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Gesundheit

Nature Medicine: Zoster-Impfstoff zeigt potenziellen Nutzen für Herzgesundheit

Eine in Nature Medicine veröffentlichte Auswertung von Gesundheitsdaten aus den USA mit Hunderttausenden Patienten zeigt einen möglichen Zusammenhang zwischen dem rekombinanten Zoster-Impfstoff und einer geringeren Gesamtlast kardiovaskulärer Erkrankungen. Forscher nutzten dafür einen schnellen Impfstoffwechsel als natürliches Experiment, um langfristige Effekte auf die Herzgesundheit zu analysieren.

Gesundheitsdaten aus dem TriNetX-Netzwerk als Forschungsgrundlage

Der rasche Wechsel zwischen zwei verschiedenen Zoster-Impfstoffen in den Vereinigten Staaten hat Forschern ein seltenes natürliches Experiment geliefert. Grundlage der Untersuchung sind elektronische Gesundheitsdaten aus dem TriNetX US Collaborative Network, das nach Angaben der Studie Aufzeichnungen für über 100 Millionen Personen aus etwa 60 Gesundheitsorganisationen zusammenführt. Um den potenziellen Einfluss auf die Herzgesundheit zu untersuchen, bildeten Wissenschaftler zwei Gruppen von jeweils 36.460 Erwachsenen und glichen diese über ein Propensity-Score-Matching an, um Unterschiede in messbaren Ausgangsmerkmalen auszugleichen.

Die Nachbeobachtungszeiträume erstreckten sich über bis zu sieben Jahre nach der Impfung. Als zusammengesetzten Endpunkt für Herz-Kreislauf-Erkrankungen definierten die Forscher Diagnosen wie ischämischen Schlaganfall, ischämische Herzkrankheit sowie Herzinsuffizienz. Die Auswahl der Diagnosen erfolgte über ICD-10-CM-Codes, während Laborwerte mit LOINC identifiziert wurden; Prozeduren wurden über ICD-10-PCS- und CPT-Codes verknüpft. Der Kern der Impfstoffwechsel-Logik liegt im Zeitfenster: Für die Gruppe mit überwiegend lebend abgeschwächter Impfung nutzten die Forschenden eine Periode von April 1 bis September 30, 2017, also die sechs Monate vor dem Wechsel hin zum rekombinanten Impfstoff. Danach bildeten sie eine zweite Kohorte, die ein Jahr später in einem vergleichbaren Zeitraum geimpft wurde, in dem der rekombinante Impfstoff überwog. In den jeweiligen Zeiträumen erhielten 98,6% den lebend abgeschwächten Impfstoff bzw. 93,5% den rekombinanten Impfstoff. Zusätzliche Ausschlusskriterien sollten Einflussfaktoren reduzieren: Niemand durfte zum Zeitpunkt der ersten Zoster-Impfung immunologische Defizite oder hämatologische Malignome aufweisen, und im Jahr davor sollten keine Immunosuppressiva, Kortikosteroide, Chemotherapie oder Radiotherapie dokumentiert sein.

Rückgang kardiovaskulärer Ereignisse nach Impfstoffwechsel

Die Auswertung der Kohorten zeigt ein klares Muster – allerdings mit zeitlicher Abschwächung. Die Kohorte, die überwiegend den rekombinanten Impfstoff erhielt, war mit 9,0% geringerer Gesamt-CVD-Last über den siebenjährigen Verlauf assoziiert, wobei der Zusammenhang über die Zeit schwächer wurde. Bei geschlechtsspezifischer Betrachtung fiel die relative Reduktion bei Herzinsuffizienz und ischämischer Herzkrankheit über beide Geschlechter hinweg vergleichbar aus (12% bzw. 10%).

Beim ischämischen Schlaganfall war die Gesamtwirkung jedoch nicht signifikant, Männer zeigten aber eine um 12% geringere CVD-Last. Auch für Vorhofflimmern fanden die Autorinnen und Autoren eine Reduktion von 7,0%.

Einordnung durch die US-Zulassung und gesundheitliche Bedeutung

Zoster-Impfstoffe sollen in erster Linie ältere Menschen vor der Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus schützen – ein potenzieller Zusatznutzen für Herz-Kreislauf-Risiken würde die Nutzenabwägung weiter verschieben. Zoster Vaccine Recombinant, Adjuvanted (Shingrix, GlaxoSmithKline [GSK]) ist eine 2-Dose (0,5 mL jeweils) Subunit-Impfung, die rekombinantes Glykoprotein E in Kombination mit einem Adjuvans (AS01B) enthält. Sie wurde in den Vereinigten Staaten für die Prävention von Herpes zoster bei Erwachsenen ab 50 Jahren von der Food and Drug Administration (FDA) lizenziert und 2017 vom Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) für immunkompetente Erwachsene ab 50 Jahren empfohlen.

Am 23. Juli 2021 expandierte die FDA die Indikation für den rekombinanten Zoster-Impfstoff (RZV), um Erwachsene ab 18 Jahren einzuschließen, die aufgrund bekannter Erkrankungen oder Therapien ein erhöhtes Risiko für Herpes zoster aufweisen oder aufweisen werden. Am 20. Oktober 2021 empfahl das ACIP zwei Dosen RZV zur Prävention von Herpes zoster und damit verbundenen Komplikationen bei immundefizienten oder immunsupprimierten Erwachsenen ab 19 Jahren. RZV ist der erste Herpes-Zoster-Impfstoff, der für die Anwendung bei immungeschwächten Personen zugelassen ist. Mit mäßiger bis hoher Impfwirksamkeit und einem akzeptablen Sicherheitsprofil hat RZV das Potenzial, eine beträchtliche Inzidenz von Herpes zoster und damit verbundene Komplikationen zu verhindern.

Shingles Prevention Awareness Campaign | Recombinant Zoster Vaccine Case Study

Herpes zoster ist eine schmerzhafte, kutaner Eruption, die gewöhnlich ein bis drei benachbarte Dermatome betrifft und aus der Reaktivierung des latenten Varizella-Zoster-Virus resultiert. Die Inzidenz von Herpes zoster und damit verbundenen Komplikationen, einschließlich der häufigsten Komplikation der Post-Zoster-Neuralgie, nimmt mit dem Alter zu. Weil Immunsuppression und Immundefizienz Kontraindikationen für den zuvor verfügbaren lebend abgeschwächten Zoster-Impfstoff waren und RZV ursprünglich für immunkompetente Erwachsene ab 50 Jahren empfohlen wurde, gab es einen ungedeckten Bedarf an Impfungen gegen Herpes zoster bei immungeschwächten Erwachsenen. Während Dezember 2017 bis Oktober 2021 nahm die ACIP Herpes Zoster Work Group an monatlichen oder bimonatlichen Telefonkonferenzen teil, um die Epidemiologie von Herpes zoster sowie Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von RZV bei immungeschwächten Erwachsenen zu überprüfen.

Wissenschaftliche Einschätzung im Rahmen der Publikation, via IT Boltwise und cdc.gov

Die Ergebnisse legen Mechanismen wie anhaltende Immun- und Endothelveränderungen nahe, erklären aber zugleich, warum der Zusammenhang später schwächer werden kann.

Nature Medicine: Zoster-Impfstoff zeigt potenziellen Nutzen für Herzgesundheit
Photo: cdc.gov
A Discussion About the Safety of Recombinant Zoster Vaccine in Rheumatology Patients
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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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