Google hat in einem Insolvenzverfahren rund zehn Millionen US-Dollar geboten, um einen riesigen Datenschatz der gescheiterten US-Fluggesellschaft Spirit Airlines zu erwerben. Das Paket umfasst Millionen von E-Mails und Chat-Protokollen und soll nach vollständiger Anonymisierung der Kundendaten zum Training künstlicher Intelligenz wie den Gemini-Modellen dienen.
Der Technologiesiese Google hat sich in einer Auktion aus der Insolvenzmasse der pleitegegangenen US-Billigairline Spirit Airlines ein umfangreiches digitales Archiv gesichert. Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, ließ sich der Konzern das Datenpaket zehn Millionen US-Dollar kosten. Damit investiert das Unternehmen massiv in Rohmaterial, um künstliche Intelligenz mit realen Unternehmensabläufen zu füttern.
Millionen E-Mails und Teams-Chats aus der Insolvenzmasse
Das ersteigerte Datenvolumen ist gigantisch. Zu dem von Google erworbenen digitalen Nachlass gehören nach Medienberichten rund 100 Millionen E-Mails sowie 500 Millionen Unterhaltungen über die Messaging-Plattform Microsoft Teams. Hinzu kommen 17 Millionen OneDrive-Dateien und 20,5 Millionen SharePoint-Inhalte.
Das Archiv geht jedoch weit über die interne Kommunikation hinaus. Der Tech-Riese erhält außerdem mehr als 30 Millionen Audioaufnahmen von Kundenservice-Gesprächen, 15 Millionen Chat-Protokolle aus Kundenanfragen, 600.000 Support-Tickets sowie Betriebsdaten zu Flügen, Crews und Ersatzteilen. Das Paket enthält auch Daten zu 763.000 Flügen, fünf Millionen Crew-Listen, mehr als 1,2 Millionen Treibstoffkäufen und dem Einkauf von fast 800.000 Ersatzteilen, wie aus veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht.
Strenge Auflagen beim Schutz von Passagierdaten
Angesichts der massiven Datenmengen stand der Datenschutz im Mittelpunkt des Verfahrens vor dem zuständigen US-Insolvenzgericht für den südlichen Bezirk von New York. Laut den Gerichtsunterlagen und Mitteilungen sind jegliche personenbezogene Informationen und vertraulichen Materialien von Passagieren explizit von dem Verkauf ausgeschlossen.
Weder die rund 97,5 Millionen Passagierprofile von Spirit noch die etwa 50,2 Millionen Datensätze des Treueprogramms Free Spirit
wurden an Google übertragen. Zudem betonte der Konzern, dass auch vor der Verarbeitung der übrigen internen Dokumente sämtliche verbliebenen personenbezogenen Angaben entfernt werden sollen, um den Vorgaben des Insolvenzgerichts zu entsprechen.
Wettlauf um Daten gescheiterter Unternehmen für das KI-Training
Der Kauf spiegelt einen wachsenden Trend wider: Da für das Training fortschrittlicher Sprachmodelle und KI-Anwendungen immer mehr unverbrauchtes Textmaterial benötigt wird, richten Tech-Konzerne ihren Blick verstärkt auf die digitalen Hinterlassenschaften insolventer Betriebe. Durch reale Unternehmenskommunikation soll die künstliche Intelligenz in die Lage versetzt werden, komplexe geschäftliche Abläufe realistisch zu simulieren.

Google erklärte zu dem Deal laut dem Finanzdienst Bloomberg knapp: Wir haben einen Teil eines Unternehmensdatensatzes von Spirit Airlines erworben, der zur Verbesserung unserer Produkte und KI-Modelle beitragen kann.
Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Daten primär in das Training der Gemini-Modelle und dazugehörige Unternehmensanwendungen einfließen werden.
Konkurrenzgebot und das Ende von Spirit Airlines
Google war bei der Versteigerung nicht der einzige Interessent. Auch das auf den Handel mit Trainingsdaten spezialisierte Unternehmen Mercor bot mit, musste sich jedoch mit einem Gebot von 7,5 Millionen Dollar geschlagen geben, während der Internetgigant mit zehn Millionen Dollar den Zuschlag erhielt.

Spirit Airlines hatte im vergangenen Mai den Flugbetrieb endgültig einstellen müssen. Die Fluggesellschaft befand sich seit dem August des Vorjahres im zweiten Insolvenzverfahren innerhalb von weniger als zwölf Monaten. Ursprünglich hatte die Airline gehofft, sich im Sommer mit verringerten Schulden aus der Sanierung zu befreien. Laut Angaben des damaligen Spirit-Chefs Dave Davis wurde dieser Plan jedoch durch plötzliche und anhaltende
Kerosinpreissprünge torpediert, die durch den Iran-Krieg ausgelöst worden waren und der Fluggesellschaft keinen Ausweg mehr liessen.
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