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Unterhaltung

Ingeborg Bachmann: Sandra Hüller spielt Titelrolle in Dokumentarfilm

Sandra Hüller schlüpft im dokumentarischen Essayfilm Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war in die Rolle der österreichischen Dichterin, die am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren wurde und 1973 starb. Die Regie führte Regina Schilling.

Hundert Jahre nach ihrer Geburt in Klagenfurt bleibt Ingeborg Bachmann eine zentrale Gestalt der deutschsprachigen Literatur. Ihr Werk, darunter der unvollendete Todesarten-Zyklus und der Roman Malina, beschäftigt Literaturwissenschaftler bis heute. Gleichzeitig kehren ihre Sätze in aktuellen Debatten über Gewalt, Liebe, Sprache und beschädigte Identität zurück, wie unter anderem das Tabula Rasa Magazin analysiert. Die Autorin starb 1973 im Alter von 47 Jahren in Rom an den Folgen eines Brandunfalls.

Sandra Hüller als Ingeborg Bachmann im filmischen Essay

In diesen Tagen startet der dokumentarische Essayfilm Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war in den Kinos. Regisseurin Regina Schilling besetzte die Titelrolle mit Sandra Hüller. Wie das Kulturportal NZZ berichtet, stand für die Filmemacherin von Anfang an fest, dass nur Hüller für dieses Projekt infrage kam. In einem Interview mit dem österreichischen Filminstitut erklärte Schilling, sie habe der Schauspielerin bereits vor Jahren gesagt, dass sie sie an Ingeborg Bachmann erinnere. Hüller habe geantwortet: «Ja, das finde ich auch!» Und sie aufgefordert, ein Drehbuch zu schreiben.

Die fiktiven Szenen des 97-minütigen Films konzentrieren sich auf Bachmanns letzte Monate in Rom. Die Dichterin arbeitete damals an ihrem ambitionierten Zyklus über die Vernichtung der Frau durch Gewalt und Machtverhältnisse in den Geschlechterbeziehungen. Gleich zu Beginn setzt sich die Schauspielerin vor dem Spiegel eine blonde Perücke auf, um zu betonen, dass sie sich der historischen Figur lediglich annähert, anstatt sie naturgetreu zu kopieren. Die Schauspielerin sagte aus dem Off: «Wir hören ihr zu» und rezitierte Texte von Bachmann.

Kritik an der künstlichen Inszenierung und esoterischen Séance

Szenen, in denen Hüller unruhig durch eine Wohnung streift, sich Zigaretten an einer heißen Herdplatte anzündet, ein Telefon schrillt, lacht, Kopfstände macht oder am Strand entlangrennt, wirken demnach distanziert. Regisseurin Schilling beschrieb diesen Ansatz im Interview zeitgeistig als den Wunsch nach «Resilienz und besseren Therapien» für die Dichterin.

Ingeborg Bachmann: Sandra Hüller spielt Titelrolle in Dokumentarfilm
Photo: Tabula Rasa Magazin

Ergänzt werden die Spielszenen durch Archivaufnahmen, die unter anderem den Umgang von Männern wie Marcel Reich-Ranicki und Mitgliedern der Gruppe 47 mit schreibenden Frauen beleuchten. Die Filmemacher und Beteiligten bezeichneten ihren Versuch selbst als «Geisterbeschwörung» oder «unserer Séance», um mit der Toten in Kontakt zu treten.

Das literarische Erbe und die anhaltende Präsenz

Unabhängig von den Kontroversen um die filmische Adaption zeigt das Jubiläumsjahr, dass Bachmanns Texte weiterhin ein enormes Echo erzeugen. Rundfunkanstalten sendeten Lesungen und Gespräche, neue biografische Bücher erschienen, und Theater sowie Literaturhäuser nahmen ihr Werk wieder in ihre Programme auf. Der NDR ging gemeinsam mit der Kritikerin Insa Wilke der Frage nach, warum das Werk bis heute eine so starke Faszination ausübt, wie im Tabula Rasa Magazin dargelegt wird.

Ingeborg Bachmann: Sandra Hüller spielt Titelrolle in Dokumentarfilm
Photo: NZZ

Bachmann war zu Lebzeiten keineswegs eine zurückgezogene Poetin, sondern verfasste aktiv Hörspiele, Essays, Libretti und arbeitete intensiv für den Rundfunk. ARD Kultur stellte zum hundertsten Geburtstag eigens eingelesene Erzählungen bereit, um das gesprochene Wort der Autorin einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die ungeklärten Widersprüche und die kompromisslose Schärfe ihrer Texte schützen das Werk davor, im Rahmen eines bloßen Jubiläumsjahres vollständig vereinnahmt zu werden.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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