Die Verheerungen nach den heftigen Regenfällen und Flutwellen entlang der Flusssysteme im Grenzgebiet von Nepal und China haben verheerende Ausmaße angenommen. Bis zum 30. Weitere Tote wurden in chinesisch kontrollierten Gebieten gemeldet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Die Zahl der Vermissten geht derweil in die Tausende, was Rettungskräfte vor extreme Herausforderungen stellt.
Katastrophenbilanz und Rettungseinsätze an der Bhote Koshi
Unter den Vermissten befinden sich nach Angaben des US-Außenministeriums auch mindestens 85 US-Bürger, wie der Sprecher des State Department, Tommy Pigott, in einem Interview mit ABC News bestätigte. Premierminister Balen Shah erklärte die Regierung des Landes in diesem Zusammenhang für in höchster Alarmbereitschaft befindlich. Insgesamt wurden nach Angaben von Behörden mehr als 7.500 Menschen über Luft- und Bodenoperationen evakuiert, darunter 279 Arbeiter, die in den unter Schlamm begraben Wasserkraftanlagen eingeschlossen waren. Die Regierung setzte dafür knapp 19.000 Einsatzkräfte von Armee und Polizei sowie 16 Hubschrauber ein, die Hunderte von Rettungsmissionen flogen.
Kritik an US- und Australien-Hilfen im internationalen Vergleich
Während die internationale Gemeinschaft reagierte, entbrannte vor allem in den westlichen Geberländern eine intensive Debatte über die Angemessenheit der finanziellen Unterstützung. Das US-Außenministerium stockte seine anfänglich auf 500.000 US-Dollar angesetzte Soforthilfe nach anhaltender Kritik auf insgesamt 3,6 Millionen US-Dollar auf. Diese Summe ist nach offiziellen Angaben für die Bereitstellung von Nahrungsmitteln für 10.000 betroffene Familien für bis zu drei Monate sowie für Hilfsgüter wie Decken und Unterkünfte bestimmt. Dennoch äußerten Hilfsexperten scharfe Kritik. Mark Ward, ein ehemaliger Leiter des Katastrophenhilfeteams von USAID, bezeichnete den Betrag laut Berichten von The Guardian als peinlich für die Vereinigten Staaten und als Affront gegenüber Nepal. Auch George Ingram von der Brookings Institution kritisierte das Vorgehen als unzureichend angesichts des enormen Ausmaßes der Krise.

Ähnliche Empörung löste die australische Regierung aus, die eine Unterstützung von lediglich 5 Millionen australischen Dollar zusagte, aufgeteilt in 3 Millionen für die Notfallversorgung und 2 Millionen für Nahrungsmittelhilfen. Wie das Portal wsws.org darlegt, steht diese Summe in krassem Missverhältnis zu den Rüstungsausgaben des Landes, die sich auf jährlich 60 Milliarden US-Dollar belaufen, sowie zu den durchschnittlichen Immobilienpreisen in Sydney. Kritiker hoben zudem hervor, dass Australien laut OECD-Daten im Jahr 2024 lediglich 0,19 Prozent seines Bruttonationaleinkommens für offizielle Entwicklungshilfe aufgewendet hat.
Internationale Hilfseinsätze und regionale Unterstützung vor Ort
Im direkten Vergleich zur westlichen Finanzhilfe hoben nepalesische Regierungsvertreter das Engagement der Nachbarstaaten hervor. Indiens Finanzminister Swarnim Wagle bewertete die Entsendung von 57,6 Tonnen humanitärer Hilfsgüter sowie eines elfköpfigen Expertenteams als außerordentlich großzügig, während Chinas Außenminister Wang Yi ebenfalls ein Sonderhilfspaket ankündigte. Spezialisierte Teams aus beiden Ländern unterstützen die lokalen Behörden direkt vor Ort bei den Bergungsarbeiten und der Instandsetzung der zerstörten Infrastruktur.
Zu den Rettungserfolgen zählte die Bergung eines sechsjährigen Jungen im Gebiet Timure, der nach drei Tagen lebend aus den Schlammmassen gerettet und nach einer Erstversorgung per Hubschrauber nach Kathmandu geflogen werden konnte. Organisationen wie die FIRC, UNICEF und World Central Kitchen haben ebenfalls Notrufe und Hilfsprogramme gestartet, um die Versorgung der betroffenen Bevölkerung in den Distrikten Rasuwa und Nuwakot zu koordinieren, wie das Portal abc7news.com berichtet.
Drohende Folgeschäden und offene Fragen
Die Lage vor Ort bleibt hochgradig angespannt.