Audi hat mit dem Nuvolari einen 1.001 PS starken High-Performance-Hybrid-Supersportwagen vorgestellt, der auf Formel-1-Technologie und der Technik des Lamborghini Temerario basiert. Das auf 499 Exemplare limitierte Modell kostet ab 590.000 Euro und soll in der ersten Jahreshälfte 2027 ausgeliefert werden.
Die Vier-Ringe-Marke aus Ingolstadt hat auf der Côte d’Azur vor dem Grand Prix von Monaco ein technisches Ausrufezeichen gesetzt im herrschaftlichen Rahmen des Hotel du Cap-Eden-Roc in Antibes. Mit einer Systemleistung von 1.001 PS drängt der Audi Nuvolari in Leistungsregionen vor, die bisher exklusiven Kleinstserienherstellern oder reinen Rennwagen vorbehalten schienen. Das Fahrzeug markiert den stärksten und schnellsten Seriensportwagen, der jemals die Produktionshallen in Ingolstadt verlassen hat.
Technische Kehrtwende und High-Performance-Hybrid
Die Entscheidung für diesen Supersportwagen spiegelt eine merkliche strategische Flexibilität wider. Noch im Jahr 2021 hatte der Konzern angekündigt, ab 2026 ausschließlich vollelektrische Neuentwicklungen auf den Markt zu bringen. Angesichts veränderter Marktbedingungen und einer stockenden Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen setzt der Nuvolari jedoch auf ein komplexes Hybridsystem, das den Verbrennungsmotor ins Zentrum rückt.
Der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Gernot Döllner, betonte bei der Präsentation, dass das Modell den technologischen Aufbruch der Marke beschleunige und den Fokus wieder auf Leistung sowie Teamarbeit richte. Der Entwicklungsvorstand Rouven Mohr verwies zudem darauf, dass das Engagement in der Formel 1 den entscheidenden Impuls liefere, um bahnbrechende Innovationen zügig in die Serienfertigung einfließen zu lassen.
V8-Biturbo, drei Elektromotoren und 1.001 PS Systemleistung
Bei der Entwicklung des Antriebsstrangs bediente sich Audi bei der Konzernschwester Lamborghini und schärfte den Temerario zu einem eigenständigen Exoten. Während der Lamborghini 920 PS leistet, schraubt Audi die Leistung des vier Liter großen V8-Biturbomotors auf 800 PS. Ergänzt wird das Aggregat durch drei Elektromotoren mit jeweils 150 PS – zwei an der Vorderachse für den Allradantrieb und einer im Getriebe.
Die Energie für die Elektromotoren stammt aus einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 7,4 kWh, die im Kardantunnel untergebracht ist. Die rein elektrische Reichweite nach WLTP wird mit zehn Kilometern beziffert, wobei der Fokus weniger auf lokal emissionsfreiem Fahren als auf einer schnellen Energieversorgung und intensiver Rekuperation liegt. Dank dieser Kombination sprintet der 4,74 Meter lange und 1.740 Kilogramm schwere Sportwagen in 2,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 351 km/h.
Aerodynamik aus der Formel 1 und Praxistest in Laguna Seca
Das Exterieur des Nuvolari ist konsequent auf Abtrieb und Kühlung ausgelegt. Ein S-förmiger Lufteinlass an der Front reduziert den Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten, während ein ausfahrbarer Heckflügel als zentrales Element der aktiven Aerodynamik dient.

Laut Blick-Testbericht erfüllt jedes äußere Element eine klare aerodynamische Funktion, von der Frontsplitterlippe bis zum Heckdiffusor.
Bei Testfahrten auf der Rennstrecke von Laguna Seca in den USA zeigte sich die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs im Grenzbereich. Das Fahrwerk reguliert im Millisekunden-Takt Parameter wie Lenkwinkel, Tempo, Gierrate und Grip, um Drehmoment, Bremsen und Aerodynamik anzupassen. In den Fahrmodi Dynamic, Dynamic+ und Track stellt sich der Heckflügel steiler, während er auf Geraden per Knopfdruck zugunsten der Höchstgeschwindigkeit flach gestellt werden kann – ein System, das dem Drag-Reduction-System (DRS) aus der Formel 1 nachempfunden ist.
Namensgebung und Marktausblick für den limitierten Boliden
Der Name des Supersportwagens erinnert an Tazio Nuvolari, den italienischen Rennfahrer, der in den 1930er-Jahren als der fliegende Mantuaner
weltbekannt wurde und unter anderem für die Auto Union startete. Bereits 2003 hatte Audi diesen Namen für eine seriennahe Coupé-Studie verwendet.
Die Neuauflage ist weltweit auf exakt 499 Exemplare limitiert. Mit einem Stückpreis von 590.000 Euro positioniert sich das Modell preislich deutlich über seinem italienischen Schwestermodell. Dennoch zeigt sich die wirtschaftliche Bilanz der Kleinserie positiv: Trotz des hohen Preises sind im Prinzip bereits alle 499 Fahrzeuge verkauft, während die Auslieferungen im ersten Halbjahr 2027 anlaufen sollen.
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