Kriminelle Schleusernetzwerke transportieren Migranten zunehmend in umgekehrter Richtung über den Ärmelkanal von Großbritannien nach Spanien. Die Route richtet sich vor allem an Personen mit abgelaufenen Visa oder drohender Abschiebung, die durch ein spanisches Legalisierungsprogramm einen legalen Aufenthaltsstatus in der EU anstreben.
Die Migrationsrouten in Europa verschieben sich. Während Großbritannien jahrelang primär Ziel illegaler Einreisen war, berichten mehrere Medien nun von einer neuen Dynamik: Schleuser bringen Menschen aus dem Vereinigten Königreich zurück auf das europäische Festland. Das Ziel ist häufig Spanien, wo die Regierung ein Programm zur Regularisierung von irregulär aufhältigen Ausländern anbietet.
Transportwege und Kosten der Flucht nach Spanien
Die Logistik dieser neuen Route nutzt bestehende Infrastrukturen für den Warenverkehr. Migranten werden auf Ladeflächen von Lastwagen versteckt und per Fähre oder über den Eurotunnel nach Frankreich gebracht. Von dort aus erfolgt der Weitertransport in den Süden.
Die Preisstruktur für diese illegalen Reisen ist gestaffelt. Laut Berichten des britischen Telegraph zahlen die Betroffenen rund 1.170 Euro für die Schleusung nach Frankreich. Für den weiteren Weg bis über die spanische Grenze werden zusätzliche 580 Euro verlangt. Eine andere Quelle beziffert den Aufpreis für den Transport zur spanischen Grenze auf etwa 500 Pfund.
Die Zielgruppe dieser Angebote sind insbesondere Menschen aus Pakistan und Indien, die in Großbritannien aufgrund von Visamissbrauch oder illegaler Beschäftigung rechtliche Konsequenzen befürchten. Auch Personen, deren Studenten- oder Arbeitsvisa abgelaufen sind, versuchen so einer Abschiebung zu entgehen.
KI-Werbung und soziale Netzwerke als Rekrutierungstools
Schleuserbanden agieren zunehmend wie professionelle Reiseanbieter. Über soziale Netzwerke verbreiten sie Videos, die Migranten nach ihrer Ankunft in Frankreich oder Spanien zeigen. Einige dieser Beiträge sind als klassische Reiseanzeigen gestaltet und zeigen Familien vor bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm oder dem Kolosseum.
Besonders auffällig ist der Einsatz neuer Technologien. Diese Werbung beschränkt sich nicht nur auf Spanien, sondern nennt auch Portugal, Italien, Griechenland und Deutschland als mögliche Ziele.
Das spanische Legalisierungsprogramm als Hauptmotiv
Der wesentliche Anreiz für die riskante Reise ist die spanische Politik zur Regularisierung. Das Programm ermöglicht es Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel, unter bestimmten Voraussetzungen eine Legalisierung ihres Aufenthalts zu beantragen. Bis zum 30.

Peter Walsh vom Migration Observatory der Universität Oxford sieht darin eine direkte Reaktion auf die verschärften Kontrollen im Vereinigten Königreich. Viele Migranten gehen davon aus, sich nach Erreichen des Schengen-Raums freier bewegen und einfacher in Europa bleiben zu können.
Diese Politik führt jedoch zu Spannungen innerhalb der EU. Italien und Österreich werfen Madrid vor, die geplante Legalisierung von 500.000 irregulär lebenden Migranten nicht mit europäischen Partnern abgestimmt zu haben. Es besteht die Sorge, dass legalisierte Personen die Freizügigkeit innerhalb des Schengen-Raums nutzen, um in andere EU-Staaten zu ziehen.
Sicherheitsmaßnahmen und politische Reaktionen
Das britische Innenministerium betonte, dass es weiterhin eng mit Frankreich zusammenarbeite, um illegale Schleusungen zu bekämpfen. Die National Crime Agency konnte bereits im Jahr 2025 ein Netzwerk zerschlagen, das Migranten zunächst mit Touristenvisa nach Großbritannien brachte und sie anschließend für bis zu 1.400 Euro auf Lastwagen nach Frankreich schleuste.

Die spanische Regierung bestreitet einen direkten Zusammenhang zwischen ihrem Regularisierungsprogramm und den neuen Schleuserrouten. Madrid führt aktuelle Migrationsbewegungen, wie etwa die Stürme auf die Exklave Ceuta, auf die Auswirkungen eines Urteils des Obersten Gerichtshofs zurück, welches sofortige Zurückweisungen auf See einschränkt.
| Etappe der Route | Kosten (ca.) | Transportmittel |
|---|---|---|
| Großbritannien $rightarrow$ Frankreich | 1.168 – 1.170 Euro | LKW, Fähre, Eurotunnel |
| Frankreich $rightarrow$ Spanien | 580 – 584 Euro / 500 Pfund | Auto, LKW |
Während die Regionalregierung von Ceuta behauptet, ein Großteil der dort ankommenden Nordafrikaner habe das Land bereits wieder verlassen, bezeichnen Einwohner diese Aussagen als reine Propaganda. Die Situation verdeutlicht die Flexibilität internationaler Schleusernetzwerke, die ihre Routen unmittelbar an politische Entscheidungen und rechtliche Lücken anpassen.
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