Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Fermi Explorer Mission zu Alpha Centauri

Eine private Gruppe von Unternehmern plant die unbemannte Raumfahrtmission Fermi Explorer, die bis Ende 2029 starten und nach einer rund 80.000-jährigen Reise das Sternensystem Alpha Centauri erreichen soll. Das Projekt zielt mit einem Budget von unter 15 Millionen US-Dollar darauf ab, interstellare Raumfahrt ohne staatliche Milliardenbudgets zu demonstrieren.

Die Menschheit steht vor einem neuen Versuch, die Distanz zu den Sternen zu überbrücken. Der britische Mathematiker und Physiker Philip Johnston hat gemeinsam mit Mitstreitern die Fermi Explorer Mission ins Leben gerufen. Im Zentrum des Vorhabens steht ein unbemanntes Raumschiff, das eine Nutzlast von mindestens einem Kilogramm in das rund 4,4 Lichtjahre entfernte Alpha-Centauri-System transportieren soll. Anders als frühere ambitionierte Initiativen setzt das Projekt auf bestehende ballistische Methoden statt auf radikale Neuentwicklungen im Antriebsbereich.

Fermi Explorer CEO Philip Johnston on why send a spacecraft to Alpha Centauri – May 2026

Technische Routenplanung durch künstliche Intelligenz und Ionentriebwerke

Dieses Labor wird unter anderem mit 58 Millionen US-Dollar von Breakthrough Energy finanziert, einer Investmentfirma von Microsoft-Mitgründer Bill Gates. Eine im Juli 2026 vorgelegte externe Machbarkeitsstudie von PSI untersuchte die Erfolgsaussichten des Vorhabens und kam zu dem klaren Schluss, dass die Mission mit heutiger Technologie unter bestimmten Bedingungen möglich ist.

Um die Reise anzutreten, setzt das Projekt auf ein solar-elektrisches Xenon-Triebwerk. Nach dem Start im Jahr 2029 wird die Sonde etwa zwölf Jahre benötigen, um unser Sonnensystem zu verlassen. Dabei wird sie die Sonne mehrmals umkreisen und ihr Antriebssystem immer dann zünden, wenn sie sich ihr besonders stark nähert, um so eine maximale Beschleunigung zu erreichen. Die Reisezeit wird dabei auf rund 80,000 Jahre beziffert, wobei in exakteren Projektionen von knapp 80.000 Jahren oder rund 77.000 bis 79.800 Jahren ausgegangen wird. Die Sonde zielt dabei nicht auf die aktuelle Position des Sternsystems, sondern auf dessen Position zum Zeitpunkt der Ankunft.

Fermi Explorer Mission zu Alpha Centauri
Foto: nexa.news

Vergleich mit früheren Initiativen und Finanzierungsstruktur

Das Budget von unter 15 Millionen US-Dollar hebt das Projekt deutlich von staatlichen Programmen oder milliardenschweren Tech-Vorstössen ab. Doch auch ein Jahrzehnt später ist von diesem Vorhaben noch nichts gestartet.

Die Initiatoren des Fermi Explorers distanzieren sich bewusst von solchen theoretischen Hürden. Wir wollten kein weiteres Breakthrough Starshot, erklärte Mitgründer Philip Johnston zu den Beweggründen des Teams. Die Gründergruppe fasste den Entschluss, eine Raumsonde für den geringstmöglichen Betrag zu entsenden – eine ganz normale, minimale tragfähige Mission nach Alpha Centauri. Um dies von einem konzeptuellen Vorschlag zu echter Technik und Hardware zu führen, muss die Gründungsgruppe das Zielkapital von 15 Millionen US-Dollar von privaten Investoren einsammeln. Zu den emotionalen Details der Mission gehört, dass Kinder aus allen Ländern 300 Zeichen in ihrer Sprache auf der Sonde hinterlassen dürfen, als Tribut an die Apollo-Mondlandungen.

Philosophischer Hintergrund und die Frage nach außerirdischer Zivilisation

Beim Mittagessen mit Kollegen fragte Fermi Where is everybody? oder auf Deutsch Wo sind sie denn?, da angesichts des Alters des Universums fortgeschrittene Zivilisationen längst Sonden zu uns hätten schicken müssen. Die Raumkapsel fungiert daher als interstellare Flaschenpost, die zeigen soll, dass solche Missionen nicht unmöglich sind. Dabei fliegen bereits fünf menschliche Artefakte – nämlich die Sonden der Pioneer- und Voyager-Programme sowie die Mission New Horizons zum Pluto – auf Bahnen in den interstellaren Raum hinaus, ohne jedoch in absehbarer Zeit an anderen Sternsystemen vorbeizuführen.

ProjektmerkmalFermi ExplorerFrühere Konzepte (z. B. Starshot)
Geplanter StartBis Ende 2029Unbestimmt / Noch kein Start
ZielbudgetUnter 15 Millionen US-DollarMilliardenbudgets / Staatlich oder Großinvestoren
AntriebstechnologieSolar-elektrisches Xenon-IonentriebwerkLasergetriebene Kleinstsonden
ReisedauerCa. 77.000 bis 80.000 JahreCa. 20 Jahre (theoretisch)

Nächste Schritte bis zum geplanten Start im Jahr 2029

Die Organisation muss nun die anvisierte Kapitalsumme sichern, um den Übergang von der Konzeptphase zur konkreten Hardware-Entwicklung zu vollziehen. Das Jahr 2029 markiert dabei den anvisierten Startzeitpunkt, gefolgt von einer mehrjährigen Phase des Verlassens des Sonnensystems, die nach Berechnungen im Jahr 2043 in das endgültige Ausführungsmanöver münden soll.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.