FIFA-Präsident Gianni Infantino beruft für Mittwoch, den 5. August 2026, ein Krisentreffen mit hochrangigen Funktionären in Marokko ein. Der Schweizer versucht, seine Position zu sichern, nachdem ein Plan zum Verkauf kommerzieller Weltmeisterschaftsrechte an private Investoren scheiterte und zu massiven internen sowie externen Protesten führte.
Die Lage im Dachverband des Weltfußballs ist volatil. Nachdem Gianni Infantino den Versuch abgebrochen hat, Anteile an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft zu privatisieren, sieht er sich mit einer beispiellosen Front aus Verbänden und eigenen Spitzenleuten konfrontiert.
Das gescheiterte Projekt FIFA Forward Enterprise
Im Zentrum des Sturms steht das Projekt FIFA Forward Enterprise (FFE). Infantino hatte vorgeschlagen, 20 Prozent der kommerziellen und operativen Rechte des Weltcups an private Investoren zu verkaufen, um eine Summe von 4,2 Milliarden US-Dollar zu generieren. Besonders brisant: In den Plan war die Einbindung eines Unternehmens integriert, das Familienverbindungen zum US-Präsidenten Donald Trump aufweist.
Der Plan wurde am vergangenen Freitag offiziell zurückgenommen, doch der Schaden im Vertrauensverhältnis bleibt.
Interne Revolte: Grafstrom, Lamour und Wenger
Die Kritik kommt nicht nur von außen, sondern aus dem innersten Zirkel der FIFA-Führung. Generalsekretär Mattias Grafstrom bezeichnete die Ereignisse in einem internen Memo an die Mitarbeiter als traurige und tadelnswerte Serie von Ereignissen, die dazu führten, dass das Projekt permanent aufgegeben wurde.
Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Episoden kommen und gehen. Die Institution, ihre Mission und ihre Verantwortung gegenüber dem Weltfußball bleiben bestehen … Mattias Grafstrom, Generalsekretär der FIFA
Grafstrom sprach zudem von einem Tumult, der kaum zu begreifen sei. Diese Einschätzung teilte Chief Operating Officer Kevin Lamour, der laut Berichten erklärte, das Personal sei über den Plan getäuscht worden und FFE sei lediglich das Projekt einer einzigen Person gewesen. Auch Arsene Wenger, Leiter der Global Football Development, distanzierte sich öffentlich. Er gab an, erst durch Medienberichte von dem Vorhaben erfahren zu haben und bezeichnete den Rückzug als absolut notwendig.
Die personellen Verluste sind bereits spürbar: Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, trat letzte Woche aus Protest gegen den Plan zurück.
Vorwürfe der Erpressung durch Jordanien
Parallel zum internen Chaos eskalieren die Vorwürfe aus dem Nahen Osten. Prinz Ali bin Al Hussein, Präsident des jordanischen Fußballverbandes, beschuldigte Infantino öffentlich der Erpressung. Laut Al Hussein habe die FIFA monatelang Hilfe für Jordanien verweigert, bis ihm während der Weltmeisterschaft verbal kommuniziert wurde, dass eine Unterstützung seines Verbandes weit dazu beitragen würde, dem Verband zu helfen, sofern er Infantino unterstütze.

Al Hussein kritisierte zudem, dass Reisekosten und die Behandlung der Fans in den USA enorme Hürden darstellten und Zahlungen für das Finale des Arab Cup in Katar ausblieben. Er betonte, dass Jordanien ethische Werte vertrete und Infantino weder früher noch jetzt unterstützen werde.
Die Fronten der Kontinentalverbände
Die Machtverhältnisse innerhalb der Verbände haben sich massiv verschoben. Die UEFA hat bereits erklärt, das Vertrauen in die Führung von Infantino verloren zu haben, und wirft ihm vor, die Seele des Spiels zu verkaufen.
- CONCACAF und AFC: Beide unterstützen die Position der UEFA, fordern jedoch dringende Antworten.
- CAF (Afrika): Die afrikanische Konföderation hat bisher keine offizielle Position bezogen, wobei einige führende Administratoren des Kontinents ihre Unterstützung für Infantino bekräftigt haben.
Trotz der Kritik gibt es loyale Bastionen. Dies unterstreicht die Abhängigkeit ärmerer Verbände von den Finanzmitteln der FIFA.
Die Hürden für die Wiederwahl im März
Vor wenigen Wochen galt die Wiederwahl Infantinos für eine vierte Amtszeit noch als beschlossene Sache, gestützt durch zugesagte Briefe von etwa 200 der 211 Mitgliedsverbände. Nun ist diese Basis brüchig.

Ein strategischer Vorteil für den amtierenden Präsidenten bleibt vorerst aus: Bisher ist kein klarer Herausforderer für die Wahl im März in Marokko aufgetreten. Die Fußballlegende Luis Figo fordert jedoch in einem Gastbeitrag deutlich, dass Infantino gehen müsse, und bezeichnet dessen Verhalten als das niedrigste, hinterhältigste und eigennützigste Verhalten, das er je erlebt habe.
