Die Tour Eiffel in Paris hat am Dienstag, den 8. September 2026, nach einem eintägigen Streik des Personals wieder geöffnet. Hintergrund der Arbeitsniederlegung waren Proteste gegen die Diskriminierung weiblicher Beschäftigter, die während des Besuchs einer hindugeweihten konservativen Delegation vom Dienst abgezogen worden waren.
Streik und Wiedereröffnung am Dienstagmorgen
Nach Angaben der Betreibergesellschaft SETE konnten Besucher am Dienstagmorgen kurz vor 9:30 Uhr wieder die Sicherheitskontrollen am Fuß des weltbekannten Pariser Wahrzeichens passieren. Der 137 Jahre alte Turm, der jährlich rund sieben Millionen Menschen anzieht, hatte am Vortag wegen eines Ausstands des Personals geschlossen bleiben müssen. Die Beschäftigten hatten mit dem Streik auf Anweisungen reagiert, die während eines Besuchs am vorangegangenen Samstag erteilt worden waren.
Diane Davoine von der Gewerkschaft CGT erklärte, der Ärger unter der Belegschaft sei rasch gewachsen, nachdem das Management den Angestellten mitgeteilt hatte, weibliche Mitarbeiter sollten während des Besuchs einer Gruppe der religiösen Bewegung BAPS keinen Kontakt haben.
Vorwürfe der Belegschaft und Reaktionen der Betreiber
In einer gemeinsamen Erklärung, die über die Gewerkschaft CGT verbreitet wurde, prangerte das Personal professionelle Anweisungen an, die dazu geführt haben, dass weibliche Beschäftigte aufgrund ihres Geschlechts beiseitegeschoben, ersetzt und unsichtbar gemacht wurden.
Betroffene Mitarbeiterinnen berichteten, sie seien aufgefordert worden, ihre Arbeitsplätze zu verlassen und sich in internen Räumen aufzuhalten. An einigen Positionen wurden sie durch männliche Kollegen ersetzt, während anderen untersagt wurde, bestimmte Bereiche während der Anwesenheit der Delegation zu betreten. Die Beschäftigten zeigten sich tief bestürzt über diese Vorgänge.
Diese Bedingungen hätten nicht akzeptiert werden dürfen. Unternehmensleitung der SETE, über Al Jazeera
Auch Ariel Weil, der sozialistische Bürgermeister von Paris Centre und Präsident der SETE, bezeichnete die Vorgänge als inakzeptabel und bekräftigte das Bekenntnis der Einrichtung zu den Werten der Gleichberechtigung.
Entschuldigung der BAPS-Bewegung und Einordnung des Tempelbaus
Die hinduistische Organisation Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha (BAPS) wies den Vorwurf zurück, Personen den Zugang verwehrt zu haben, räumte jedoch Unstimmigkeiten ein. Die Gruppe hatte im Vorfeld der Feierlichkeiten zur Eröffnung eines traditionellen Steintempels im Pariser Raum den Turm besichtigt.

Wir verstehen die geäußerten Bedenken und nehmen sie sehr ernst. Angesichts der Größe unserer Delegation wurde der Besuch in Abstimmung mit dem Team der Tour Eiffel zu Beginn der normalen Öffnungszeiten organisiert, um Unannehmlichkeiten für andere Besucher zu minimieren. Vertreter der BAPS-Bewegung, über Al Jazeera
Nach unserem Wissen wurde zu keinem Zeitpunkt jemandem der Zutritt zur Tour Eiffel verweigert. Dennoch entschuldigen wir uns aufrichtig bei allen Personen, die durch diese Situation verletzt oder gestört worden sein könnten. BAPS Paris, via X und Al Jazeera
Die Organisation steht nach Berichten französischer Medien dem indischen Premierminister Narendra Modi nahe und gilt in Teilen der Diaspora als hindu-nationalistisch geprägt. Die Einweihung des neuen Tempels in Bussy-Saint-Georges am vergangenen Sonntag wurde von Teilen der indischen Gemeinschaft in Frankreich kritisch gesehen.
Politische Revaluation und angekündigte Untersuchungen
Der Vorfall löste im politischen Paris scharfe Reaktionen aus. Der sozialistische Vizebürgermeister Emmanuel Grégoire kündigte umgehend eine behördliche Untersuchung an, um die Verantwortung für die getroffenen Anweisungen lückenlos aufzuklären. Auch führende Regierungsvertreter und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schalteten sich ein.
Die französische Ministerin für Gleichberechtigung Aurore Bergé betonte über den Kurznachrichtendienst X, dass kein Dogma und keine Religion über den Gesetzen der Republik stehen. Die Präsidentin der Nationalversammlung, Yael Braun-Pivet, sowie Politiker wie Marine Le Pen und Gabriel Attal unterstrichen einhellig, dass Frauen im öffentlichen Leben Frankreichs uneingeschränkt präsent bleiben müssen.
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