Der Iran plant, die Kontrolle über die Straße von Hormus innerhalb der nächsten 30 Tage vollständig zu übernehmen, wie Außenminister Abbas Araghtschi in Bagdad erklärte. Trotz eines vereinbarten Waffenruhe zwischen Washington und Teheran eskalierten die Spannungen am Wochenende durch Drohnenangriffe und US-Luftschläge in der strategisch wichtigen Wasserstraße.
Irans 30-Tage-Frist und der Streit um Mautgebühren
Die geopolitische Lage im Persischen Golf hat sich am Wochenende drastisch verschärft. Während die USA und der Iran versuchen, die Bestimmungen eines jüngst unterzeichneten Memorandum of Understanding umzusetzen, hat Teheran nun eine neue Eskalationsstufe gewählt. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi kündigte auf einer Pressekonferenz in Bagdad an, dass die Straße von Hormus innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt werden soll. Jede Form von Einmischung oder der Aufbau paralleler Strukturen würde laut Araghtschi die Lage verschärfen und die Wiedereröffnung der Meerenge verzögern.
Im Zentrum der Kontroverse steht die finanzielle Kontrolle über die Route. Teheran beabsichtigt, Mautgebühren für die Durchfahrt von Schiffen zu erheben, was die Golfstaaten bisher entschieden zurückgewiesen haben. Die USA positionieren sich hierbei als Verteidiger des internationalen Seerechts. US-Außenminister Marco Rubio, der am Dienstag eine Reise in vier Golfstaaten begann, betonte bei seiner Ankunft in Abu Dhabi die völkerrechtliche Lage.
„Es handelt sich um eine internationale Wasserstraße. Kein Land darf auf einer internationalen Wasserstraße Mautgebühren oder Abgaben erheben. Das ist geltendes Völkerrecht. Ich glaube nicht, dass wir hier in dieser Hinsicht irgendjemanden überzeugen müssen.
Rubio erklärte zudem, dass eine „aufmerksame Lektüre der Absichtserklärung“ verdeutliche, dass eine vollständige Einstellung der Kämpfe in der Region derzeit nicht möglich sei. Er begründete dies mit dem Handeln iranischer Stellvertreter.
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Militärische Antwort auf den Angriff auf die „Kiku“
Der Auslöser der jüngsten militärischen Konfrontation war ein Drohnenangriff des Iran auf den panamaischen Öltanker „Kiku“. Das Schiff transportierte zum Zeitpunkt des Angriffs mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus. Die Reaktion der USA erfolgte unmittelbar und massiv. Das US-Regionalkommando Centcom meldete, dass US-Kampfjets der Marine und der Luftwaffe am Samstagabend zehn iranische Militärziele in der Nähe der Straße von Hormus angegriffen hätten. Zu den Zielen gehörten unter anderem Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen sowie Lager für Drohnen und Mittel zur Minenverlegung.

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Die politische Rhetrik in Washington hat dabei eine neue Schärfe erreicht. US-Präsident Donald Trump drohte in einem Beitrag auf seinem Onlinedienst Truth Social mit der vollständigen Zerschlagung der Führung in Teheran, sollte die Eskalation anhalten. Er schrieb, es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem man gezwungen sei, das „Werk, das wir sehr erfolgreich begonnen haben, mit militärischen Mitteln zu vollenden“. Er warnte zudem, dass die „Islamische Republik Iran nicht länger existieren“ würde. Laut Berichten der Frankfurter Rundschau reagierten die Revolutionsgarden darauf mit der Ankündigung einer „vernichtenden Antwort“.
Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in der Golfregion
Die iranischen Revolutionsgarden haben ihre Antwort nicht nur auf die Angriffe gegen Schiffe, sondern auch auf die US-Präsenz in der Region ausgeweitet. In der Nacht zum Sonntag kam es zu Angriffen auf wichtige US-Militärstandorte. Die iranischen Kräfte erklärten, sie hätten acht wichtige Einrichtungen der US-Armee zerstört.
- Stützpunkt Ali al-Salem in Kuwait
- Stützpunkt der Fünften US-Flotte in Port Salman, Bahrain
Die kuwaitische Armee bestätigte die Einschläge feindlicher Raketen, während die Lage in den betroffenen Golfstaaten weiterhin als äußerst instabil gilt. Diese Angriffe markieren einen Bruch mit der vor wenigen Tagen vereinbarten Waffenruhe und zeigen, dass die militärische Schlagkraft der Revolutionsgarden weiterhin als primäres Druckmittel eingesetzt wird.
Gefährdung der Seefahrt und die Rolle der IMO
Die Unsicherheit in der Region hat direkte Auswirkungen auf die Sicherheit der Seeleute. Die Weltschifffahrtsorganisation (IMO) musste ihren jüngst gestarteten Evakuierungsplan für rund 11.000 Seeleute vorübergehend aussetzen. Grund hierfür war ein Angriff im Golf von Oman auf ein Handelsschiff, das sich nicht im Rahmen des offiziellen Evakuierungsprogramms befand.

Während die diplomatischen Bemühungen stagnieren, zeigen die Daten des Rohstofftrackers Kpler, dass der Schiffsverkehr in der Meerenge zwar wieder angelaufen ist, aber weit unter dem Niveau vor dem Konflikt liegt.
This follows our earlier report, USA und Iran unterzeichnen umstrittenes Abkommen – doch Israel blockiert Fortschritt.
- **Verkehr vor dem Krieg:** ca. 130 Schiffe pro Tag
- **23. Juni 2026:** knapp 36 Frachter (drei Dutzend)
- **24. Juni 2026:** fast 72 Frachter
Trotz der verringerten Frequenz bleibt die strategische Bedeutung der Route ungebrochen. Während Länder wie Saudi-Arabien bereits ihre Exporte über das Ras Tanura Terminal vorbereiten, versuchen südkoreanische Unternehmen, die Meerenge kontrolliert zu passieren. Teheran nutzt die unvorhersehbare Lage jedoch weiterhin als Hebel: Seit dem 15. Juni hat der Iran bereits 40 Millionen Barrel Rohöl über die Straße von Hormus exportiert.
Die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass das Memorandum of Understanding zwischen den USA und dem Iran in seiner jetzigen Form kaum Bestand haben wird. Solange Teheran die Kontrolle über die Schifffahrtsrouten als Souveränitätsfrage und finanzielle Einnahmequelle betrachtet, bleibt die Straße von Hormus ein Pulverfass, das die globale Energieversorgung jederzeit destabilisieren kann. Die kommenden 30 Tage werden entscheiden, ob die Region in einen umfassenden Krieg abgleitet oder ob ein neuer, fragiler Status quo gefunden wird.
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