Nach fast zwei Wochen täglicher US-Luftschläge und gegenseitiger Attacken herrscht derzeit eine fragile Ruhe. US-Botschafter Mike Waltz bestätigte am Sonntag gegenüber Fox News, dass der Präsident den diplomatischen Bemühungen etwas Raum geben wolle. Diese Entscheidung beendete eine Serie von 13 aufeinanderfolgenden Nächten schwerer Bombardierungen durch das US-Militär.
Parallel dazu hat ein Sprecher der iranischen Armee erklärt, dass Teheran seine vergeltenden Operationen in der Region ebenfalls gestoppt habe.
Diplomatische Kanäle über Oman und Katar
Die Pause ist kein Zufall, sondern das Ergebnis intensiver Hintergrunder-Gespräche. Laut Mike Waltz waren in den letzten Wochen und insbesondere in den vergangenen Tagen Verhandlungsführer aus Oman, dem Iran und weiteren Staaten auf allen Ebenen aktiv – von technischen Experten bis hin zur höchsten Führungsebene beider Regierungen.

Ein konkreter Fokus dieser Gespräche liegt auf der Kontrolle der Straße von Hormus. Das iranische Außenministerium bestätigte, dass Delegationen aus dem Iran und Oman am Freitag und Samstag technische Gespräche in Teheran geführt haben. Die Sicherung der kommerziellen Schifffahrt in dieser strategischen Passage bleibt der zentrale Streitpunkt, der ein dauerhaftes Ende des Krieges blockiert.
Zusätzliche Vermittlungsversuche kommen aus Pakistan und Katar. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, haben diese Staaten eine gemeinsame Deeskalationsformel vorgeschlagen. Als ersten Schritt sollen die USA und der Iran zu ihren Positionen von vor dem 9. Juli zurückkehren, um die Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Konflikts wiederaufzunehmen.
Munitionsvorräte und die Strategie von Mike Waltz
Trotz der diplomatischen Öffnung bleibt die Rhetorik in Washington hart. Auf die Frage von NBC, ob Trump weitere Eskalationen ausgeschlossen habe, antwortete Waltz deutlich: Ich würde nicht so weit gehen. Der Präsident behält alle Optionen auf dem Tisch.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Waltz Berichten der New York Times, wonach die US-Administration zögerte, die Kampfhandlungen auszuweiten, weil die Bestände an Luftabwehr-Munition – insbesondere Patriot-Abfangraketen – durch den Ukraine-Krieg und Kämpfe gegen die Huthi-Rebellen gefährlich geschrumpft seien. Waltz räumte zwar ein, dass viele Waffen aufgebraucht seien, wies die These einer Munitionsknappheit jedoch entschieden zurück.
Das US-Militär… hat alles, was es braucht, um diese Kampagne so effektiv durchzuführen, wie es nötig ist. Mike Waltz, US-Botschafter bei den Vereinten Nationen
Waltz ging so weit, dass Personen, die Informationen über unzureichende Waffenbestände an die Presse leaken, ins Gefängnis gehören.
Iranische Skepsis und militärische Präsenz in Hormus
In Teheran wird die amerikanische Geste mit Misstrauen betrachtet. Eine laut Reuters zitierte hochrangige iranische Quelle betonte, dass die vorherrschende Meinung in Iran eine taktische Pause und keinen echten Willen zur Deeskalation sehe. Die iranische Position bleibe Angriff um Angriff: Nur wenn die USA dauerhaft auf Schläge verzichten, werde auch der Iran seine Operationen einstellen.

Dass die militärische Anspannung trotz der Pause hoch bleibt, zeigt die Situation in der Straße von Hormus. Laut Berichten von CBS News stoppte die iranische Revolutionsgarde (IRGC) kürzlich sechs Schiffe mit Warnschüssen, da diese versucht hatten, die Passage über eine nicht ausgewiesene Route zu befahren.
Politischer Druck und die Rolle von Wes Streeting
Der Konflikt, der im Februar mit dem US-israelischen Krieg gegen den Iran begann, stößt in der US-Bevölkerung auf zunehmende Ablehnung.
Auch international wird die strategische Bedeutung der Handelswege betont. Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting kündigte ein Treffen mit seinem US-Gegenstück Pete Hegseth an, um die Sicherheit in der Straße von Hormus zu besprechen.
Wenn es darum geht, die maritime Freiheit und die freie kommerzielle Schifffahrt in der Straße von Hormus zu sichern, sind wir absolut auf einer Linie. Wes Streeting, britischer Verteidigungsminister
Während die Diplomatie versucht, einen Weg aus dem Krieg zu finden, senden die Signale aus dem Weißen Haus widersprüchliche Botschaften. Nur Stunden nachdem Mike Waltz die Chance für den Frieden betonte, veröffentlichte Präsident Trump auf seinem Truth-Social-Account KI-generierte Bilder, die US-Angriffe auf die Insel Kharg und iranische Schiffe zeigen. Ein Bild zeigt Trump selbst auf dem Deck eines iranischen Öl tankers mit einer amerikanischen Flagge in der Hand.
Die nächste entscheidende Weichenstellung wird am Dienstag erwartet, wenn Präsident Trump den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu im Weißen Haus empfängt.
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