Wissenschaftler der Charité Berlin haben erstmals sechs Patienten mit schwerer, therapieresistenter rheumatoider Arthritis mit CD19-CAR-T-Zellen behandelt. Die in Nature Medicine veröffentlichte COMPARE-Studie zeigt eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität bei allen Teilnehmern, wobei drei Betroffene nach einem Jahr Nachbeobachtung ohne Medikamente in Remission blieben.
Der Behandlungsansatz der COMPARE-Studie an der Charité Berlin
Immuntherapien, die ursprünglich zur Krebstherapie entwickelt wurden, rücken zunehmend in den Fokus der Rheumatologie. Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben diesen Ansatz in einer klinischen Studie bei besonders schwerem, therapieresistentem Rheuma getestet.
Bei rheumatoider Arthritis greift das Immunsystem fälschlicherweise die Gelenke an, was zu chronischen Entzündungen, Schwellungen und Gewebeschäden führt. Herkömmliche Medikamente können die Entzündung zwar oft dämpfen, die Erkrankung jedoch selten heilen. Dies macht für viele Patienten eine dauerhafte Unterdrückung des Immunsystems erforderlich.
Gezielte B-Zell-Depletion durch genetisch veränderte Immunzellen
Im Zentrum des therapeutischen Konzepts stehen krankheitsverursachende B-Zellen, die nach Infektionen in Lymphknoten, Knochenmark oder Gelenkgewebe überleben können. Diese Zellen produzieren jene Autoantikörper, welche die Entzündungen in den Gelenken wiederkehrend anheizen.
Um diese Zellen zu eliminieren, machten sich die Mediziner ein charakteristisches Oberflächenmerkmal zunutze. Das Molekül CD19 dient dabei als molekulares Namensschild auf abnormalen B-Zellen bei Blutkrebs ebenso wie auf den entzündungsfördernden B-Zellen bei Rheuma.
„The identifying marker on many B cells, both abnormal B cells in cancers of the blood or lymphatic system and disease-driving B cells in rheumatoid arthritis, is the surface molecule CD19. You could think of it as a kind of ’name tag‘,“ explains David Simon. „To enable CAR T cells to detect and eliminate the disease-causing cells, we equip patients‘ own immune cells with a receptor that acts like a search sensor for CD19.“
Prof. David Simon, Charité Berlin, via ScienceDaily
Ergebnisse der COMPARE-Studie und klinische Remissionsraten
Die Herstellung der CAR-T-Zellen erfordert die Entnahme patienteneigener T-Zellen aus dem Blut, welche im Labor genetisch so modifiziert werden, dass sie einen chimären Antigenrezeptor (CAR) zur Erkennung von CD19 tragen. Vor der Infusion dieser modifizierten Zellen erhalten die Patienten eine kurze vorbereitende Chemotherapie, um das Immunsystem temporär herunterzufahren und den CAR-T-Zellen Platz zur Vermehrung zu geben.

Die COMPARE-Studie lieferte präzise Daten zur klinischen Wirksamkeit. Bei 67 Prozent der Studienteilnehmer verringerten sich die geschwollenen Gelenke um mindestens die Hälfte, während insgesamt 83 Prozent eine klinische Besserung erfuhren. Nach zwölf Monaten Nachbeobachtung befanden sich drei der sechs Patienten in anhaltender Remission – und das gänzlich ohne die Einnahme weiterer Rheumamedikamente.
Risiken, Nebenwirkungen und der internationale Ausblick
Trotz der vielversprechenden Resultate ist das Verfahren mit bekannten Risiken behaftet. Als Nebenwirkungen traten ein Zytokinfreisetzungssyndrom sowie eine vorübergehende B-Zell-Depletion auf, Effekte, die aus der onkologischen CAR-T-Therapie vertraut sind.

Parallel dazu laufen internationale Studien an. In Italien startete im Dezember 2025 im Rahmen der Catarsis-Studie die erste CAR-T-Behandlung bei systemischer Sklerodermie mit acht erwachsenen Patienten, während in Minden ein weltweit neuer, antikörperbasierter Ansatz eines US-Herstellers erprobt wird.