Volkswagen-Chef Oliver Blume verteidigt angesichts massiver Markteinbrüche und sinkender Gewinne den geplanten Sparkurs des Autokonzerns. In einem am 24.
Finanzdruck und sinkende Margen als Auslöser für den Sparkurs
Der Automobilkonzern Volkswagen steht vor einer tiefgreifenden Restrukturierung, nachdem der Reingewinn im ersten Quartal 2026 um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro eingebrochen ist. Gleichzeitig sank der Umsatz um zwei Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Nach Angaben des Magazinberichts warnte Finanzvorstand Arno Antlitz deutlich, dass die bisher geplanten Einsparungen nicht ausreichen und ein Ausbleiben weiterer Schritte die Zukunft des Unternehmens gefährden würde.
Zusätzlich belasten externe Faktoren den Konzern massiv. US-amerikanische Zölle verursachen jährliche Kosten von etwa 4 Milliarden Euro, während im wichtigsten Einzelmarkt China die Verkaufszahlen im ersten Quartal um 20 Prozent zurückgingen. Dort gewinnen heimische Hersteller wie BYD zunehmend an Boden und drängen mittlerweile auch auf den europäischen Markt.
Berichte über zehntausende Stellenstreichungen und Werksschließungen
Internen Berichten zufolge plant das Management weitreichende Einschnitte. Konzernchef Oliver Blume soll dem Vorstand Pläne vorgelegt haben, die den weltweiten Personalbestand über die nächsten Jahre um bis zu 100.000 Stellen reduzieren könnten. Dies ginge weit über die bereits zuvor angekündigten 50.000 Arbeitsplatzabbauten in Deutschland bis zum Jahr 2030 hinaus. Darüber hinaus nennt der Bericht vier Standorte, deren Produktion im Zuge des Auslaufens aktueller Modellgenerationen schrittweise heruntergefahren werden könnte: die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie ein Audi-Werk in Neckarsulm.
Parallel dazu plant der Vorstand eine Kürzung der Investitionen um rund 15 Prozent auf knapp über 130 Milliarden Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. Auch organisatorische Veränderungen stehen im Raum, darunter die Trennung der Kernmarke VW von ihren Teilebetrieben.
Oliver Blume im Interview: Intelligente Lösungen vor Werksschließungen
Konzernchef Oliver Blume äußerte sich in einem Interview am 24. Juli 2026 zu den Herausforderungen und stellte klar, dass drastische Maßnahmen sorgfältig abgewogen werden.
„Ein Werk zu schließen, ist immer die letzte und auch die teuerste Lösung. Deshalb spreche ich immer gern von intelligenten Lösungen, die mit der Wettbewerbsfähigkeit beginnen, und da haben wir noch viele Möglichkeiten.“
Oliver Blume, Vorstandschef der Volkswagen AG, via tagesschau.de
Blume betonte im Gespräch, dass der Konzern bereits in den vergangenen Jahren jeweils zwei Millionen Fahrzeuge aus dem Netz genommen hat und nun eine weitere Million streichen muss – je 500.000 in China und Europa —, um Überkapazitäten abzubauen. Als Alternativen zu Schließungen nannte er Kooperationen mit industriellen Partnern sowie den Import von in China entwickelten Modellen in bisher unbesetzte europäische Segmente.
Konfrontation mit Arbeitnehmervertretern vor der Aufsichtsratssitzung
Die angekündigten Pläne kollidieren direkt mit einer im Jahr 2024 geschlossenen Vereinbarung mit den Gewerkschaften, die eigentlich betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen für dieses Jahrzehnt ausschließt. Während Volkswagen-Sprecher betonen, dass vertrauliche Dokumente nicht kommentiert und formelle Gremienbeschlüsse nicht vorweggenommen werden, zeigt sich die Brisanz der Situation im internen Ringen um die Ausgestaltung.

Einem Medienbericht zufolge vermeidet das zentrale Planungspapier bewusst eine konkrete Gesamtzahl beim Personalabbau, um Verhandlungsspielraum zu wahren. Die entscheidende Richtungsentscheidung steht am 9. Juli 2026 an, wenn Oliver Blume dem Aufsichtsrat seine Strategie unter dem Titel Group Target Picture
für das Jahr 2030 präsentiert. Dort treffen die weitreichenden Umbaupläne auf die starke Vertretung von Arbeitnehmern und Gewerkschaften im Kontrollgremium.