TikTok und der Mutterkonzern ByteDance haben sich im August 2026 bereiterklärt, 400 Millionen US-Dollar an das US-Justizministerium zu zahlen, um eine Klage wegen Verstößen gegen den Datenschutz bei Minderjährigen beizulegen. Es handelt sich um eine der größten Geldstrafen in der Geschichte des US-Kinderschutzes im Internet.
Das 400-Millionen-Dollar-Vergleichspaket mit dem US-Justizministerium
Das US-Justizministerium hat im August 2026 bekannt gegeben, dass TikTok und ByteDance eine Einigung über 400 Millionen US-Dollar erzielt haben. Die Vereinbarung beendet ein im Jahr 2024 unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden eingeleitetes Gerichtsverfahren des Department of Justice, in dem der Plattform vorgeworfen wurde, unrechtmäßig vast amounts of data
auf Millionen von Nutzern unter der Altersgrenze von 13 Jahren gesammelt zu haben. Dies verstieß nach Behördenangaben gegen den Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA), ein im Jahr 2000 erlassenes Bundesgesetz.
In der Klage wurde zudem dargelegt, dass TikTok und ByteDance Daten von Kindern ohne Benachrichtigung der Eltern oder Einholung einer Einwilligung erfasst und Konten bei entsprechenden Aufforderungen durch Eltern nicht gelöscht haben. Das Verfahren stützte sich ferner auf Ermittlungen der Federal Trade Commission, in deren Rahmen TikTok beschuldigt wurde, es Kindern seit 2019 wissentlich erlaubt zu haben, Konten zu erstellen und auf der Plattform mit Erwachsenen zu interagieren.

Gemäß den Vertragsbedingungen erfolgt die Zahlung in zwei Etappen. TikTok und ByteDance überweisen 300 Millionen US-Dollar sofort an das DOJ. Weitere 100 Millionen US-Dollar werden fällig, upon entry of an order vacating a prior consent decree entered against TikTok’s predecessor, Musical.ly
, wie das Justizministerium in einer Pressemitteilung mitteilte. Als Teil dieses früheren Falles war der ByteDance-Vorgänger Musical.ly seinerzeit verpflichtet worden, eine Geldstrafe von 5,7 Millionen US-Dollar zu zahlen und sicherzustellen, dass für jeden Nutzer unter einem bestimmten Alter die elterliche Zustimmung eingeholt wird. Die Federal Trade Commission hatte damals beanstandet, dass Musical.ly gewusst habe, dass kleine Kinder die Plattform nutzen, es jedoch versäumt habe, vor der Sammlung von Informationen wie Namen und E-Mail-Adressen die Zustimmung der Eltern einzuholen.
Reaktionen und Einordnung durch das US-Justizministerium
Verantwortliche Regierungsvertreter werteten den Vergleich als wichtigen Schritt für die Sicherheit von Familien. Associate Attorney General Stanley Woodward Jr. betonte die Bedeutung des Abkommens für den Schutz Minderjähriger im Netz und erklärte:

„This settlement is a major victory for American children and parents.“
Stanley Woodward Jr., Associate Attorney General
Woodward fügte hinzu: The Department’s priority is ensuring that children are protected online and that companies entrusted with their personal information meet their legal obligations.
Zudem betonte er: This resolution secures a substantial recovery while reinforcing the protections that families expect and deserve.
Ergänzend äußerte sich der frühere Assistant Attorney General Brett Shumate zu dem Verfahren:
„Children and parents are better protected today than they were when this case began.“
Brett Shumate, Assistant Attorney General
Das Ministerium erklärte ferner, dass die nun getroffenen Maßnahmen have materially advanced the public interests underlying the Department's litigation and have strengthened protections for millions of American families.
TikTok und ByteDance äußerten sich nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme.
Veränderte Eigentümerstruktur und Kontrollmaßnahmen bei TikTok
Die US-Justizbehörden hoben hervor, dass sich die Plattform seit Einreichung der Klage stark gewandelt hat. Das Justizministerium stellte fest, dass TikTok inzwischen undergone significant changes to its ownership, management, compliance functions, and privacy practices
vorgenommen hat und implemented extensive measures designed to strengthen safeguards for younger users, improve age-related controls, and enhance parental oversight
umgesetzt hat.
Hintergrund der Umstrukturierung sind gesetzliche Vorgaben aus dem Jahr 2024, die ByteDance zur Veräußerung des App-Geschäfts verpflichteten, um ein andernfalls drohendes US-Verbot abzuwenden. Angetrieben wurde dieses Gesetz durch nationale Sicherheits- und Datenschutzbedenken bezüglich der Verbindungen von ByteDance nach China. Im Januar wurde schließlich eine Vereinbarung getroffen, um die Plattform unter eine neue gemeinsame Eigentümerstruktur in den Vereinigten Staaten zu stellen und mehr als 200 Millionen amerikanischen Anwendern den weiteren Zugriff zu sichern.
Die Plattform wird nun von der TikTok USDS Joint Venture kontrolliert, die überwiegend im Besitz amerikanischer Investoren ist. Zum Investorenkreis gehören der US-Softwarekonzern Oracle, die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake sowie das in Abu Dhabi ansässige Unternehmen MGX. ByteDance hält seinerseits einen Anteil von 19,9 Prozent und verfügt damit über eine Minderheitskontrolle über das US-Geschäft von TikTok, während der Zivilprozess selbst zwar die US-Aktivitäten betrifft.
Einordnung im Vergleich zu anderen US-Datenschutzverfahren
Mit einer Summe von 400 Millionen US-Dollar ist dieser Deal einer der größten jemals erzielten Vergleichsbeträge in einem COPPA-Verfahren. So zahlte Googles YouTube im Jahr 2019 eine Strafe von 170 Millionen US-Dollar, während Epic Games im Jahr 2022 mit 275 Millionen US-Dollar belegt wurde. Parallel dazu sieht sich Meta in einem separaten Gerichtsverfahren mit Klagen von Generalstaatsanwälten aus 29 US-Bundesstaaten konfrontiert, die ebenfalls wegen COPPA-Verstößen Klage eingereicht haben. In diesem Prozess, der in dieser Woche als Geschworenenverfahren begonnen hat, wird dem Eigentümer von Instagram und Facebook vorgeworfen, gezielt minderjährige Nutzer ins Visier genommen und von ihnen profitiert zu haben, wobei Meta-Strafen im Bereich von Hunderten Milliarden US-Dollar im Raum stehen.

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