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Welt

Wolodymyr Selenskyj fordert 30 Milliarden Euro von der Europäischen Union

August 2026 auf 27 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erteilt er Forderungen nach Parlamentswahlen in Kriegszeiten eine scharfe Absage.

Die Ukraine benötigt zur Bewältigung ihres Abwehrkampfes massiven finanziellen Rückhalt aus Europa. Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte, sind die avisierten Mittel unverzichtbar für die Streitkräfte des Landes.

Im Verteidigungshaushalt klafft aktuell eine Lücke von rund 27 Milliarden Dollar, was etwa 23 Milliarden Euro entspricht. Allein 20 Milliarden sind notwendig, um die Gehälter der Soldaten sowie die Kompensationen für die Familien gefallener Kämpfer zu decken. Auch für die heimische Drohnenproduktion wird zusätzliches Kapital benötigt.

Finanzierungsbedarf und internationale Partner

Um die Deckungslücken im Rüstungshaushalt zu schließen, setzt Kiew auf die Unterstützung wichtiger westlicher Verbündeter. „Ein bedeutender Geldbetrag ist erforderlich. Ich arbeite in dieser Sache mit den Franzosen und Deutschen“, erklärte der ukrainische Staatschef am Sonntag im Gespräch mit Journalisten in Kiew. „Sie werden für die Verteidigung des ganzen Landes gebraucht“, betonte er.””

Norwegen will die Ukraine indes mit weiteren Milliardensummen unterstützen.

Kriegsgeschehen und Truppenbewegungen im laufenden Jahr

Zu den militärischen Entwicklungen äußerte sich die politische Führung mit konkreten Geländedaten. So hätten Kiews Streitkräfte seit Jahresbeginn 820 Quadratkilometer Fläche befreit, darunter fast komplett das Gebiet Dnipropetrowsk. Dort seien nur noch etwa zehn Quadratkilometer, drei Ortschaften, nicht komplett unter Kiews Kontrolle, sagte der Präsident. Von unabhängiger Seite waren die Angaben zunächst nicht überprüfbar. Selenskyj räumte auch ein, dass Russland seit Jahresbeginn 990 Quadratkilometer Fläche okkupiert habe. Er erwartet, dass Kiew den Russen bis Jahresende weitere Flächen wieder entreißen werde. Selenskyj schloss zugleich erneut aus, dass die Ukraine sich freiwillig aus dem Donbass zurückzieht – Moskau nannte dies als Bedingung für einen Waffenstillstand.

Gleichzeitig warnte Kiew vor bevorstehenden Schritten der Gegenseite. Russland, das seit viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, hält vom 18. bis 20. September eine Parlamentswahl ab – auch in den von Moskau kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson. Russland plant auch nach Einschätzung der Ukraine die Mobilisierung von 300.000 weiteren Soldaten nach den Parlamentswahlen im September, sagte Selenskyj. Zudem könnte Russland seinen Worten zufolge 2027 Hunderttausende weitere Soldaten einziehen, um den Rest der ostukrainischen Region Donezk zu erobern.

Ablehnung von Wahlen in Kriegszeiten

Hinsichtlich politischer Abstimmungen bekräftigte das Staatsoberhaupt seine ablehnende Haltung gegenüber Forderungen nach Wahlen. Mit Blick auf die jüngsten Forderungen des als Verteidigungsminister entlassenen populären Politikers Mychajlo Fedorow nach Wahlen bekräftigte Selenskyj seine Haltung, dass dies in Kriegszeiten nicht möglich sei. Bereits im vorigen Jahr habe es Druck von verschiedenen Seiten gegeben, Wahlen abzuhalten, sagte Selenskyj, der 2019 zuletzt gewählt wurde.

„Wahlen zum jetzigen Zeitpunkt wären wie ein Tsunami für den Staat, der die Ukraine spalten würde

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

„Deshalb besteht meine Strategie darin, das Land bis zum Ende des Krieges zu führen und einen unabhängigen und souveränen Staat zu bewahren“, sagte Selenskyj. Wenn die Partner im Westen Vorschläge hätten, wie eine Abstimmung für Millionen ukrainische Kriegsflüchtlinge im Ausland und für die Menschen im Frontgebiet organisiert werden könne, dann sei er bereit, darüber zu reden. Niemand aber habe bisher konkrete Vorschläge gemacht, wie die Sicherheit bei solchen Wahlen garantiert werden könne.”

Drohnenangriffe auf Logistikzentren in Russland

Die Angriffe auf Nachschubwege im russischen Hinterland hielten unterdessen an. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Region Orenburg stürzten am Sonntag Trümmerteile auf zwei Industrieanlagen, darunter ein Lagerhaus des Online-Händlers Ozon. Die Luftabwehr habe sechs Drohnen über der Region abgefangen, teilte Gouverneur Jewgeni Solnzew mit. Verletzte gebe es demnach keine. Ozon teilte mit, mehr als 300 Mitarbeiter seien evakuiert und der Betrieb im Logistikzentrum eingestellt worden. Am Samstag war bereits ein Ozon-Zentrum in der Region Samara von einer Drohne getroffen worden. Es handelte sich um die erste Attacke auf den zweitgrößten Online-Händler Russlands.

Wolodymyr Selenskyj fordert 30 Milliarden Euro von der Europäischen Union
Photo: sn.at
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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