In einem aufsehenerregenden Mordprozess im Clark County District Court in Las Vegas haben Geschworene am Donnerstag, den 20. August 2026, eine Tonbandaufnahme aus dem Jahr 2008 gehört.
Der Fall, der die Musikwelt seit Jahrzehnten beschäftigt, hat vor dem Regional Justice Center in Las Vegas eine neue Dimension erreicht. Der heute 63-jährige Duane Davis, von der Staatsanwaltschaft als Drahtzieher des Verbrechens angeklagt, hatte sich in dem fast zwei Jahrzehnte alten Verhör erstmals direkt zu seiner Beteiligung an dem Anschlag geäußert. Die Verhandlung, die auf einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen angelegt ist, bringt nun Details ans Licht, die den Ablauf der Mordnacht vom 7. September 1996 präzise beleuchten.
Die Schüsse aus dem Cadillac: Was das Verhör von 2008 enthüllt
Laut den im Gerichtssaal abgespielten Vernehmungsprotokollen saß Davis in der Mordnacht in einem weißen Cadillac gemeinsam mit seinem Neffen Orlando „Baby Lane“ Anderson und zwei weiteren Männern. Das Fahrzeug schloss auf der Las Vegas Strip neben dem Wagen auf, in dem Tupac Shakur und der Chef von Death Row Records, Marion „SugeKnight, saßen.
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Da Knights Wagen jedoch auf der falschen Seite fuhr, reichte Davis seine Waffe nach hinten an Deandre „Big Dre“ Smith weiter. Smith lehnte den Einsatz jedoch ab. Daraufhin griff der im Rücksitz befindliche Orlando Anderson zu der Waffe und eröffnete das Feuer auf den 25-jährigen Superstar. Davis gab zu Protokoll, dass er nach den Schüssen angenommen habe, Knight sei ebenfalls tot.”
Staatsanwaltschaft setzt auf eigene Aussagen, während die Verteidigung von „Fiktion“ spricht
Die Staatsanwaltschaft stützt ihren Fall in Las Vegas massiv auf Davis’ eigene Geständnisse aus der Vergangenheit. Neben dem Verhör von 2008 führen die Ankläger Interviews mit der Polizei, Podcasts sowie den 2019 veröffentlichten Memoiren Compton Street Legend
an, die Davis mitverfasst hat. Staatsanwälte argumentieren, dass das Motiv in einer vorherigen Auseinandersetzung lag: Wenige Stunden vor den Schüssen war Davis‘ Neffe Anderson nach einem Boxkampf von Mike Tyson im MGM Grand Casino von Shakurs Entourage attackiert worden.


Davis hat vor Gericht auf nicht schuldig plädiert. Seine Verteidigung wählt eine ungewöhnliche und risikoreiche Strategie vor den Geschworenen. Anwalt Michael Sanft forderte die Geschworenen auf, den eigenen Mandanten beim Wort zu nehmen – allerdings im Sinne einer völligen Diskreditierung. Reuters berichtet, dass die Verteidigung argumentiert, Davis habe die Geschichten für sein Buch und Medienauftritte erfunden, um den Absatz zu steigern, und dass Ermittler es versäumt hätten, die Behauptungen mit handfesten Beweisen zu untermauern.
Michael Sanft, Verteidiger von Duane Davis, fragte via Reuters, welche Fakten man habe, um irgendetwas von dem zu stützen, was Keffe D in all seinen Interviews oder in dem Buch gesagt habe.
Vertraulichkeitsversprechen und das Motiv der Rache
Ein zentraler Streitpunkt im Prozess ist die Frage, unter welchen Umständen das Verhör im Jahr 2008 zustande kam. Die damaligen Ermittler der Los Angeles Police Department, Daryn Dupree und Greg Kading, hatten Davis ursprünglich zu den Hintergründen des Mordes an Tupacs Erzrivalen The Notorious B.I.G. im Jahr 1997 befragt. Zu Beginn des Gesprächs sicherten die Beamten Vertraulichkeit zu.
Die Anklage hält dem jedoch entgegen, dass jede Zusicherung durch Davis‘ spätere, öffentlichkeitswirksame Wiederholungen der Details in Interviews und in seinem Buch hinfällig geworden sei. Nach Nevadaer Recht kann eine Person wegen Mordes angeklagt und verurteilt werden, wenn sie aktiv an dem Verbrechen mitgewirkt hat, selbst wenn sie nicht eigenhändig den Schuss abgegeben hat. Während die Familie des getöteten Rappers im Gerichtssaal schweigend dem Verfahren folgt, müssen die Geschworenen nun entscheiden, ob die Aussagen des ehemaligen Gang-Anführers die Realität einer jahrzehntelangen Bluttat abbilden oder das Produkt einer aufmerksamkeitsheischenden Erzählung sind.
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