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Welt

UN: Kritik an Baerbocks Vorschlagskandidaten spitzt sich zu

Der Streit um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres hat sich im August 2026 angesichts geopolitischer Konflikte und einer Kontroverse um die damalige Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, deutlich verschärft. Während die Vetomächte im Sicherheitsrat auf ihrem Einfluss beharren, fordert die Vollversammlung mehr Transparenz und eine Kandidatin an der Spitze.

Es gibt kaum einen Posten auf internationaler Ebene, dessen Besetzung so kompliziert und schwierig ist wie die des UN-Generalsekretärs oder der Generalsekretärin. Da António Guterres Ende des Jahres nach zehn Jahren an der UN-Spitze aus dem Amt scheidet, läuft derzeit ein intensives Ringen um seine Nachfolge. Interessen verschiedener Länder, Regionen und UN-Gremien prallen dabei aufeinander, verschärft durch eine immer heftigere geopolitische Konfrontation zwischen Demokratien und autoritären Regierungen.

Konfrontation zwischen UN-Sicherheitsrat und Vollversammlung

Auf dem Papier ist das Verfahren klar geregelt: Der UN-Sicherheitsrat unterbreitet einen Vorschlag, und die UN-Vollversammlung (UNGA) wählt die entsprechende Person. Historisch gesehen achteten die Beteiligten darauf, dass die Weltregionen abwechselnd zum Zuge kamen, wobei der Posten nach Europa diesmal an eine Person aus Süd- oder Lateinamerika fallen sollte. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats – die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – betrachteten die Vollversammlung mit ihren 193 Mitgliedern in der Vergangenheit jedoch eher als Abnickverein.

Weil der Sicherheitsrat wegen der tiefen Differenzen zwischen den Vetomächten jedoch kaum noch arbeitsfähig ist und seine Zusammensetzung aus der Nachkriegszeit nach Ansicht vieler Staaten als veraltet gilt, fordert die Vollversammlung seit Jahren ein stärkeres Mitspracherecht. Bereits vor zehn Jahren führte der damalige UNGA-Präsident Mogens Lykketoft sogenannte Townhalls ein, in denen sich Bewerber den Fragen der Mitgliedstaaten stellen müssen. In diese Reihe fügt sich auch das Vorgehen der früheren deutschen Außenministerin ein, die als Noch-Präsidentin der Vollversammlung offene Befragungen initiierte und forderte, dass erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen berufen werden sollte. Zudem bat sie die Ratsmitglieder, niemanden vorzuschlagen, der sich diesen Anhörungen in der UNGA entzogen hatte.

Kritik aus Washington und Moskau an Annalena Baerbock

Dieses Kalkül stützt sich auf ein im vergangenen Jahr verabschiedetes UNGA-Votum, das eine höhere Transparenz einfordert.

Probeabstimmungen und die Blockademacht der Vetostaaten

Die geforderte Offenheit spiegelt sich auch in den Beratungen des Sicherheitsrats wider, wo am Freitag eine zweite Probeabstimmung stattfand. Die Mitglieder gaben dabei Votumsmuster nach den Kategorien „Ermutigen“, „Entmutigen“ oder „keine Meinung“ ab. Dabei erhielt die Diplomatin Carolyn Rodrigues Birkett aus Guyana acht Stimmen, während die costa-ricanische Politikerin Rebeca Grynspan sieben Stimmen verbuchen konnte.

EU-Diplomaten weisen jedoch darauf hin, dass diese Orientierung nur begrenzten Aussagewert besitzt. Am Ende kann jede einzelne Vetomacht die Ernennung einer Person durch ihr Veto blockieren. So erklärte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bereits, dass bei einer anhaltenden Pattsituation auch gänzlich andere Kandidaten in Betracht gezogen werden könnten.

Geopolitische Bruchlinien und das Erbe von António Guterres

Hinter den Kulissen entlädt sich in dem Streit ein jahrzehntelanger Unmut über die Privilegien der ständigen Mitglieder USA, Russland und China. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 ist die Legitimität des Sicherheitsrats als Hüter der UN-Charta stark beschädigt. China zeigt laut EU-Diplomaten zudem wenig Interesse an einer Führungspersönlichkeit, die konsequent Menschenrechtsverletzungen anprangert, während bei den USA Befürchtungen laut wurden, die Regierung unter Donald Trump könnte die Rolle der Vereinten Nationen im Zuge eines „America-First“-Kurses weiter beschneiden.

Nachfolge für Generalsekretär Guterres gesucht (Archivbild)
Photo: kleinezeitung.at
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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