstatus und kritischen Habitaten

Das U.S. Fish and Wildlife Service hat nach Angaben des Innenministeriums grundlegende Überarbeitungen der Vorschriften zum Artenschutz vorgenommen. Im Zentrum stehen dabei zwei wesentliche Paragrafen des Endangered Species Act. Die Behörde schafft die im letzten Jahr eingeführte pauschale Regelung für als bedrohte eingestufte Tier- und Pflanzenarten ab. Bislang galt für bedrohte Spezies standardmäßig derselbe strenge Schutz wie für vom Aussterben bedrohte Arten, sofern keine spezifische Ausnahme vorlag. Künftig soll für jede Art eine maßgeschneiderte Regelung erarbeitet werden.

Zudem wurde der Prozess zur Ausweisung kritischer Habitate reformiert. Laut den veröffentlichten Dokumenten müssen bei künftigen Entscheidungen wirtschaftliche und sicherheitspolitische Faktoren berücksichtigt werden. Bereiche können demnach von Schutzmaßnahmen ausgenommen werden, wenn dies nicht das unmittelbare Aussterben der jeweiligen Art zur Folge hat. Die zuständigen Behörden betonen, dass durch diesen datengestützten Ansatz ein flexiblerer und partnerschaftlicherer Umgang mit den Bürgern erreicht werden soll.

In the 21st century, the Service will embrace a data-driven approach to tailor regulatory protections for America’s precious natural resources while recognizing the importance of the American people’s ability to prosper in the land of the free, Service director Brian Nesvik

Rechtlicher Hintergrund und das Ende der Chevron-Deference

Die aktuellen Reformen der Regierung knüpfen an eine Reihe rechtlicher Entwicklungen der vergangenen Jahre an. Im Jahr 1973 wurde der Endangered Species Act unter Präsident Richard Nixon als zentrales Instrument des US-Naturschutzes verabschiedet. Das Gesetz untersagt jede ungesetzliche Beeinträchtigung geschützter Arten, wobei der Begriff der Schädigung im Laufe der Zeit durch die Behörden auf signifikante Habitatveränderungen ausgeweitet wurde.

Eine entscheidende Wende markierte das Jahr 2024, als der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in den Verfahren Loper Bright Enterprises v. Raimondo und Relentless Inc. v. Department of Commerce die sogenannte Chevron-Doktrin kippte. Damit verloren Bundesbehörden den Automatismus, bei unklaren gesetzlichen Bestimmungen die alleinige Definitionsmacht zu besitzen. Diese richterliche Entscheidung schuf den juristischen Boden für die jetzige Überarbeitung von Regulierungsdefinitionen durch das Innenministerium.

Scharfe Kritik von Umweltverbänden und Verbänden

Die Ankündigung stieß bei Umweltschutzorganisationen auf heftigen Widerstand. Innerhalb von weniger als 24 Stunden nach Bekanntgabe gingen über 4.000 öffentliche Kommentare ein. Kritiker werfen der Regierung vor, die Interessen der fossilen Brennstoffindustrie und der Wirtschaft über den Schutz der Natur zu stellen.

Innenministerium schwächt US-Artenschutzgesetz ab
Photo: earth.org

“There’s just no way to protect animals and plants from extinction without protecting the places they live, yet the Trump administration is opening the flood gates to immeasurable habitat destruction.”

Noah Greenwald, Center for Biological Diversity

Befürworter der Reformen halten dagegen, dass die bisherige Verwaltungspraxis wirtschaftliche Projekte blockiert und zu hohen Kosten für Familien geführt habe. Innenminister Doug Burgum erklärte dazu, dass der Erfolg des Artenschutzes an der tatsächlichen Erholung und Streichung von Arten von der Liste gemessen werden müsse und nicht an der stetigen Vergrößerung des Verzeichnisses.

Innenministerium schwächt US-Artenschutzgesetz ab
Photo: doi.gov

“We are following the original intent of the law, looking at the facts on the ground and listening to local voices when making decisions under the Endangered Species Act.”

Doug Burgum, Secretary of the Interior

Während Befürworter eine Stärkung der amerikanischen Energieunabhängigkeit und mehr regulatorische Klarheit erwarten, sehen Artenschützer akute Gefahren für bedrohte Bestände. Ob die geplanten Änderungen in den kommenden juristischen Auseinandersetzungen Bestand haben werden, hängt maßgeblich von den Klagen ab, die von Umweltverbänden gegen die neuen Verordnungen vorbereitet werden.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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