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Technik und Wissenschaft

Nepal fordert Klimakompensationen von China, Indien und den USA

Nach einer verheerenden Sturzflut mit mehr als 1.100 Toten fordert Nepal Klimakompensationen von den weltweiten Hauptverursachern China, Indien und den USA. Außenminister Shisir Khanal betonte, das Land trage keine historische Schuld an der Krise und müsse nun von humanitärer Hilfe auf rechtliche und moralische Verantwortung umschwenken.

Die Bilanz der Naturkatastrophe vom 26. September 2026 im Himalaya ist erschütternd. Nach Angaben der nepalesischen Polizei ist die Zahl der Todesopfer auf 1.127 gestiegen. Von den bisher geborgenen Leichen hätten bis zum Mittwochmorgen lediglich 95 an betroffene Familien übergeben werden können, teilte die nepalesische Polizei mit. China hatte zuletzt von 16 Opfern auf der tibetischen Seite berichtet. Während die Bergungskräfte in den Trümmern weiter nach Vermissten suchen, deren Zahl mit mehr als 4.600 beziffert wird, treibt die Regierung in Kathmandu einen radikalen Kurswechsel voran. Statt wie in der Vergangenheit auf reine Hilfspakete zu vertrauen, verlangt das südasiatische Land finanzielle Wiedergutmachung von den globalen Spitzenreitern beim Ausstoß von Treibhausgasen wie China, Indien und den Vereinigten Staaten.

Himalaya-Tsunami: Das verheerende Ausmaß der Sturzflut

Ausgelöst wurde die Katastrophe am 26. August durch den Abbruch grosser Mengen an Gletschereis und Felsgestein im Himalaya an der Nordwand des Langtang Lirung auf rund 17.000 Fuß Höhe, was eine Kaskade in Gang setzte, die eine tsunamiartige Flut aus Wasser- und Gesteinsschlamm den Bhote Koshi River an der nepalesisch-tibetischen Grenze und weiter den stark bevölkerten Trishuli River in den Hügeln Zentralnepals hinabschickte. Eine gewaltige Schlamm- und Wassermassenwelle raste daraufhin das Flussbett sowie den stark besiedelten Trishuli-Fluss hinab und verwüstete alles auf ihrem Weg; Straßen wurden weggeschwemmt und Häuser fortgespült.

This was not a standard flood. With wave heights reaching 20 to 30 metres and speeds clocked at 180 kilometres per hour, this was a disaster of tornado-like velocity — what many are rightly calling a “Himalayan Tsunami”.

‘Crisis we didn’t create’: Why Nepal is demanding compensation from India, China, US after flash floods
Photo: firstpost.com

Shisir Khanal, Außenminister von Nepal, gegenüber der Kathmandu Post

Eine Woche nach der Tragödie hat die Todesopferzahl die grimme Marke von 1.000 überschritten, und etwa 4.000 beziehungsweise nach späteren Angaben mehr als 4.600 Menschen blieben vermisst, darunter 583 ausländische Staatsangehörige. Der Grossteil der Leichen konnte bisher nicht identifiziert werden, da oft nur Knochenfragmente oder andere Leichenteile geborgen werden, wobei jedoch alle geborgenen sterblichen Überreste per DNA-Analyse identifiziert werden könnten, was den Familien möglicherweise später bei ihren Bestattungsriten hilft. Die wirtschaftlichen Schäden sprengen die nationalen Bewältigungskapazitäten bei Weitem. Kathmandu hat die Kosten für den Wiederaufbau auf einen Schlag von 5 Milliarden US-Dollar veranschlagt, was fast einem Zehntel der Wirtschaft des Landes entspricht.

Diplomatischer Kurswechsel: Von humanitärer Hilfe zu rechtlicher Verantwortung

Vor diesem Hintergrund verändern die Verantwortlichen in Kathmandu den Tonfall bei der Aufarbeitung der Sturzflut und fordern nun Klimakompensationen von Indien, China und den USA. Außenminister Shisir Khanal begründete den neuen diplomatischen Ansatz im Fernsehsender Kantipur TV unmissverständlich damit, dass die Regierung ihren Ton ändert und statt nur um Hilfe bei Rettungsarbeiten und Wiederaufbau zu bitten, jetzt Entschädigungen fordert.

Nepal fordert Klimakompensationen von China, Indien und den USA
Photo: sueddeutsche.de

Shisir Khanal, Außenminister von Nepal

Nepals Treibhausgas-Emissionen kann man praktisch vernachlässigen, während das Land die ultimative Rechnung für eine globale Krise bezahlt, die es nicht geschaffen hat, und die rasche Schmelze der Gletscher sowie diese katastrophalen Bergt-Tsunamis direkte Folgen des globalen Klimawandels sind. Der Außenminister führte aus, dass Nepal seine diplomatische Herangehensweise von der Suche nach „Hilfe“ auf die Forderung nach „Gerechtigkeit und Entschädigung“ umstellt, da dies keine Frage der Wohltätigkeit, sondern der rechtlichen und moralischen Haftung sei. Wie die Nachrichtenagentur PTI berichtete, identifizierte der Außenminister die drei größten Treibhausgasemittenten der Welt und erklärte, sie hätten eine historische Verantwortung, gefährdete Nationen wie Nepal zu entschädigen, da es sich um eine Frage des zivilisatorischen Überlebens handle. Wenn die Himalaya-Gletscher verschwinden, wird die Wassersicherheit von über zwei Milliarden Menschen in Südasien, die von Flüssen wie dem Ganges und dem Trishuli abhängig sind, dauerhaft beeinträchtigt, weshalb nicht nur für Nepal, sondern für das Überleben der südasiatischen Zivilisation plädiert wird.””

Nach Sturzflut im Himalaya: Schlamm und Regenfälle erschweren Rettungseinsätze

Um diese Forderungen zu untermauern, haben das nepalesische Finanzministerium und das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft einen gemeinsamen Antrag beim internationalen Loss-and-Damage-Fonds (FRLD) gestellt; ein Brief wurde gemeinsam von Finanzminister Swarnim Wagle und Forst- und Landwirtschaftsministerin Geeta Chaudhary unterzeichnet, um dringende finanzielle Unterstützung zu suchen. Zumindest einen Teil der 20 Millionen Dollar dürften die Nepalesen sogar bekommen, da der FRLD bereits auf die Katastrophe mit einer Stellungnahme reagiert hat, aber die Schäden übersteigen diese Summe bei Weitem. Der Hilfsfonds hat ein Finanzierungsproblem, da bislang mehr als 820 Millionen US-Dollar von Industrieländern wie Deutschland, Japan oder Kanada zugesagt wurden, derzeit aber nur 342 Millionen Dollar zur Verfügung stehen, während 119 Entwicklungsländer insgesamt rund 2,8 Milliarden Dollar beantragt haben.

Warnung vor Seuchengefahr

Unterdessen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Seuchengefahr in den betroffenen Gebieten gewarnt, da viele Vertriebene auf engem Raum, Überschwemmungen und stehendes Wasser das Risiko erhöhten, dass sich ansteckende Krankheiten ausbreiten.

Nepal fordert Klimakompensationen von China, Indien und den USA
Photo: Spiegel
Nepal war die Warnung. Was China in Tibet baut, ist eine reale Bedrohung für Indien | Die Verbindung
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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